Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 01.04.2005, seitdem 807 Mal gelesen
„Leichen pflastern seinen Weg“ gehört zu den Filmen, bei denen der deutsche Titel den Originaltitel übertrifft – in diesem Falle „Ill grande Silencio“, zumal das Wortspiel des Originaltitels nicht wirklich zu übersetzen ist.
Winter 1896 in Utah: In einem kleinen Städtchen müssen die Männer hungern, die keine Arbeit finden. Die Arbeitgeber benutzen diese Macht zur Unterdrückung, doch die verarmten Männer werden zu Banditen, die für ihr Überleben andere überfallen – was den reichen Bewohnern wiederum ein Dorn im Auge ist. Das Szenario ist zwar nur bedingt neu im Westerngenre, aber ziemlich interessant und brisant.
Die reichen Bewohner setzen Kopfgelder auf die Banditen aus, was Horden von Kopfgeldjägern anlockt. Diese sind jedoch skrupellose Meuchelmörder, welche gar nicht erst in Betracht ziehen die Männer gefangen zu nehmen, sondern direkt erschießen – was den Reichen gar nicht mal so unrecht ist. Der ruchloseste Kopfgeldjäger und quasi ihr Anführer ist Loco (Klaus Kinski). Damit hat sich das Team um Regisseur und Co-Autor Sergio Corbucci einen wirklich abgrundtief fiesen Bösewicht erdacht, der zudem von Kinski sehr charismatisch dargestellt wird.
Doch auch die Banditen haben einen Verbündeten, den stummen Revolverhelden Silenzio (Jean-Louis Trintignant). Dieser rächt die Morde an den Hungernden und tötet Kopfgeldjäger. Der Konflikt spitzt sich zu, als sowohl er als auch Loco in der Stadt sind...
„Leichen pflastern seinen Weg“ ist ein harter, dreckiger Italowestern und strahlt das in jeder Szene aus. So wird deutlich derber und blutiger verwundet und erschossen als in den meisten US-Western und das Kunstblut fließt. Die Shoot-Outs sind auch ganz ordentlich choreographiert, doch nicht übermäßig spektakulär. Doch „Leichen pflastern seinen Weg“ gehört zu den Western, die nicht rein auf Action setzen, sondern auch auf ihre Story.
Die Geschichte ist dann auch recht spannend und erzählt kompromisslos, wie der Kampf rechtschaffend vs. skrupellos sich immer weiter zuspitzt. Überraschungen kann die Geschichte auch ein paar bieten und trotz der wenig temporeichen Erzählweise versteht „Leichen pflastern seinen Weg“ es, den Zuschauer zu fesseln. Zwar wäre etwas mehr Pep durchaus belebend gewesen, doch Längen gibt es nur kleinere. Etwas problematisch ist der Schluss zu beurteilen, dass mal eine Alternative zu den 08/15-Enden anderen Western bietet, aber den Zuschauer gleichzeitig recht unbefriedigt stehen lässt.
Allerdings ist „Leichen pflastern seinen Weg“ nur ein guter Italowestern und kein Referenzwerk, was zum Teil an Regisseur Sergio Corbucci liegt. Dieser ist zwar besser als diverse andere Billigfilmer aus Italien, aber er kann aus dem Stoff nicht das machen, was jemand vom Kaliber eines Sam Peckinpah oder Sergio Leone draus gemacht hätte. Die verschneiten Landschaften bringt er zwar stimmig rüber, aber einige Szenen wirken doch etwas ungeschliffen z.B. die etwas seltsam anmutende Saloonprügelei oder das übertriebene auf eklig getrimmte Abendessen eines Kopfgeldjägers.
Darstellerisch liegt „Leichen pflastern seinen Weg“ allerdings auf überraschend hohem Niveau, was vor allem Klaus Kinski anzurechnen ist, der als charismatischer Fiesling den Film beherrscht. Doch Jean-Louis Trintignant als stummer Held gibt einen nur knapp schwächeren Gegenpart ab, wogegen die Nebendarsteller zwar ganz ordentlich sind, aber im Vergleich zu den beiden dann doch absinken.
Unterm Strich bleibt ein harter, interessanter Italowestern mit einer guten, spannenden Geschichte, auch wenn kleinere Längen und ein paar unbeholfen inszenierte Szenen das Vergnügen leicht trüben.