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Felon (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 01.08.2008, seitdem 2640 Mal gelesen



Einem durchschnittlichen Gefängnisfilm mag man gar nicht mehr so recht den Vorwurf machen, immer wieder zahlreiche Klischees aufzugreifen, denn ein Großteil derer dürfte schlicht der Realität entsprechen, zumindest in Bezug auf amerikanische Gefängnisse.
Wie eine Mischung aus „Die Verurteilten“ und Locked up“ wirkt schließlich dieses Drama über einen Insassen, dessen glückliches Familienleben mit einem Schlag zerstört wird.
„Felon“ vermag das Sub-Genre gewiss nicht neu erfinden, aber es bereichert dieses um einen intensiv gespielten Beitrag.

Stephen Dorff verkörpert Wade Porter, einen glücklichen Familienvater mit finanziell rosigen Aussichten. Doch eines Nachts stellt er einen Einbrecher in seinem Garten und tötet ihn durch einen unglücklichen Treffer mit dem Baseball-Schläger.
Porter bekommt dafür drei Jahre wegen Totschlags aufgebrummt, doch daraus könnten bald sechs werden, da ihm ein Mord noch während des Gefangenentransportes in die Schuhe geschoben werden soll…

Der starke Kontrast völlig unterschiedlicher Lebensräume verdeutlicht eindringlich, wie schnell das Leben aus den Fugen geraten kann: Eben noch die traute Familie, die scheinbare Sicherheit der eigenen vier Wände und kurz darauf die Untersuchungshaft mit bulligen, stark tätowierten Typen, denen das Verbrecherische deutlich ins Gesicht geschrieben steht.
Nicht zuletzt durch die Kamera, die immer nah am Geschehen haftet, erlebt man diesen Wechsel hautnah mit, in eine völlig fremde und zugleich latent bedrohliche Welt gestoßen zu werden, aus der es keinen Ausweg geben kann.

Porter hat indes überhaupt keine Ahnung von internen Knast-Regeln, doch zum Glück bekommt er bald einen neuen Zellen-Genossen. John Smith (Val Kilmer), der philosophisch veranlagte Hüne mit Brille und Vollbart weiß, wie der Hase läuft, doch auch er ist machtlos gegen den sadistischen Aufseher Jackson (Harold Perrineau), der zum Vergnügen der Wärter regelmäßig gladiatorenähnliche Kämpfe veranstalten lässt und es hierbei besonders auf Porter abgesehen hat. Nachdem seine Frau ihn zunächst noch regelmäßig besucht, doch nach vielen finanziellen Verlusten eine Trennung droht, setzt Porter alles auf eine Karte.

Natürlich kommt man auch hier nicht um einige wohlbekannte Erzählelemente rum. Der sadistisch veranlagte Aufseher, dessen Chef rein gar nichts mitbekommt, dann der neue Officer, jung und mit moralischen Prinzipien, aber doch zu feige um aufzumucken.
Oder der Alteingesessene in Form von Kilmer, den sämtliche Häftlinge respektieren und im Zweifel seinem Vorbild folgen und nicht zuletzt der junge, sich anbiedernde Nazi, der selbstverständlich nicht ohne Hintergedanken handelt.
Innerhalb dieses Gefüges stellt Porter die Figur dar, mit der man leidet, zittert und bangt, aber auch mitkämpft, hofft und Vertrauen schöpft, denn Dorff verkörpert seine Figur so intensiv, dass man nach einem Fight die eigene Erschöpfung fühlt und während zaghafter Gespräche mit dem Zellengenossen auf eine gewisse Art Respekt bekommt, was wiederum Kilmers Verdienst ist.

Überhaupt stellen die durchweg glaubhaften Darsteller das wichtigste Standbein dar, auf dem dieses auf inhaltlicher Ebene eher schwach aufgebaute Drama steht.
Überwiegend stehen Dialoge im Mittelpunkt, gefightet wird zwischendurch nur knapp, aber knackig und nur gegen Ende kommt ein wenig mehr Bewegung ins Spiel.
Da gerät das Geschehen allerdings arg unglaubwürdig, über alle Maßen konstruiert und zudem ein wenig kitschig. Um einen zufrieden stellenden Ausgang zu finden, werden ein paar Hebel zu viel in Gang gesetzt.

Dennoch, die Spirale der Gewalt, das Ausgeliefertsein und auch das Befremdliche transportiert der Streifen ausgezeichnet und mit inszenatorischer Sorgfalt.
Allein, wie sich Porters Frau vorm Besuch ihres Mannes einer Kontrolle unterziehen muss, lässt nachvollziehen, wie viele Demütigungen Menschen bereit sind in Kauf zu nehmen, wenn sich das Leben schlagartig zum Negativen verändert und man das notwendige Übel über sich ergehen lässt, um zu retten, was zu retten ist.
Intensiv gespielt, meistens glaubwürdig und mit dem notwendigen Maß an Sozialkritik versehen,
7 von 10


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