Review

Der gähnend - öde Herzschlag und die wilden, fremdgeherischen Spanier.

Spoilergefahr in der trashigen Nachoeinöde.

Wenn wir von der spanischen Horrorfilmlegende Paul Naschy sprechen, sprechen wir auch im Gegenzug, in vollkommener Übereinstimmung von dem simplen und so bedeutungsschwangeren Begriff Trash. Naschy versuchte sich in vielen Rollen, in allerlei Filmen, doch allesamt, mal von dem wirklich grandiosen Die Stunde der grausamen Leichen abgesehen, ist seine Filmographie eine exotische Reise durch allerlei unfreiwillig komische Gruseldebakel, die in ihrer Mehrheit mehr durch Psychodelicszeaze und naivem Pseudohorror zu überzeugen, als Trash, wussten.

Da geht es seinem, auf seinen Mist gewachsenen Regiewerk Heart Beat, nicht anders, denn wenn wir unter getösendem Blaufilter, Discobeleuchtung und Nebelschwaden eine blutüberströmte Frau im Dummglotzmodus durch den Wald humpeln sehen, verfolgt von einem auf Hochglanz polierten Chromritterle, dann wird da schon jedböse Vorahnung bestätigt, ist das denn ein Bild, wie wir es von so einem Machwerk, dass sich hochböse aufpreist, erwarten. Natürlich ist das herrlich anzusehen und erfüllt unter schmächtenden Trashgruselfans den gewollten Effekt, versteht man sowas eben gerne als Oldschoolhorror, der zwar nicht unter die Haut geht, aber rein inszenatorisch, visuell erquieckend billigst - trashig daherkommt.
 
Danach prangt aber erst mal eiskalte, aber vorallem schrecklich öde Ernüchterung empor, Schluss mit Reiter im blauen Nebeldiscowald, stattdessen da ein gescheiterter Architekt namens Paula (Paul Nachy) und seine herzkranke Frau Wie - auch - immer. Zur Genesung wird die nämlich in die idyllische Landhütte gefahren, damit sie allsbald wieder gesund wird. Eine Landhütte mit Vergangenheit, wie es scheint, ist das nämlich der alte Sitz des ehrfürchtigen Discowaldritters, der seinen Ruf Untreuekiller inne hat. Schreckliche Geschichten gibts dort natürlich auch, denn alle 100 Jahre steht er auf, und mordet wieder. Vorzugsweise untreue Menschen. Böse Möse, da muss doch noch was kommen.

Hofft man, denn nach der Anfangssequenz verkommt Heart Beat zur leicht öden Dramatour, wobei dort schonmal Richtungen in Sachen Story auszumachen sind. Ganz kocher ist das Vorhaben seine Frau auf diesem Grundstück genesen zu lassen, nämlich nicht, könnte doch diese Gruselstory über den bösen Ritter eine Herzattacke verursachen. Ganz kocher ist dabei auch nicht die Nichte, die bei Ankunft des Paares Paul + Herzdame, zuvor von 2 Landstreichern überfallen, sinnlich und willig, wie ein männermordendes Biest mit Hintergedanken, in die Augen des Pauls blitzt.

Die Szene auf dem Friedhof, als Nichte Herzdame die olle Story erzählt, deutet schon auf böse Hintergedanken hin, aber mit welchem Motiv? Auch fragwürdig Pauls Verhalten, der ständig den Landsitz verlässt und seine Frau alleine lässt.

Also?
1. Paul wird unter einem belanglosen Vorhaben weggeschickt, damit Nichte Herzdame verführen kann.
2. Nichte stellt böse Fallen, erschrickt Herzdame um sie aus dem Weg zu holen, um mit Paul anzubändeln,
oder 3. jaaaaa, ach wisst ihr was. Lassen wir die Geheimniskrämerei, der Krimi geht eh zu schnell auf.

Nichte und Paul sind Verbündete, Herzdame soll bloss weg, und die andere Affäre von Paul stört auch bloss. Aber okay, Nichte ist wie gesagt nicht ganz kocher, da gibts halt noch andere Motive. Jaja, reichlich spannend das Ganze, entpuppt sich das lächerliche, vorallem redseelige Drama mit Hang zu doofen Kindergruselgeschichten zum Familien - Habgier - Fremdgehaffärenkrimi, dass vorallem eins offenbart: Der Ritter fehlt. Aber zumindest haben wir da auf der Habenseite, bei den Szenen um Herzdame zu erschrecken, den mittlerweile untoten Ritter, wobei Naschy dass aufgrund seines durchsichtigen Plots so geheimnisvoll präsentiert, dass man den Fake entlarvt und jedweder Grusel verloren geht. Sei es drum, steigert sich das Ganze dennoch, wird die gekonnte Evilness der Beiden, also Nichte und Paul gesteigert, da dürfen bei der Beerdigung der herzkranken Frau auch keine Tränen zerflossen werden.

Stattdessen gibts nackte Haut en masse, eine reichlich überraschende Axtentweidung der Plakatmalfarbenden Art und ähem Schlangen. Böse Schlangen, die überall auftauchen, wenns böse wird. Freilich, die Kulisse des antiken Hauses passt perfekt, atmosphärisch grosses Kino ist zum Beispiel der stets nebelige Friedhof, auch wenn die Sonne scheint, aber zu gehaltlos und vorhersehbar ist das Ganze drumherum. Aber vorallem irgendwie zu doof und unfreiwillig komisch, sodass aus dem Ernst der Lage reichlich Gelächter wird. Der treibende Score schwängelt mit zur restlichen Dramaturgie, da dürfen die hilfslosen Weiblein mal schön doof in die Kamera gucken, vorallem wenn das Ende mit 2 Zombies, argh, herrlich krude - billige Maske, Pluspunkt, emporsticht und volle Geschütze auffährt. Die stehen zwar nur rum die Zombies und bitten zum gemächlichen Rumstehchilling, Frau xxx, ich darf ja nicht zuviel spoilern, rennt dann lieber zum Kirchenaltar, um dabei genüsslich vom Ritter, wieder ein Fake, wer weiss, zerhackstückelt zu werden.

Und die Moral von der Geschicht:
Böse Frauen morden tückisch und mit List,
doch der Untreueritter schnappt sie sich am Tageslicht.

Was für ein wendungsreicher Plot.

Fazit:
Selten doofer, stets öder, aber oftmals herrlich unfreiwillig komischer Pseudogrusel mit dem gewissen Maß an Sleaze und Trash, dass sich die Balken biegen. Moral, Titten und Gedärm (1x) inklusive. Die zwei Zombies und die Ritterlefratze, ach sooooo schön verfault bitten zum Extrapunkt. Gerne doch, ein zweites Mal muss ichs aber nicht wieder sehen.

Trashnote:
47 (+10) = 57%

Als Horrorfilm: 26%

Atmosphäre: 3 von 5 NachoNachys
Gore: 1,5 von 5 Baumarktfarbeimern
Schmunzelfaktor: 3,5 von 5 grellen Doofguckaugen



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