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Tokyo Gore Police (2008)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 06.12.2009, seitdem 863 Mal gelesen


Zurück zur Ursuppe, ein weiterer Ausflug in die Exzesse des modernen Asiakinos, die ihre Stories zum Wohlgefallen der östlichen Kinowelt (und zunehmend auch der westlichen) gern in Brutoregistertonnen von roter Blutsuppe ersaufen, indem das kostbare Naß in Hektoliterfontänen aus jedem Stumpf und jedem Schnitt quillt.

Nachdem ich mich mit weiteren habhaften Auswürfen dieser Untergattung herzerfrischend gelangweilt habe (Machine Girl, Zombie Killer), erwartet man bei "Tokyo Gore Police" natürlich dann auch nicht den Ritterschlag, aber vielleicht wenigstens ein klein bißchen mehr Niveau. Oder mehr Abwechslung im Rumgematsche.

Und ja, Yoshihiru Nishimura kann ein wenig mehr und zeigt es auch, zumindest müht er sich redlich darum, in diesem exzessiven Ausleben von Grenzüberschreitungen so etwas wie einen Hauch Story einfließen zu lassen.
Das alles ist natürlich fröhlich dreist in der Filmgeschichte zusammengeklaut, so ziemlich für jedes Versatzstück findet sich ein zumeist amerikanisches Vorbild, aber das garantiert immerhin Abwechslungsreichtum.

Wir hätten also die privatisierte Polizei, die in ultrabrutal-lustigen Werbespots immer wieder angepriesen wird (siehe auch: RoboCop), dann wären da die "Engineers", tumorös verenderte Fieslingen, denen aus dem abgetrennten Fleisch immer flott eine noch groteskere Mutation des verlorenen Gliedes nachwächst (definitv bei "Videodrome" entliehen) und natürlich ein Vaterle-Trauma der Heldin Ruka, die nach dem Mord am Erzeuger in seine Fußstapfen tritt und in einem der Killer seinen Mörder sieht, bis die Hintergründe und Verschwörungen endlich alle offen gelegt sind.

Das klingt beinahe nach einem fiesen kleinen dreckig-spannenden Film, doch das bleibt leider nur der Aufhänger für einen total ausgeflippten Karneval der Prostetics-Designer und Make-Up-Künstler, die hier offenbar alle auf Crack waren (ausgeflippt und kreativ) und den Plot mit endlosen eklen Splattersequenzen (in der Qualitätsklasse Weltmeister bis Hausmeister) und tonnenweise widerwärtigen Mutationen bestückten.
Immer wieder schweift man fröhlich ab, für einen vollkommen sinnfreien Subplot mit einem mutierten Polizisten investiert man eine volle Viertelstunde, hat aber so Gelegenheit, eine perverse Fetischparty mit Abnormitäten vorzuführen, ihm den Schwanz abbeißen zu lassen, wannenweise rote Soße zu verspritzen und dann eine Prostituierte mit einem Krokodilmaul als Unterkörper auf ihn losgehen zu lassen, der den Rest auch noch wegknuspert, auf daß er (logisch) dann mit einem meterlangen Mutantenprügel im Hosenstall inclusive Endlosmunition (jetzt endlich hat ein Cumshot seine wahre Bedeutung!) seine Kollegen meuchelt.

Das alles ist nie im Leben ernst gemeint und dementsprechend albern und wahnwitzig inszeniert, das alles soll an Mangas erinnern und kaspert man sich die grotesken Sachen kräftig zusammen und teilt nebenbei natürlich asiatische Mädchenträume aus: Schülerinnen-Uniformen, Gummikostüme, Miniröcke, Uniformen, Hot Pants, hohe Stiefel und was die Garderobe sonst noch hergibt, läßt sich alles gut zu Gore garnieren. Die schicken Mädels, allen voran "Audition"-Schönheit Eihi Shiina, müssen dann bloß als Mannequin oder Kleiderständer herhalten, schauspielen muß hier niemand, die grotesken Polizistenparodien mal komplett eingeschlossen.

Minutenlange Kettensägen- und Katanakämpfe werden gereicht, eine hand- und fußamputierte Maskensklavin geht mit Schwertern an allen vier Gliedmaßen in den Infight und auch sonst hackt man mit Vorliebe einzelne Gesichtsteile ab und latscht dann drauf rum.
Das freut einerseits den Gorefan, enttäuscht aber andererseits, denn im ersten Drittel ist das Geschehen noch teilweise ernst und erinnert einen daran, daß man hier einen passablen, leicht futuristischen Giallo hätte zusammenbasteln können, doch danach rotiert bald nur noch der Kasper, bis es im letzten Drittel dann vollends meschugge wird.

Es ist natürlich schön zu diskutieren, ob das der Witz der Postmoderne ist, die Sau durch sämtliche Schlachthäuser zu treiben und alles auf Film zu bannen, was an den Hufen kleben geblieben ist, aber der Film ist so konsequent angefüllt mit suppigen Tabubrüchen geschmacklicher Natur und noch dazu zeitweise so erfrischend infantil und knallbunt, das man das schon entspannt honorieren muß, wenn wieder irgendwelche bizarren Freaks den Fernsehschirm füllen.
Leider merkt man das mäßige Budget der Produktion an (das Geleistete ist dafür dennoch enorm), wenn etwa die Polizeizentrale offensichtlich nur aus einer Reihe leerer Lagerhallen besteht, in denen man nicht mal Tische stehen hat.

Alles in allem dünkt mich auch das wieder nach einer eher verpaßten Chance auf Größeres und die vielen "atmosphärischen" Pausen hätte man auch straffen können, weil "Coolness" offenbar von diesem Japaner noch nicht richtig eingefangen werden kann, aber die Menge machts am Ende, ein Sammelsurium, das man mal gesehen haben sollte. Muß aber kein Trend werden, wenn die Fortsetzungsandrohung auch schon im Film drin ist... (5/10)


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