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„I want to play a game“ - och nö, nicht schon wieder...

Darren Lynn Bousman räumt den Regiestuhl und wendet sich klugerweise mit „Repo – The Genetic Opera“ auch mal einem neuen Sujet zu, überlässt die alljährliche Halloween-Folterorgie David Hackl. Der liefert mit „Saw 5“ nun sein Debüt als Regisseur, nachdem er an Teil 2 bis 4 der Reihe als Produktionsdesigner beteiligt war. Eine offensichtlich annehmbare Wahl, der Wechsel hinter der Kamera fällt nicht auf – wohl vor allem, weil alle Saw-Filme überwiegend visuell funktionieren und sich weder inszenatorisch noch in der Struktur der Erzählung unterscheiden.

Wie auch seine Vorgänger versetzt der Film den Zuschauer in eine ähnlich voyeuristische Position wie den Täter und beginnt mit einer obligatorischen Mordszene, diesmal angelehnt an das Pendel des Todes von Poe. Es bleibt alles beim alten, von den selbstzweckhaften Morden über die abstruse Geschichte bis hin zu den blass aufspielenden Darstellern und dem haarsträubenden Open Ending, dessen Funktion einzig auf den Effekt reduziert bleibt und den Weg ebnet zu einer weiteren Fortsetzung. In dieser Hinsicht ist die Geschichte endlos fort zu führen, einzig abhängig vom Einspielergebnis an den Kinokassen. Ein Konzept ist schon lange nicht mehr erkennbar, auch wenn die unzähligen Überlappungen dem naiven Zuschauer etwas anderes vorgaukeln wollen.

Doch je mehr sich die Filme ineinander verzahnen, umso weniger können sie als eigenständige Werke überzeugen. Unglaubwürdige Twists sind das ungleich kleinere Übel wenn man sie mit den sinnlosen Querverbindungen aus Teil 3 bis 5 vergleicht, die selbst für TV-Standards noch viel zu abstrus und redundant erscheinen. Im Kino bleibt diese inzestuöse Verkettung beispiellos. Wenn beispielsweise Kult-Killer Jason in einem Friday-Streifen nach dem anderen auftauchte und sich die Handlung immer wieder selbst reproduzierte, dann hatte das zumindest noch einen ehrlichen Groschenheft-Charme, der im neuen Jahrtausend aber anscheinend nicht mehr gefragt ist – außerdem funktioniert noch jeder „Halloween-“ oder „Friday“-Film eigenständig, ohne sich einen bemühten Schleier angeblicher Komplexität über zu werfen.

Die perverse Moral der gemeinen Fallen hat sich schon lange abgenutzt und ringt wohl nur noch den Hardcore-Fans ein blutdürstendes Lächeln ab. Die Konstruktion der Handlung führt bei „Saw V“ ein weiteres mal in unnachvollziehbare emotionale Konflikte, die durch den fehlenden Unterbau der Charaktere völlig ins Leere läuft. Hackl setzt seinen Film genauso wie Bousman mit dem Holzhammer in Szene, beweist keinerlei Gespür für Atmosphäre oder gar Suspense sondern verlässt sich auf den perfiden Zynismus der verschiedenen Todesfallen, in die ohnehin jegliche kreative Kraft gesteckt wurde. Jede noch so tief angelegte Geschmacksgrenze haben die Vorgänger ja schon torpediert, sodass die wieder sehr detaillierte Zeigefreudigkeit keineswegs überraschend ausfällt. Die Figuren verkommen hier zu reinem Schlachtvieh, deren Schicksal einem nicht nur völlig egal ist – der Film forciert beim Zuschauer eine Hoffnung auf noch schmerzhaftere Seherfahrungen und somit auf einen noch gewaltsameren Tod als man es schon gewohnt ist. Eine interaktive DVD-Version mit auswählbaren Folterszenarien wäre hier der nächste Schritt und beim geneigten Publikum bestimmt der absolute Renner.

Etwas gutes haben die Saw-Filme und ihr pünktliches Auftreten in jedem Jahr doch an sich – sie verdeutlichen, wie rasch die Zeit verfliegt und so ertappt man sich unweigerlich bei dem Gedanken, das schon wieder ein jahr ins Land gezogen ist und man seine kostbare Lebenszeit vielleicht nicht mit solchem Crap verschwenden sollte. Auf den Trichter hätte ich allerdings spätestens beim dritten Teil kommen müssen. Also, jetzt schon mal den ersten Vorsatz fürs nächste Jahr – bloß nicht „Saw VI“ ansehen denn sonst holt einen noch der Jigsaw oder einer seiner Kumpanen. Denn effizienter lassen sich 90 Minuten des Lebens kaum in den Wind schießen; dafür hat man sich dann die eigene Todesfalle redlich verdient...

01 / 10

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