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Shiri (1999)
Eine Kritik von Boooshido (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 26.02.2007, seitdem 377 Mal gelesen
SHIRI – EXPLOSIVE SCORE
Du wolltest also schon immer mal einen bluttriefenden Actionkracher bei dem man die Waffen fast öfters nachlädt wie sie dann abgefeuert werden, wo es andauernd kracht und die Darsteller sterben wie die Fliegen und wo ein knackiger Bodycount jenseits von Gut und Böse erreicht wird. Einen Film bei dem zwischen hammerharten Action-Sequenzen auch noch Zeit für eine Liebesgeschichte ist durch die jedoch trotz alledem keine Langeweile aufkommt, dann, ja dann hat dein langes warten ein Ende. Shiri.
Inhaltlich gibt die Story nicht allzu viel her. Vielmehr musste die politische Teilung zwischen Nord- und Südkorea für eine Terroristenstory herhalten. Natürlich sind die Nordkoreaner (die Kommunisten) die Bösen und die sind sogar richtig böse. In einem langen und vor allem harten Drill werden einige von ihnen zu fähigen Kampfmaschinen abgerichtet um anschließend in Südkorea Anschläge zu verüben. Auf diesen Weg will man quasi die Wiedervereinigung erzwingen und zwar zu seinen Bedingungen. Damit sind selbstverständlich die Guten, in diesem Fall sind es zwei Südkoreanische Cop’s, gar nicht einverstanden. Nachdem unsere Kommunisten mittels Bombenanschlag gezeigt haben dass sie es ernst meinen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein Wettlauf gegen die Zeit deshalb, weil die Terroristen Flüssiggas-Bomben versteckt haben und diese während eines Fußballspiels zwischen (na wem wohl) Nord- und Südkorea im Stadion detonieren sollen. Ganz nebenbei wird auch noch Raum für eine Liebesgeschichte gelassen, welche natürlich -wie soll es auch anders sein- ein tragisches Ende finden wird!
Sicher so neu ist die Geschichte nicht und das Ende ist irgendwie auch vorhersehbar. Will sagen die Guten werden den Bösen, trotz hoher Verluste in den eigenen Reihen, ganz gehörig in den Arsch treten. Wer den Film "The Gingko Bed", ebenfalls von Regisseur Jacky Kang, gesehen hat, kann sich vielleicht vorstellen, was vor allem in optischer Hinsicht geboten wird, denn hierbei ist Jacky Kang ein fähiger Mann! Wahnwitziges Kameragefuhrwerke, schnelle Bildfolgen, Dynamik pur und Schnitte bzw. Slowmotion's die einen epileptischen Anfall regelrecht provozieren, kurz MTV Clipästhetik. Zugegeben Heut ist das ein stilistisches Element was in jeden zweiten Fernsehfilm ausgereizt wird, doch muss man ehrlicherweise sagen das zur Entstehungszeit eine solche optische Ausreizung noch nicht Standart war. Die Musikuntermalung ist wieder mal perfekt, Lee Dong-Jun, der unter anderem schon den Score zum "The Gingko Bed" komponierte, liefert auch hier wieder den passenden Sound! Epische orchestrale Klänge wechseln mit flotten Drum and Bass Einlagen und lassen den Soundtrack abwechslungsreich aus den Boxen donnern.
Dies sind auch eindeutig die ganz großen Stärken des Films.
"Shiri" ist schon ein ziemlich abgefahrenes Stück Action was man vor die Linse bekommen kann. Schon die Einführungssequenz (man sieht die Ausbildung der Terroristen) bringt es auf den Punkt, dies ist nicht dein typischer Action-Comedy Genre-Mix für zwischendurch, sondern ein knallharter Actioner, bei dem nur eins gilt, nämlich das Gesetz des Schnelleren bzw. Stärkeren! Selbst die große Liebe zwischen zwei Menschen kann da nicht mithalten und wird auf ihre härteste Probe gestellt. Allein in der besagten Einführungssequenz sterben locker an die 50 Personen und ob die das nun verdient haben oder nicht dass interessiert erst mal gar nicht, denn man ist viel zu sehr damit beschäftigt seine Kinnlade wieder hochzuklappen. Der Grund hierfür ist die gezeigte Radikalität bzw. die Konsequenz mit der eben diese durchgezogen wird. Gut, zu diesem Zeitpunkt kennt man noch keine der Figuren und das Mitleid für die Opfer hält sich in Grenzen, doch ein solcher Einstieg in ein kinotaugliches Mainstream-Produkt ist eher ungewöhnlich. Puristen könnten dies natürlich gleich mal als dramaturgische Schwäche auslegen, zumal es nicht der einzige Ausrutscher dieser Art bleibt.
Da unsere kommunistischen Terroristen von der ganz fanatischen Sorte sind (frei nach dem Motto: "Und als Beweis dafür gebe ich mein Leben für unsere Sache"), ist von ihnen auch keine Kapitulation zu erwarten, sehr zur Freude des geneigten Zuschauers. Wohl auch ein Grund dafür, dass die Polizei bzw. die Swat-Teams nicht gerade zimperlich mit ihnen umgehen. So wird hier mal ein Bein abgeschossen oder dort ein menschlicher Körper so voller Blei gepumpt, dass wirklich kein Platz für auch nur eine einzige weitere Kugel wäre. Nein man, hier ist Sterben angesagt und zwar so als wenn das gewaltsame Abtreten das Normalste auf der Welt wäre. Fast könnte man schon wieder Mitleid mit den Kommunisten, und ihrem eigentlich zu 100 % aussichtslosen Anliegen auf diesem Wege eine Vereinigung zu erreichen, bekommen. Somit wirkt auch diese Überspitzung von Gut und Böse eher gegenteilig.
Zu letzt könnte man der eingeflochtenen Liebesgeschichte, als unnötig lange oder gar deplatzierte Unterbrechung in einem spannenden Actionreißer, die Daseinsberechtigung absprechen, da diese einfach nicht mit dem Rest harmonieren will. Doch da es ja nun mal ein Film ist und eine emotionale Bindung viel Spielraum für Auseinandersetzungen oder gar spannende Wendungen bieten kann wurde auch dieses Genre bedient, wobei es im gegebenen Rahmen sogar funktioniert.
Die Darsteller sind durch die Bank eine Wucht und lassen eine Identifikation zu. Blockbusteraction bügelt sämtliche Logiklöcher des Drehbuchs weg und als Genremix (Action, Drama, Lovestory) überraschte zumindest mich „SHIRI“ mehr als einmal positiv.
Irgendwie wäre es dumm zu versuchen "Shiri" schön zu reden, denn es wird viele unter euch geben die diese Art der Unterhaltung für Zelluloidverschwendung halten. Weiterhin wird kein Genre eindeutig bedient, weshalb auch hier so mancher Kritikpunkt gerechtfertigt sein kann. Am Ende will der Film aber nur unterhalten. Deshalb sollte man gedankenlos zugreifen, denn selbst bei der staatlichen Laufzeit von über zwei Stunden kommt keine Langeweile auf.
Der hohe Grad an erreichter Brutalität hingegen bleibt Geschmackssache. Auf der einen Seite ist dieser raue bzw. rohe Ton ein funktionierendes Stilmittel, welches zur Atmosphäre beiträgt, auf der anderen Seite darf man den teilweise comichaft gezeichneten Actionszenarien ruhig eine gewisse Provokation andichten. Meiner Meinung nach kann aber nicht von Gewaltverherlichung gesprochen werden. Über das WARUM kann sich jeder seine eigene Meinung bilden! Es ist schon irgendwie erschreckend, was die Asiaten, in diesem Fall die Koreaner, als Mainstream-Unterhaltung (war damals der Film des Jahres im eigenen Land) ansehen.
"MUST SEE STATUS"
Bleibt abschließend nur noch eins zu sagen, ich zitiere:
"Hier brodelt koreanisches Actionkino der nächsten Generation"!
8 von 10
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