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Strange Days (1995)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 28.04.2003, seitdem 645 Mal gelesen


Ein Science-Fiction-Film über das Jahr 99/2000, das mag wohl eher etwas angestaubt wirken. Kathryn Bigelow und James Cameron wagten sich an das Thema und inszenierten beinahe eine Art sozialen Endzeit-Film, obwohl das Setting nicht mal ein Jahrzehnt entfernt war. Es spielt in den Tagen vor dem Jahreswechsel zu 2000, die Stadt LA scheint in Chaos und Aufruhr zu versinken, und die, die sichs leisten können, dröhnen sich zu mit der neuen Adrenalin-Droge: SQUID, ein Modul, das aufgezeichnete Erlebnisse real in das angeschlossene Gehirn projeziert. Gerade da passiert ein brisanter Mord an einen politisch engagierten schwarzen Rapper, sowie an einer Hure, und Lenny, der bekannteste SQUID-Dealer und ehemalige Polizist bekommt eine Snuff-Aufzeichnung davon. Im Glauben an eine Verschwörung und in Sorge um seine Ex-Freundin Faith, versucht er zusammen mit seinen Bekannten Mace und Max die Sache aufzuklären.
"Strange Days" ist zunächst ein guter Action-Krimi. Die Story ist nicht sonderlich originell, wird aber gut verarbeitet und hält einige Wendungen parat, während die Schauspieler authentisch wirken. Der besondere Reiz liegt hier aber wohl eher am visuellen Stil und am Rahmen der Erzählung. Grelle, poppige und zugleich düstere Bilderfluten zeigen eine Fun- und Mediengesellschaft im Endstadium, mit einer Kluft zwischen Arm und Reich. Wo sich Massenparties, Drogen, Flucht vor der Realität, sowie Gewalt und soziale Konflikte gerade noch die Waage halten, jedoch droht ständig eine Eskalation. Nervös-hektische Schnitte und Kamerabewegungen, grelle Kontraste und eine ständig pulsierende Soundkulisse verstärken den Effekt, sowie eine für Hollywood fast unpassende Vermischung von freizügiger Sexualität und Gewalt.

Was soll man nun halten von dieser Endzeit-Fiktion, hat sie sich doch nicht wirklich so bewahrheitet? Natürlich ist es eine überzogene Metapher über unsere Welt, aber der Film zeigt nichts anderes als eine der vielen möglichen Vorstellungen, wie unsere Welt werden könnte, und wie Menschen darin zurechtkommen müssen. Eine Vision, wie sie auch "Blade Runner" oder "Metropolis" im Grunde sind, nur, dass "Strange Days" einfach näher, greifbarer erscheint. Zusätzlich aber auch ein Porträt einiger Individuen in einem großen, anonymen Pott verschiedenster Menschen, der an zu Egoismus verkommenem Individualismus und an zur Droge verkommenem Spaß zu Grunde zu gehen scheint.

Ein eindeutig unterschätzter Film - 8/10.


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