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Wolke 9 (2008)
Eine Kritik von -Eduard- (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 16.05.2011, seitdem 323 Mal gelesen
Inge ist seit über dreißig Jahren mit ihrem Mann Werner verheiratet. Das Eheleben hat Routine angenommen. Beide befinden sich in Pension. Hin und wieder jedoch arbeitet die fast siebzigjährige Rentnerin als Änderungsschneiderin, verdient sich einige Mark dazu. Eines Tages begegnet sie Karl, einem sechsundsiebzigjährigen Pensionär, der die hausinterne Schneiderei aufsucht, um ein Kleidungsstück ändern zu lassen. Es scheint für Inge unbegreiflich zu sein, denn zunächst kämpft sie noch dagegen an - Aber in ihrem Inneren ist es nicht zu leugnen: Sie fühlt sich zu Karl hingezogen. Beide beginnen eine lodernde Affäre und setzten damit nicht zuletzt Inges Ehe auf’s Spiel ...
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WOLKE 9 ist das Einfachste vom Leben. Eine Rentnerin verliebt sich in einen anderen Herren, obzwar diese bis dato mit ihrem Mann eine unbeschadete Ehe führte. Eingangs ausschließlich beichtend im Schoße der Tochter Petra, lassen Inge die Gewissensbisse, die sie immer wieder nach dem Geschlechtsakt mit dem neuen Mann an ihrer Seite empfindet, nicht los und sie fasst die gewagte Willensbestimmung, Werner, ihrem Ehemann, von diesem Begebnis zu berichten. "Es ist einfach so gekommen!", erklärt Inge und legitimiert mit: "Die Liebe sei Schuld". Für Werner bricht die Welt phasenweise zusammen, wie man im späteren Verlauf anhand der anfänglich noch resignierenden, introvertierten Episode und hernach am abrupt-eintreffenden Ende des Films erkennen wird.Â
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Liebe, Sex und Alter sind die drei großen thematischen Silbermänner in diesem Film von Andreas Dresen aus dem Jahre 2008 und zeigen dem Zuschauer den Zusammenhang und deren Signifikanz in mehreren ausdrucksvollen Kapiteln auf. Innerhalb der Filmbranche waren Liebe und Sexualität stets das Würzmittel sowie unentbehrlicher Grundstoff eines nahezu jeden Films. Themen, welche jeden Einzelnen unter uns betreffen, welche stetig im Unterbewusstsein rotieren und die Dinge aus einem Winkel erscheinen lassen, welcher mit Nichten Objektivität beglaubigt. Wenn allerdings das Alter als Substrat einmarschiert, entwickelt sich eine Kombination, welche sich in der westlichen Welt zu einer moralischen Schranke normierte, dass selbst das Thema des vorzeitigen Geschlechtsverkehrs unter Jugendlichen abgelöst hat. Ein Tabuthema, welches ungerne in unserer Gesellschaft fußt und zum Gesprächsstoff wird. Es ist eine besonders von der Moderne geprägte Allgemeingültigkeit, dass Liebe und Sex ab einem gewissen Alter aufhören zu existieren. Andreas Dresen, welcher unter anderem Regie für Filme wie HALBE TREPPE oder SOMMER VORM BALKON führte, hat sich dieser heiklen Problematik, dass Liebe, Sex und Alter unvereinbar erscheinen, angenommen und mit Bildern gearbeitet, die bewusst die manchmal triste Monotonie des Alltaglebens einfangen und dabei dem Zuschauer verdeutlichen, dass der Mensch ein Mensch mit all seinen Bedürfnissen, Wünschen und auch Trieben bleibt - Auch im hohen Alter ...
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Viele Metaphern trägt der Film, die einem, wenn man gar rigide vor’m Fernsehr sitzt und sich empathielos die Bilder ansieht, meist erst gar nicht erreichen. WOLKE 9 ist freilich nicht für einen gemütlichen Familienabend gedacht, denn dafür ist er in seiner monotonen Melancholie zu bleiern. Elemente des Wassers in Bezug auf Veränderung sind ja in der Filmnarration nichts Neues und auch hier kommt dieses Fragment dann und wann zum Einsatz. Man sieht die hin und wieder als Änderungsschneiderin tätige Inge und Werner, den pensionierter Lehrer, fortwährend mit der Eisenbahn herumkutschieren - Ohne dabei ein wirkliches Ziel zu haben. Es ist ein Steckenpferd, das die beiden augenscheinlich aneinanderbindet. Inge äußert im Film, dass Zugfahren gänzlich anders sei, als fuhre man mit dem Auto. Die lateral-stehende Natur würde in ihrem Habitus anders wirken, als wenn man sie von einer Zugmaschine aus beschaut. Das Bahnfahren ist für die beiden eine Kraftquelle. Man merkt es in der Szene, in welcher eine Schallplatte läuft, die lediglich mit quotidianen und tristen Zuggeräuschen auffährt. Das ist schon fast schon etwas morbide - Beifolgend die expliziten Liebesszenen, von welchen es mehr als eine Handvoll in WOLKE 9 gibt. Es wird der Versuch gewagt, diese möglichst nahe an der Realität vorbeischlendern zu lassen, obschon so mancher Handlungsakt beim jungen Publikum doch eher vom Kopfschütteln bis hin zum Detestieren animieren dürfte. Aber weil die Protagonisten vorherrschend improvisieren, wirkt das Grundgerüst trotz mancher Ambivalenzen doch zum geräumigsten Teil authentisch, was freilich nicht heißen soll, dass man auch einunddieselbe Meinung vertritt. Aber es ist schon harter Tobak, was man hier zu sehen bekommt, nicht zuletzt aufgrund der willkürlich-gesetzten narratorischen Wortkargheit sowie der musikalischen Untermalung, welche hauptsächlich minimalistische Konturen in das Körperschema impliziert. Man hat schlichtweg alles sehr bescheiden gehalten. Das ist zwar kein Novum für einen deutschsprachig-produzierten Film, jedoch in diesem Werk in beabsichtigter Art und Weise vonstatten gegangen, so dass man meinen könnte, man wolle eine Existenz aufzeigen, welche ausschließlich von der Liebe handelt. Die Explizität der Sexstaffagen macht aufgrund ihrer harschen Statur irgendwo die Empfindung, als wolle man die sittliche Schranke weit aufdehnen und nicht etwa die Liebe als etwas Alltägliches darstellen. In dieser Art ein tatsächlich himmelschreiendes Thema, das die Macher sich ausgesucht haben, denn wer denkt schon darüber nach, mit was sich die älteren Herrschaften am gemeinschaftlichen Lebensabend die Zeit vertreiben. Auch werden heikle Fragen aufgeworfen, wie bspw. die, ob der Partner, den man an seiner Seite führt und mit dem man möglicherweise schon Dekaden verbrachte, denn auch der richtige Partner ist. Durch die Koinzidenz der Protagonistin mit dem älteren Karl, formt sich zunächst das Bildnis der Ménage-à -trois und später die Ausflucht aus einer routinierten Welt in emotive Gefilde, unter dessen Präponderanz sie sich noch einmal jung fühlen darf ...
Fazit: Deutsche, monotone Melancholie mit Arthouserahmen und einer Handvoll Epaven des täglichen Alltags kombiniert mit seneszenter Kontiguität.
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