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Griechenland als Filmland ist den allermeisten Zuschauern, außerhalb des Landes, eher fremd. Man kennt vielleicht "My Big Fat Greek Wedding", welcher allerdings kein griechischer Film ist, sondern ein amerikanischer, und nur inhaltlich gewisse griechische Züge besitzt. Nein, aus der Kalten griechische Filme aufzuzählen dürfte wirklich schwer sein. "Kleine Verbrechen" allerdings könnte auch außerhalb Griechenlands zumindest einen kleinen Bekanntheitsgrad bekommen, denn die Produktion, welche auch einige deutsche Einflüsse hat, ist schon auf mehreren Festivals gelaufen und kommt nun in unsere Programmkinos. Und empfehlenswert ist ein Besuch auf alle Fälle, denn das griechische Lebensgefühl kommt in dieser lockerluftigen Komödie durchaus rüber.

"Kleine Verbrechen" erzählt die Geschichte des Polizisten Leonidas, der auf einer Mini-Insel den Bullen mimt, dabei aber, außer ein paar nackten Badeurlaubern oder ohne Führerschein fahrende Jugendliche, nicht viel zu tun hat. Er strebt nach mehr, doch sein Vorgesetzter macht ihm keine Hoffnung. Doch dann kommt ein Inselbewohner auf tragische Weise ums Leben und Leonidas ist fest entschlossen die Sache aufzuklären. Die junge Fernsehmoderatorin Angeliki hilft ihm dabei... Nun ja, so spektakulär klingt das Ganze ja nun nicht und das ist es auch nicht. Die Story bewegt sich durchgehend auf sehr seichtem Niveau, was in diesem Fall aber nicht unbedingt als negativ zu betrachten ist. Drehbuchautor und Regisseur Christos Georgiou war es in keinster Weise wichtig irgendwelche tiefgründigen Geschichten zu erzählen oder den Zuschauer mit spektakulärem Bombast zu fordern. Das Ziel liegt eindeutig in lockerer Unterhaltung, die man genüsslich nebenbei oder an einem verregneten Sonntagnachmittag vor der Glotze genießen kann. Und das gelingt auch.

Denn die Mischung aus schwarzem, aber nie aufdringlichem Humor, einer zarten Lovestory und einem schmalen Krimipart geht auf, was vor allem an der Freude liegt, die man als Zuschauer beim sehen erleben kann, sofern man die Erwartungen nicht zu hoch schraubt. Die Figuren sind allesamt äußerst sympathisch geraten, vor allem die Hauptfigur des leicht trotteligen "Dorfpolizisten" Leonidas macht Laune. Dazu allerhand skurrile und schrullige Nebenfiguren, vom kauzigen Verstorbenen, der in unterschiedlichen Rückblenden (in der Fantasie des Polizisten) immer wieder sterben muss, über die aufbrausende Angeliki, die schon mal den Fernseher der Mutter aus dem Fenster schmeißt, wenn sie sauer auf sie ist, bis hin zu all den anderen Dorfbewohnern, die zum Teil schrulliger nicht hätten ausfallen können. Ja, die Figuren haben schon eine ziemliche Bedeutung, was das Gelingen des Films angeht.

Aber auch der Humor ist wunderbar. Auch wenn hier niemand wirklich böse ist, so geht es mitunter doch recht schwarz zur Sache, wenngleich jeglicher Anflug von Biss aus der Situation heraus geboren wird und nicht wirklich bis zum Ende ausgekostet wird. Vor allem das "zusammenfalten" des Leichnams und das Verstauen des jenigen in der einzigen Eisbox auf der Insel, ist schwarzer Humor pur. Aber auch die drollige Schusseligkeit und die mitunter absurden Ermittlungsmethoden von Leonidas geben Grund zum Schmunzeln und teils sogar zum richtigen Lachen. Auch wenns unterm Strich dann doch mehr Schmunzler als wirkliche Lacher sind, wirkliche Blindgänger hat das Ganze nicht zu bieten.

Der Krimipart ist zudem auf recht einfachem Niveau gehalten, was ebenfalls sehr passend ist. Wie schon erwähnt schnüffelt Leonidas, manchmal auch eher zufällig, in den Angelegenheiten seiner Mitbürger herum und spinnert sich dabei so manche skurrile Möglichkeit aus, wie der Tote denn nun in Wirklichkeit ums Leben gekommen ist. Höhepunkt ist dabei die "Verfolgungsjagd" der britischen Geheimbehörde, die sogar technisch ein wenig herausragt. Man sollte allerdings am Schluss nicht auf eine bombige Auflösung warten, denn der Krimipart ist nun mal eher ein Nebenstrang, wenngleich er auch stetig präsent ist, und somit fällt die Lösung dann auch eher schlicht aus. Doch nach Ansicht des Films hätte man es auch nicht viel anders machen können, um nicht dem Stil des Ganzen am Ende noch untreu zu werden. Quasi genauso seicht wie galant gelöst, das Ganze!

Abgerundet wird das Bild dann noch durch wunderschöne Naturaufnahmen, von denen es ebenfalls nicht wenige gibt. Das Griechenland nun mal einer der schönsten Flecke auf dieser Erde ist, ist ja bekannt und so erstrahlen die Aufnahmen der Insel teilweise richtig märchenhaft. Das Meer glänzt im schönsten Blau, genau wie der Himmel, die Wiesen und Landschaften im sauberem Grün und die Sonne scheint natürlich unentwegt. Dazu die schönen rustikalen Hütten und schon ist der Wunsch nach Urlaub zum greifen nah. Kurz gesagt, die Location passt wie die Faust aufs Auge und ist schon alleine einen Blick wert.

Dazu kommen dann noch die Schauspieler, welche man zwar allesamt nicht kennt, aber ihre einzelnen Rollen mit Bravour ausfüllen. Vor allem Hauptdarsteller Aris Servetalis macht seine Sache gut und stellt den trotteligen Polizisten wirklich urkomisch zur Schau. Aber auch mit allen anderen kann man zufrieden sein.

Fazit: Locker-Luftige Unterhaltung der sympathischen Art, dass ist "Kleine Verbrechen"! Ein kleiner Krimipart vermengt mit einen sanften Lovestory und einem großen Fundus an netten kleinen Schmunzeleien, umhüllt mit viel griechischer Lebenslust und vorgeführt vor einer der schönsten Naturkulissen dieser Erde. Sonderlichen Tiefgang sollte man sicher nicht erwarten, geschweige denn einen großen Wurf im Blockbusterstil. Doch wer sich auch einmal auf luftig-leichte Filmkost einlassen kann, welche vor allem von ihren Figuren lebt, dem versprühten Lebensgefühl, sowie der grandiosen Kulisse, der kann mit "Kleine Verbrechen" nicht viel falsch machen.

Wertung: 7/10 Punkte

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