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Shiri (1999)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 08.08.2005, seitdem 591 Mal gelesen


Warum „Shiri“ in seiner Heimat Korea so ein Bombenerfolg war, das lässt sich nicht ganz so ersehen, denn es handelt sich um einen ordentlichen Actionthriller mit Lokalkolorit, aber herausragend ist das Ganze trotzdem nicht.
Zu Beginn merkt man direkt, dass nicht nur die Amis Actioner mit platten Feindbildern drehen können, denn hier wird die brutale Ausbildung in einem nordkoreanischen Terroristencamp beschrieben. Da werden hilflose Opfer dahingemetzelt, wer Skrupel zeigt, wird auch umgebracht und auch die Rekruten laufen Gefahr das Training nicht zu überleben. Das wird mit typisch asiatischer Härte gezeigt, etabliert bereits die Terroristin Banghee Lee (Yoon-jin Kim) als besonders harte Kämpferin, diskreditiert Nordkorea jedoch auch etwas.
Jahre später, 1999: Die südkoreanischen Agenten Jungwon Yu (Suk-kyu Han) und Jangil Lee (Kang-ho Song) machen Jagd auf die Killerin und ihre Verbündeten, doch können nicht verhindern, dass die Terroristen eine erhebliche Ladung des Kampfgases CTX mopsen. Da das Zeug saugefährlich ist, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…

Ähnlich wie der aus dem gleichen Lande stammende „Tube“ von 2003 orientiert sich „Shiri“ an westlichen Vorbildern und versucht dem Ganzen einen asiatischen Einschlag zu verleihen, was immerhin teilweise klappt. So erweist sich die Geschichte ihren Charakteren gegenüber teilweise ziemlich einfühlsam und die Überlebenden haben emotional einiges verloren, wenn der Film vorbei ist. Den Tiefgang eines John Woo darf man freilich nicht erwarten, aber emotionaler als viele andere Actionfilme ist „Shiri“ trotzdem.
Leider werden die Lovestorys und das Drama um die Freundschaft der beiden zu sehr ausgewalzt, sodass die Story um das Gas stellenweise zu sehr in den Hintergrund tritt. In genau diesen Momenten langweilt „Shiri“ etwas, denn derartige Subplots sollten bloß Ergänzung bleiben und nicht die Spannung zerstören. Dabei bietet die Geschichte nichts wirklich neues, aber bereitet altbekanntes spannend auf: Wettlauf gegen die Zeit, ein großer Terroranschlag, den es zu verhindern gilt, Verräter in den eigenen Reihen usw. Bei der Identität des Verräters kann „Shiri“ überraschen, denn die Lösung ist hier ungewöhnlich im Gegensatz zum handelsüblichen Rest. Der bietet nur recht spannende, handelsübliche Politthrillerkost, die leider stellenweise durch die zu ausgewalzten Subplots ausgebremst wird.
Dafür lässt sich „Shiri“ nicht lumpen, was die Action angeht. Geboten werden in erster Linie Shoot-Outs, andere Actionformen gibt es kaum. Nur ein paar Explosionen aus dem Computer, die aber für das niedrige Budget akzeptabel geraten sind. Dafür sind die Schießereien gut über den Film verteilt und sind auch meist erfreulich lang geraten. Die Choreographie ist ordentlich und auch die Regie inszeniert das Ganze solide, auch wenn man von der Klasse eines Ausnahmeregisseurs noch weit entfernt ist. Der Härtegrad ist auch nicht zu verachten, denn die Einschüsse sind teilweise schon recht deftig.

Da sieht man auch gerne über den mangelnden Realismus in den Ballereien hinweg: Im Terroristencamp gibt es wohl täglich Zielwasser in die Frühstückflocken, während die Mitglieder von Armee und Spezialeinheit anscheinend das Schießtraining öfter blaumachen: Anders lässt sich wohl kaum erklären, dass die Staatsgewalt zwar reichlich Munition verbraucht, aber andauernd daneben schießt, während die Terroristen ihre Gegner nur so niedermähen (selbst wenn diese kugelsichere Westen tragen).
Darstellerisch ist „Shiri“ für einen asiatischen Actionfilm jedoch überraschend gelungen, denn man kauft den Darstellern ihre Parts (auch in den Subplots, die sich um ihre Gefühle drehen) sehr gut ab. Die beste Leistung liefert jedoch keiner der Helden, sondern Min-sik Choi als Terroristenführer ab.

„Shiri“ ist ein mehr als solider Actionfilm und auch die emotionalen Parts des Films sind sicherlich gelungen. Doch leider lenken sie etwas zu oft von der eigentlichen Handlung ab, sodass trotz schicker Actioneinlagen ein guter, aber nicht herausragender Actionthriller bleibt.


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