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  „How to lose fans and alienate moviegoers"

„High Snobiety oder wie ich sie alle nervte". Der deutsche Titel des Tatsachenromans eines englischen Loser-Journalisten über seine Erfahrungen bei der High Society Bibel Vanity Fair hätte weitaus besser zur Filmversion gepasst als das dröge New York für Anfänger.  Denn auf die Nerven geht einem diese völlig misslungene Mediensatire rasend schnell.

Schon die Ausgangssituation wirkt trotz ihres offenbar realen Hintergrundes alles andere als aufregend und kommt einem seltsam ausgelutscht vor. Sidney Young betreibt ein bissiges britisches Revolverblatt, das vornehmlich Promis und deren Eskapaden durch den Kakao zieht. Allerdings träumt er insgeheim von höheren journalistischen Weihen und ist sofort Feuer und Flamme, als ihm der Chefredakteur eines der angesagtesten US-Celebritymagazine einen Job anbietet. Angekommen in New York lässt der derbhumorige Brite kein Fettnäpfchen aus. Sein knallrotes T-Shirt mit der Aufschrift „Young, Dumb and full of Come" ist dabei noch einer der harmloseren Fehltritte. Zwar erhält er endlich Zugang zu den Partys und High Society Events bei denen er zuvor regelmäßig rausgeflogen war, stellt aber auch sehr schnell fest, dass er es ausschließlich mit oberflächlichen, talentlosen und intriganten Egomanen zu tun hat. In der Folgezeit hat er nichts Besseres zu tun, als diese „überraschende" Erkenntnis bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit lauthals zu verkünden. Einziger Vorteil: Sein grandios misslungener T-Shirt-Einstands-Gag verblasst dabei in Windeseile zur Randnotiz. Nach nur wenigen Wochen sitzt Young bereits mit mehr als einer halben Arschbacke im One-Way-Flug nach London ...

Das klingt dann doch nach einer halbwegs vergnüglich bissigen Medienfarce. Die brutale Ernüchterung schlägt allerdings schnell mit gnadenloser Wucht zu. Selbst in der zweifellos unterhaltsameren und bösartigeren ersten Filmhälfte gibt es nicht mehr als ein oder zwei halbwegs gelungene Gags zu belächeln. Bereits nach wenigen Minuten wird das zentrale Problem der erstaunlich zahnlosen Satire deutlich: New York für Anfänger ist einfach überhaupt nicht witzig. Für eine Komödie natürlich das Todesurteil. Was Robert B. Weide hier an belanglosen und erschreckend flachen Albernheiten serviert, bleibt selbst dem nicht allzu anspruchsvollen Genreliebhaber sehr schnell im Halse stecken. Da schickt Sidney seinem schmierigen Abteilungsleiter eine Stripperin just in dem Moment ins Büro, als die Ehefrau des Chefredakteurs mitsamt ihrer minderjährigen Töchter reinschneit. Natürlich ist die „Tänzerin" auch noch eine Transsexuelle. Wenn das nicht mal ein humoristischer Knaller ist. Da sprengt der britische Azubi eine Jet Set-Feier, indem er sturzbesoffen auf die Bühne torkelt und in bester Fußballproleten-Manier „England, England" grölt. Auf diesem Ozeantiefen Niveau bewegen sich sämtliche Fehltritte des unangepassten  Möchtegern Journalisten.

Neben den völlig uninspirierten und bestenfalls zum  gelegentlichen Schmunzeln geeigneten Witzchen, ist es vor allem die unglaublich ausgelutschte Story, die den Film zu einem regelrechten Ärgernis werden lässt. Zunächst ist die Geschichte eine unverhohlene 1:1 Kopie der Mode-Satire Der Teufel trägt Prada, um nur mal das offensichtlichste Vorbild zu nennen. Doch während dieser ebenfalls wenig originelle Überraschungshit mit einer grandios aufspielenden Meryl Streep als „Superschurke" aufwarten konnte, wird Sidney Young in dieser Hinsicht vom Drehbuch völlig im Stich gelassen. Es gibt weit und breit keine starke oder interessante Figur, die sämtliche angeprangerten Missstände und Eitelkeiten der torpedierten Branche in sich vereinigen würde. Weder Jeff Bridges als arroganter Chefredakteur, noch Gilian Anderson als manipulative Promi-Agentin oder Danny Huston als schmieriger Ressortleiter haben genügend Biss oder Screentime, um einen relevanten Gegenpol zum britischen Journalisten-Don Quichotte zu bilden.
Auch die für das Mainstreamkino obligatorische durch und durch fade Liebesgeschichte lässt kein noch so ausgelutschtes Klischee aus und verursacht ob ihrer totalen Vorhersehbarkeit bereits in ihrer Anfangsphase gähnende Langeweile. Sämtliche Wendungen kündigen sich mit einem ganzen Symphonieorchester an. Natürlich hasst die von Kirsten Dunst gewohnt farblos gespielte Alison Olsen zunächst den neuen Mitarbeiter, verliebt sich aber im Verlauf ihrer gemeinsamen Tätigkeit in den - Überraschung! - dann doch liebenswerten Trottel. Dass die anfangs scheinbar ebenfalls oberflächliche und karrieregeile Journalistin sich als feingeistige Lyrik-Liebhaberin und heimliche Romanautorin entpuppt, trieft aus allen Genre-typischen Seichtheitsporen. Ach ja, selbstredend hat der zynische Young einen Master in Philosophie und einen berühmten adeligen Literaten zum Vater. Klar, dass Sidney zwischenzeitlich - zwecks obligatorischer Krise im zweiten Akt - doch noch zum gefeierten Journalistenarschloch mutiert, nur um dann durch die vom Script kaum motivierte Liebe wieder auf den Pfad der Tugend gebracht zu werden.  Bei so viel hundertfach durchgekauter Abgeschmacktheit kann sich wohl selbst der hartgesottenste Mainstreamzuschauer einer langsam aufsteigenden Übelkeit nicht mehr erwehren.

Bleibt die Frage was den britischen Komödienstar Simon Pegg dazu bewogen hat, bei dieser lahmen Satire anzuheuern.  Der Macher der beiden genialen Genreparodien Shaun of the Dead und Hot Fuzz verkauft sich hier völlig unter Wert. Jeder Gag der oben genannten Filme ist witziger als der gesamte New York für Anfänger. Amüsanterweise ging er damit exakt denselben Weg wie seine Filmfigur Sidney Young. Offenbar waren einflussreiche US-Produzenten auf den talentierten Vollblutkomiker aufmerksam geworden. Wer sowohl das Zombie- wie auch das Actiongenre auf so liebevolle und dabei gleichzeitig treffende Weise aufs Korn nehmen kann, der sollte doch auch einen Angriff auf die hochnäsige Promi- und Medienwelt zum Sieg führen können. Leider musste sich Pegg dafür den Konventionen des flachen US-Mainstreamkinos anpassen und seinen hintergründigen, subversiven Witz völlig über Bord werfen. Übrig bleibt ein seiner sämtlichen Stärken beraubter Hauptdarsteller, der hier lediglich eine abgeschmackte und fade Kopie seiner Paraderollen vorführen darf.

Im Original heißt diese fulminant in die Hose gegangene Mediensatire „How to lose friends and alienate people".  Alle Freunde des begnadeten Parodisten Simon Pegg und dessen ebenso scharfzüngigen wie hintersinnigen schwarzen Humors seien hiermit ausdrücklich gewarnt. Nur eine leichte Variation des obigen Filmtitels und schon hat man das Motto seines aktuellen Hollywood-Machwerks:
„How to lose fans and alienate moviegoers".

(2/10 Punkten)                                              

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