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Fluch der 2 Schwestern, Der (2009)

Eine Kritik von Hey_Yo (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 14.05.2009, seitdem 1262 Mal gelesen


„The Uninvited“ oder „Von zuckenden Mülltüten und Vibratoren ohne Batterien“

Sechs Jahre.
Eine lange Zeit.
Insbesondere beim heutzutage herrschenden Remakewahn der Amerikaner.
In Zeiten, in denen es kein ganzes Jahr dauerte bis „Quarantine“, das Remake des durchschnittlichen Zombie-Wackelkamera-Horrorfilms „[Rec]“, es in die US-Kinos schaffte, ist es verwunderlich, dass ein qualitativ hochwertiger Film wie der südkoreanische „Janghwa, Hongryeon“/„A Tale of two Sisters“ so lange auf sein Remake „warten“ musste (das soll insbesondere aber heißen, dass das bei der Qualität erst recht nicht nötig gewesen wäre).
Sechs Jahre also. Zeit genug, um eine halbwegs eigenständige Version des Stoffes anzufertigen? Und mit sinnvollen Neuerungen, Ergänzungen und, wie so oft üblich, wenn der Film ursprünglich aus Asien kommt, Vereinfachungen zu versehen?
Man sollte denken, dass bei der Vorlage nichts unglaublich Schlechtes herauskommen könnte. Aber alles fing schon beim Trailer an, dahinzubröckeln, sofern man schon dort die ersten schlimmer Vorzeichen erkannte…

Anna (Emily Browning; „Lemony Snicket’s A Series of Unfortunate Events“) kommt nach gut einem Jahr aus der Nervenklinik nach Hause – offenbar geheilt von ihrem Trauma: ihre kranke Mutter (Maya Massar), die im Bootshaus gepflegt wurde, kam bei einem Feuer ums Leben. Doch Anna erinnert sich nicht genau an die Geschehnisse aus der tragischen Nacht. Ihre Schwester Alex (Arielle Kebbel; „John Tucker must die“) und ihr Vater Steven (David Strathairn; „Good Night, and good Luck.“), der seit ein paar Monaten mit der damaligen Krankenpflegerin Rachel (Elizabeth Banks, „Role Models“) zusammen ist, die mittlerweile bei ihnen wohnt, lebten weiterhin in ihrem Haus und bauten das Bootshaus nach und nach wieder auf. Nun sind sie froh, dass Anna wieder heimkehrt, auch wenn sie sich nie gut mit Rachel verstand, was auch jetzt wieder zu einer angespannten Atmosphäre führt.
Als Anna nach der Ankunft mysteriöse Erscheinungen ihrer toten Mutter hat, stellt sie mit Alex Nachforschungen an und erfährt nach und nach, was wirklich damals geschah. Für sie steht fest: Rachel ist nicht die, für die sie sich ausgibt, und hat das Feuer gelegt…

Das klingt vereinzelt noch recht nah am Original, obwohl hier als Grundlagen schon Gegebenheiten dienen, die im 2003er Film nach und nach erst erschlossen und nie so direkt angesprochen wurden.
Allerdings zeigt sich ziemlich schnell, dass es sich wenigstens nicht wie beim angesprochenen „[Rec]“-Remake um eine beinahe 1:1-Kopie des Originals handelt.
Erster Gedanke dazu: Löblich!
Zweiter Gedanke: Kann das gut gehen?
Gedanke nach dem Film: Anscheinend nicht!
Denn alle Änderungen gegenüber dem meisterhaften „Janghwa, Hongryeon“ bedienen die Simplifizierung des Themas, sofern sie inhaltlicher Natur sind, oder verkommen zu banalen Jump Scares, wenn es darum geht, entsprechende Spannungsszenen aus dem Original abgewandelt wiederzuerzählen.
Dieses verstand es in Perfektion den Zuschauer mit grandios inszenierten, oft ohne (oder nur mit einem Minimum an) Musik auskommende Szenen zu beunruhigen. In der Masse gab es nicht viele typisch asiatische Horrorszenen, die man vielleicht erwarten würde, wenn man an Filme wie „Ringu“ und „Ju-on“ denkt. Deshalb kann man „Janghwa, Hongryeon“ schon fast eher als Psycho-Familiendrama mit vereinzelten Mysteryelementen beschreiben. Klar, dass so was in einem US-Remake nicht sein darf. Da gibt es gewisse Vorstellungen und Erwartungen, die an so einen Film gerichtet sind; was liegt also näher, als einen weiteren, austauschbaren 08/15-Grusler daraus zu basteln? Nichts. Und genau deshalb mutet „The Uninvited“ auch viel mehr wie ein „The Ring“-Epigone an – und nur wenn man ganz großzügig ist, kann man ihm noch gewisse Familiendrama-Elemente hinzudichten. Von der subtilen, knisternden Spannung und den ruhigen Bildern des Originals ist nichts mehr geblieben.
Das wird schon in der Anfangsszene deutlich, als Anna auf einer Party mit Matt (Jesse Moss; „Final Destination 3“) rummacht und danach nachts allein durch den Wald nach Hause geht. Sie findet drei Müllsäcke, von dem einer plötzlich umkippt. Aus diesem kommt eine extrem verdrehte, ruckartig zuckende Leiche zum Vorschein, von der sie angesprochen wird. Jedes Zucken wird mit einem ohrenbetäubenden Lärm (soll wohl eine Art Musikstück sein) unterlegt, das die vielleicht noch morbide angehauchte Szenerie zunichte macht. Spannung und Atmosphäre sind aber bekanntlich nicht, wenn man nachher prüfen muss, ob das Trommelfell noch heil ist.
Zudem wurden die beiden „größeren“ Spannungsszenen aus dem Original verschlimmbessert. Während die Geistererscheinung in der Nacht in Annas Zimmer zu einem wilden, hektischen, lauten Rumgekreische umfunktioniert wurde, wurde aus der Spülenszene der wohl langweiligste Jump Scare der Saison (was haben wir uns bei der vorherrschenden Unvorhersehbarkeit verjagt).
Im Minutentakt werden (mehr oder weniger) schreckliche, gruselige Szenen aneinandergereiht, was den Dramaspekt des Ausgangsfilms zusätzlich in die Ecke drängt. Die hinzugefügten Szenen verlaufen dann leider ebenfalls vorhersehbar und unspektakulär.
Somit kann die ’09er-Version nie an die unheilvolle, bedrohliche Atmosphäre des Vorbilds heranreichen, da diese mit billigen, abgegriffenen Gruselmomenten erzeugt werden sollte – und die Guard Brothers dabei gnadenlos gescheitert sind.

Und wer dann denkt, das sei schon alles unnötig, der hat noch zwei großartige Ideen nicht berücksichtigt: zum einen die (völlig überflüssige) neu hinzugekommene Lovestory zwischen Anna und Matt und zum anderen ihre Schwester Alex – das stereotype Abziehbild eines dummen Teenagers: gut aussehend, knapp bekleidet, schlampig rumlaufend, ständig Alkohol trinkend und vulgär. Szenen, in denen sie Rachel hinter deren Rücken als „Crackhure ohne Ehre“ bezeichnet, mögen in ihrer direkten Art fast noch unverständliches Lachen fördern (fairerweise muss man sagen, dass es in gewissem Maße auch dem Ende dient), aber von subtil ist auch das weit entfernt. Dass sie danach auch noch die Batterien aus Rachels Vibrator klaut, ist da nicht notwendiger – das sind alles nur Füllszenen, Ersatz ohne größeren Sinn, um das Geschehen etwas aufzulockern, weshalb der Ernst nach und nach vollends verloren geht. Die anfänglichen extrem ruhigen, fast schon gemütlichen, sehr langen Szenen aus dem Original werden so komplett ausgeblendet – das Volk will ja Action und Aktion.
Und deshalb wird auch zum Ende hin selbstverständlich alles bis ins kleinste Detail präsentiert, es bleibt nicht nur bei diversen Andeutungen und Interpretationsmöglichkeiten wie im Original; nachdenken will niemand. Während sich insgesamt bei „A Tale of two Sisters“ langsam nach und nach eine bittere, traurige Tragödie offenbarte, kommt es hier am Ende zu einer Auflösung, die als ganz großer Knall verkauft wird (inklusive im negativen Sinne passender Musik und einiger blöder Schnitte). Und dann ist auch schon Ende. Das Ende von 2003 war wesentlich komplexer, es steckte deutlich mehr dahinter als diese simple Spukgeschichte – verdeutlicht auch dadurch, dass der (erste) Twist viel früher zum Vorschein kam und das Finale noch einige weitere Überraschungen zu bieten hatte, was „The Uninvited“ schon in die Voraussetzungen steckte.
Als Zuschauer bleibt man hier nicht noch gleichzeitig geschockt und fasziniert zurück wie beim Original, es wirkt einfach belanglos, langweilig und überraschungsarm hingeschustert.

Zu erwähnen bleibt, dass die Schauspieler auch nicht gegen die veränderten Charaktere ankämpfen können. Es mag an den Mentalitäts- und Kulturunterschieden zwischen Südkorea und den USA liegen, dass die Charaktere abgewandelt wurden, aber ein gewisser Faktor Anspruchsreduzierung dürfte auch vertreten sein.
Browning entwickelt nie die schüchterne Unschuld gepaart mit der nötigen Portion Rebellion gegen die Stiefmutter von Su-mi (2003). Sie wirkt viel mehr nur aufmüpfig, schlussendlich sogar hysterisch auf der einen Seite und auf der anderen Seite schleimerisch-freundlich und recht zurückhaltend, wenngleich sie in ihrer Rolle trotzdem eine gute Figur macht - das Problem ist einzig und allein, dass der Charakter für die US-Fassung verändert wurde.
Kebbel ist an sich schon genug mit der Rolle gestraft, die nicht besonders weit weg von einer Rolle aus einem Teeniestreifen ist, die sie zur Genüge schon beispielsweise in „American Pie presents Band Camp“ spielen durfte. Der pubertäre Charakter ist komplett fehlkonzipiert in seiner absolut unangebrachten Art: er hat nichts mehr mit dem ängstlichen, verunsicherten Mädchen Su-yeon von 2003 gemeinsam. Ein Zugeständnis an die Durchschnittszuschauer, insbesondere die männlichen, die sich darüber freuen dürften, dass Kebbel immer im knappen Bikini herumläuft und sexistische Witzchen reißt.
Banks hingegen schafft es ebenfalls nicht, die bitterböse, heuchlerische Art der Stiefmutter herüberzubringen, sie wirkt immer so, als wäre sie zwar angefressen von der Situation, aber richtig böse wird sie nur am Ende und da wird der Bogen dann überspannt – sie ist aggressiv und übertrieben. Vorher ist sie einfach noch zu nett.
Einzig Straithairn kann an den Vater des Originals anknüpfen, wirkt ebenfalls oft abwesend, weit weg, unbeteiligt. Dass er sich trotzdem stärker in das Geschehen involviert, passt dann wiederum dazu, dass nicht wie vor sechs Jahren verstärkt darauf herumgeritten wird, dass er nicht mitbekäme, was hier vor sich ginge.

Natürlich sollte man den Film dann auch für sich allein betrachten können und der folgende Absatz wird versuchen, „The Uninvited“ unter dem Gesichtspunkt „Was um alles in der Welt ist „Janghwa, Hongryeon“?“ zu betrachten, was bei Kenntnis des letzteren für mich etwas schwieriger fällt.
Festzuhalten bleibt aber schon mal, dass das Remake dann wohl weit weniger ärgerlich ausfällt, da man ohne direkten Vergleich nicht weiß, wie das ganze qualitativ ansprechend aussehen könnte. Man hätte unter Umständen keine Probleme damit, die Holzhammerschocks hinzunehmen – für das durchschnittliche Gruselvergnügen. Im Besonderen sind die Spülenszene und die zweite Nacht in Annas Zimmer nur dann als passabel anzusehen, wenn das Original unbekannt ist, da sich gerade hier zeigt, was die Amerikaner alles falsch machen.
Immerhin wird man dann vom Plottwist überrascht, da das Remake alles daran setzt, diesen bestmöglich zu bewahren und zu verschleiern; sogar besser als das Original, wenngleich es dann rückblickend insgesamt fast ein wenig übertrieben wirkt und es schon den umgekehrten Effekt haben könnte, so dass man die Auflösung doch vorher kommen sehen könnte.
Und somit nimmt man am Ende vielleicht sogar den Gedanken mit nach Hause (wenn man sich schon keine mehr zur Geschichte machen muss), dass man hier einen schönen, locker-leichten, aber verspäteten Durchschnittsbeitrag zur Asia-Mystery-Einheitsbrei-Welle mit recht unerwarteter Auflösung sah.
Dennoch dürfte er selbst dann in der Summe nicht so weit über den kürzlich erschienenen, bescheidenen Beitrag „The Unborn“ hinauskommen, der zwar überall mal irgendwo irgendetwas klaute, aber immerhin kein Remake zum absolut direkten Vergleich war, weshalb die qualitativen Unterschiede dann weniger auffielen.

Sechs Jahre Zeit und so wenig geleistet.
Insgesamt fahren die Guard Brothers ihr Remake von „Janghwa, Hongryeon“ komplett an die Wand. Unter dem guten Vorsatz einiges zu ändern, zeigt sich alsbald, dass bei einer Kopie wohl weniger schief gegangen wäre als beim schlussendlichen Ergebnis.
Die Existenzberechtigungsfrage ergibt sich hier demnach trotzdem - mit der Abwandlung vieler Tatsachen ist diese nicht so offensichtlich wie sonst oft (siehe „Quarantine“). Aber auch hier gilt, dass niemand einen weiteren „The Grudge“-Grusel-Mystery-Klon braucht, selbst wenn es hier kein Mädchen mit langen, schwarzen Haaren ist, sonder eine verbrannte Mutter.
Die Suspensemomente des Originals wurden zu dämlichen, langweiligen Jump Scares umfunktioniert und in der Anzahl drastisch erhöht, damit auch schön immer was los ist. Dank der niedrigeren Laufzeit steigt die Dichte dieser Szenen noch mal an. Die Story wurde zudem stark trivialisiert, man bekommt alle Erklärungen fein ausführlich erzählt, damit auch niemand später nachdenken muss. Die Symbolkraft wurde auf Null reduziert, während die Schauspieler unter ihren umgeschriebenen Charakteren leiden, die ganz klar hinter die im Vordergrund stehende, banale Spannung gerückt wurden. „The Uninvited“ richtet sich also an die, die mit anspruchsloseren Remakes von komplexerem Material zufrieden sind und die sich bloß nicht länger damit beschäftigen möchten. Bei Kenntnis des Originals ist es (wie man an der vorliegenden Besprechung sieht) jedoch schwierig, „The Uninvited“ als halbwegs eigenständigen Film zu betrachten. Im Vergleich fällt er klar in allen Belangen durch.
Wer also das Original kennt, sollte lieber noch mal die DVD einwerfen, wer das Original noch nicht kennt, sollte lieber die DVD kaufen, und wer das Original nicht kennt, aber durch irgendeinen Grund zu diesem Quatsch hier genötigt wird/wurde (Sneak, Freundin, die sich mal gruseln will…), sollte sich danach die DVD kaufen und feststellen, wie das Thema in sehr gut aussieht.
Und abschließend noch die Frage, die sich die Guard Brothers vielleicht stellen mögen: wie sieht denn dann eine adäquate Umsetzung eines asiatischen Mysteryfilms aus? Sie hätten bei ihrem Kollegen Gore Verbinski nachfragen sollen, der hätte ihnen kurz und treffend antworten dürfen: „So wie bei mir…“ (3/10)


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