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Leichen pflastern seinen Weg (1968)

Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 06.08.2008, seitdem 372 Mal gelesen


Heiliges Kanonenrohr!!! Was zum teufel ist denn in den guten alten Corbucci geraten? Ach du Scheiße!!

Dies ist der mit Abstand gründlichste Anti-western, den es geben kann:

1. Der Ort der Handlung: Schneebedecktes Berg-Dorf, statt Wüste oder sowas.

2. Die Handlung: Kopfgeldjäger töten dauernd Leute und berufen sich dabei auf das Gesetz und die Notwehr.

3. Der Held: Ein stummer Kerl, der für das letzte Gute einsteht, für Prinzipien wie Gerechtigkeit, Recht, Ordnung, gesellschaftliche Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft an sich und den Unterprivilegierten im Speziellen. Seine Stille ist ein Symbol für seine Hilflosigkeit, für sein Nichterhörtwerden. Einer, der aber daher auch weiß, dass er keine Chance hat.

4. Der Schurke: Ein Kopfgeldjäger - verkörpert vom genial aufspielenden Klaus Kinski - der genau weiß, dass er eigentlich im Unrecht ist, aber das Gesetz ihm Recht gibt. Mehr als einmal sagt er: "Es war Notwehr." - Wohl mehr um sich selbst das einzureden als sich der Außenwelt gegenüber zu rechtfertigen.

5. Das Ende: Drastisch bis zum geht nicht mehr. Düster und knallhart. Gleichzeitig mit einer unglaublich fiesen Message, die Klaus Kinski regelrecht ins Gesicht geschrieben steht: Unrecht aber vom Vater Staat geduldet. Und vielleicht sogar gewollt? Es scheint ihm regelrecht leid zu tun, was da passiert ist.

Dieser Film ist Corbucci at his very best:
Hoch moralisch, extrem konsequent, super schäbig und dreckig und irgendwie billig.
Dies ist das, wohin der Italo-Western mit seiner Umkehrung vieler Westenarchetypen hingeführt hat, eine Steigerung dieses Filmes ist nicht möglich.
Dies ist nicht der beste Western oder Italo-Western, sondern lediglich die extremste Steigerung des Italowestern. Ein Nachruf ohne dass das Genre gestorben ist.
Aber es gibt keinen Zweifel. Lange wird es den Italo-Western nicht mehr geben.

Der Italowestern dieser Gattung war dann auch relativ bald tot, die restlichen Italowestern jener Jahre handelten schließlich von der 68er Bewegung auf Mexiko übertragen, und verstarb dann auch bald.

Corbucci hatte maßgeblichen Anteil am Ruhm dieser Ära. Wenn Leone der Erfinder, Ästhet und spätere Moralist war, so war Corbucci der Vollstrecker und frühe Moralist. Und Silenzio ist sein Schlag in die Magengrube der Zuschauer.

Der absolute Hammerfilm, dieser absolute Antwi-Western, Absolut.

8 Punkte, weil trotz aller Klasse dennoch irgendwie schäbig und nicht unbedingt jedermanns Sache.


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