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Ice from the Sun (1999)

Eine Kritik von kruchtenkaiser (Bewertung des Films: 1/10)
eingetragen am 02.05.2006, seitdem 528 Mal gelesen


Hmmm… In der Regel bin ich ja Independent-Filmen gegenüber recht aufgeschlossen. Doch was sich mir hier geboten hat, unterbietet selbst die niedrigste Stufe, auf die ich meinen Geschmack runterschrauben kann. Das liegt jedoch keineswegs daran, dass ich nichts mit Splatter-Filmen anfangen kann. Im Gegenteil: in geselliger Runde bei mehreren Bierchen kann ich jederzeit solchen Fun-Splattern wie „Bad Taste“, „Braindead“ und Konsorten etwas abgewinnen, aber bei „Ice from the sun“ hätte vermutlich ein ganzer Brauerei-Wagen voll herrlicher Hopfen-Kaltschale nichts an meiner Meinung über diesen Film ändern können.

Die „Story“ diesmal in Telegramm-Form:

- eine Gruppe seltsamer Zeitgenossen sitzt kiffend, koksend und Pizza fressend rum -

Sehr innovative Basis, um einen Film ins Rollen zu bringen. Wenn man dann auch noch so talentfreie Schauspieler für diese Rollen besetzt hat wie es Eric Stanze tat, hat der Film schon mal direkt einiges an Qualität einzubüßen. Aber OK, wir haben es hier mit einer Low-Budget-Produktion zu tun; da muss man es verschmerzen können, wenn die besten Freunde und die halbe Verwandtschaft flugs zu „ambitionierten Schauspielern“ gemacht werden – hat bei Peter Jackson ja auch bestens geklappt.

- währenddessen liegt Alyson, eine Freundin der o.g. Gruppe, in der Badewanne; die Pulsadern aufgeschlitzt und gerade fröhlich in Richtung des sicheren Suizid-Todes blickend -

Tja, leider klappt das mit dem Selbstmord dann doch nicht so wie geplant, denn

- der Sterbenden erscheint eine engelsähnliche Vision, die ihr den Auftrag gibt, gegen eine Art Dämon („The Presence“) zu kämpfen und so dem mordenden Treiben dieses Wesens ein Ende zu setzen -

Schon erwacht Alyson wieder von den Toten, die Wanne ist blitzeblank geputzt und los geht’s mit dem wirklich abstrusen Teil des Films.

- die zuerst genannte Gruppe wird mitsamt der Wiederauferstandenen und mit Hilfe eines seltsamen Klempners (, dessen erster Auftritt bereits durch schauspielerische Höchstleistungen hervorzustechen weiß,) an einen mysteriösen Ort geschickt (ein von Eis umgebener Ort auf der Sonne (??)), um dort Prüfungen gegen „The Presence“ und seine Schergen zu absolvieren.

Von hier an beweist auch Alyson, dass sie von der Schauspiel-Göttin wohl schon vor der Berufswahl vollkommen vergessen wurde. Unmotiviert durch Wälder und sonstige Szenarien stapfend bahnt sich unsere junge Heldin den Weg durch Stumpfsinn und hanebüchene „Filmkunst“. Da bleibt doch nur zu hoffen, dass „The Presence“ – die bedrohliche Komponente des Films – ein wenig aus der Unterklassigkeit des Casts hervorstechen kann. Aber mitnichten! Der gute D.J. Vivona reiht sich schön brav da ein, wo die anderen Schauspieler bereits begonnen haben. Von Bedrohlichkeit nichts zu spüren (na ja, vielleicht wirkt er auf den einen oder anderen durch die „monströse“ Stimme bedrohlich), mit seiner von C&A gesponserten Garderobe wirkt er sogar eher lächerlich als bedrohlich (Alle mir zur Verfügung stehenden Daumen hoch für die „Ausstatter“ dieses Films).

Achja:

- Story Ende -

Denn das, was jetzt folgt, dürfte für jeden schon mehr als klar sein: Ein bisschen Splatter; ein bisschen Gore; wobei hier stark auf das „bisschen“ gepocht werden darf. Quantitativ eigentlich fürs Genre wenig, jedoch im Endeffekt wieder viel zu viel. Denn dadurch, dass sich der Film nicht ernster nehmen könnte und von Regisseur Eric Stanze als einer seiner besten Filme bezeichnet wurde (was unter Umständen tatsächlich denkbar wäre, wenn ich mir die mir gänzlich unbekannten anderen Filme aus seiner Filmographie nur so einmal „querlese“) wirken die „schockierenden“ Szenen dieses Filmes geradezu lächerlich. Eingebettet in eine pseudo-intellektuelle Machart, die nach eigenem Bekunden der Produktion einem David Lynch-Film ähnlich sein soll (jedoch zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd an die Qualität dieses Filmemachers heranreichen kann), versucht sich Stanze daran, seinem Machwerk einen künstlerischen Stempel aufzudrücken, der allenfalls das Prädikat „künstlerisch wertlos“ verdient hätte (und selbst dieses Prädikat wäre noch schmeichelnd). Eric Stanze packt hier wirklich alles in seinen „Ice from the sun“, was er wohl mal irgendwo vom Hörensagen her aus einer der vielen geschwänzten Veranstaltungen „Filmemachen für Talentlose“ an der Volkshochschule gesteckt bekommen hat: abstrus wilde Schnitte, Sepia- und Negativ-Effekte, überall da, wo sie gerade nicht zu passen scheinen und ein durchgehender Dreh mit einer verwackelten 08/15-Hand-Kamera. Da hat wohl jemand darauf gehofft, durch solche Stilmittel den Ruf als Kunstfilmer zu erlangen. Doch weit gefehlt. Stanze ist alles andere als ein Kunstfilmer… „bemitleidenswerter Stümper“ passt da dann noch am ehesten als Berufsbezeichnung. Die Tiefsinnigkeit, die der Independent-Regisseur mit „Ice from the sun“ wohl erreichen wollte, blieb mir jedenfalls vollkommen verborgen.

Stanze hat mit seinem „Ice from the sun“ einen ganz und gar nicht amüsanten Film geschaffen. Das wäre nicht sonderlich schlimm, aber er hat gleichermaßen keinen schockierenden, tiefsinnigen oder innovativen Film geschaffen. Dieser Film ist einfach nur ermüdend, stinklangweilig, ja grottenschlecht. Es gilt hier der ernst gemeinte Rat: Finger weg! Für mich steht dieser Filmemacher auf jeden Fall jetzt ganz weit oben auf meiner roten Liste. 1 Punkt, und selbst den vergebe ich nur äußerst ungerne.


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