Seine Arbeit neigt sich am späten Abend dem Ende zu, denn Möchtegern-Schriftsteller Zakes Abbot (William Ash) muss nur noch an zwei Raststätten die Plakate wechseln. Die Stimmung in seinem alten BMW, mit dem er über die verregneten Fernstrassen fährt, ist trotzdem nicht besonders gut, denn die Beziehung zwischen ihm und Freundin Beth (Christine Bottomley), die ihn begleitet, ist ziemlich gespannt. Er weiß nicht, dass sie ihn erst am Abend zuvor mit Leo betrogen hat, und das sie voller Zweifel hinsichtlich ihrer Gefühle für ihn ist.
In diesem Moment sieht er, als ihn ziemlich abrupt ein LKW überholt und dabei dessen Ladeklappe für einen Moment hochfährt, eine nackte Frau in einem Käfig, die gestikulierend um Hilfe bittet. Beth hat es nicht gesehen, aber als Zake ihr davon erzählt, fordert sie ihn sofort auf, sich darum zu kümmern. Da das Kennzeichen nicht zu entziffern ist, versucht er es bei einem Halt abzuwichen, aber das gelingt ihm nicht. Stattdessen hält er sein Fotohandy in den kleinen Schlitz unter der Ladeklappe und macht ein Blitzlichtfoto. Doch auf diesem ist nur ein heller Fleck zu erkennen und als die Polizei sich auch nicht besonders interessiert zeigt, gibt Zake die Verfolgung auf und wechselt lieber die restlichen Plakate an der nahegelegenen Raststätte. Diese Entscheidung gibt Beth den letzten Rest, weshalb sie mit Zake Schluß macht und eine Freundin anruft, damit diese ihn abholt...
Schon in den ersten zehn Minuten des Films sind eine Vielzahl von Elementen zu erkennen, die so oder ähnlich schon bei anderen Filmen verwendet wurden, und Regisseur und Autor Mark Tonderai macht auch kein Geheimnis daraus, dass er in seinem Erstlingswerk diversen düsteren Vorbildern nacheifert. Allein der Bösewicht in seinem LKW, den man konsequenterweise im gesamten Film niemals richtig zu sehen bekommt, erinnert an Werke wie Spielbergs "Duell" oder "Joy Ride", in entfernterer Form auch an den Beginn von "Jeepers creepers". Das Motto "gut geklaut ist besser als schlecht erdacht" geht in vielen Fällen schief, aber "Hush" gelingt es tatsächlich, aus bekannten Mustern etwas Eigenständiges zusammen zu setzen.
Vielleicht liegt das schon an den englischen Raststätten, deren Neonbeleuchtung genug Tristesse ausstrahlt, um sich ein unbemerktes Verschwinden vorstellen zu können. Auch das Paar Zake und Beth, dass sich ausgerechnet an einem solchen Ort trennt, ist in seiner charakterlichen Nachvollziehbarkeit ein Pluspunkt des Films, denn weder wirken ihre Streitigkeiten übertrieben, noch ihre abrupte Reaktion oder sein späteres Engagement, sie zu retten, selbst als er von ihrer Affäre mit Leo erfährt. Im Gegenteil schwebt über dem Film eine ständige Ungewissheit, die selbst über so bekannte Szenen, wie dem verzweifelten Verstecken in der Herrentoilette, hinweg hilft.
Vor allem begeht Mark Tonderai nicht den Fehler, dem Geschehen einen Erklärungsstempel aufzudrücken. Die Intention des Entführers bleibt ebenso unbekannt wie sein Gesicht und auch die Zusammenhänge zu den diversen Helfern, die überraschend ins Geschehen eingreifen, werden nicht erläutert. Selbst das tatsächliche Ausmass des Verbrechens überlässt er der Vorstellung des Betrachters, der sich selbst ausmalen darf, was ein Kerl mit jungen Frauen in einem Käfig vorhat. Die optische Darstellung von Brutalitäten bleibt erfreulich zurückhaltend, was diverse Erwartungen enttäuschen mag, aber verhindert, dass dem Film dank zu großer Konkretheit die Luft ausgeht. Stattdessen gelingen immer wieder überraschende Szenen, wie Zakes Flucht in das Haus des wunderlichen alten Ehepaares, das diverse Vorurteile ad absurdum führt.
Selbstverständlich betritt "Hush" kein Neuland für das Genre, aber dem Film ist trotz gewisser erzählerischer Holprigkeiten immer der Wille zur Wendung und damit zum Hochhalten der Spannung anzumerken, auch wenn dem erfahrenen Genreseher schon frühzeitig klar wird, mit welcher Massnahme der abschliessende Show-Down beendet wird und Zake's Durchhaltevermögen angesichts seiner Verletzungen teilweise an eine Potenzierung von Bruce Willis "Die Hard"-Einsätzen erinnert. Es ist die gleichzeitige Reduktion auf ein überschaubares Umfeld in einem dunklen, nassen und neonbeleuchteten England, die dem Film genügend eigenen Charakter mitgibt (7/10).