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Charade (1963)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 11.10.2004, seitdem 927 Mal gelesen


Cary Grant war schon sichtlich in die Jahre gekommen, als sich Stanley Donen bemühte, aus dem alten Feuerstein noch ein paar Funken zu schlagen. Ausgerechnet die Paarung mit der fragilen, mehr als zwanzig Jahre jüngeren Audrey Hepburn brachte noch einmal den Spielwitz und den Charme der 30er und 40er Jahre mit ihren Screwball-Drehbüchern hervor, auch wenn das Genre eigentlich ein anderes sein sollte.

Geschickt mixt das Skript RomCom-Elemente aus der Screwballphase mit Sixites-Albernheiten und einer Rätselhandlung rund um eine versteckte Kriegsbeute, hinter der eine Gruppe von Gangstern her ist. Letztere geben dem Film tatsächlich einige düstere thrillerartige Untertöne, auch wenn der Film die gefährlichen Szenen immer wieder unterspielt.

Geboten wird die klassische Situation des Kennenlernens zweier grundverschiedener Menschen, deren Dialoge natürlich die Funken sprühen lassen, die sich zunächst aber nicht ausstehen können. Aus dem Urlaub zurückgekehrt, steht Hepburn vor dem Aus: der Mann ist tot, die Wohnung leergeräumt und drei finstere Gestalten haben es auf sie abgesehen, daß sie die gestohlene Kriegsbeute bei der armen Reggie vermuten.

Verkompliziert wird die Story noch dadurch, daß Grant offenbar auch nicht der ist, der er zu sein vorgibt und mit allen Seiten im Spiel paktiert und mit Walter Matthaus Geheimdienstmann noch jemand mitmischt, der mehr weiß, als er sofort sagt.
Das führt zu so mancher Treibjagdszene und bietet immer neue Wendungen, gekrönt von pointierten Dialogen, die zwar nicht oskarverdächtig sind, aber so gut wirken, weil Grant und Hepburn tatsächlich prima harmonieren.

Die düsteren Elemente sind ebenfalls fein gemacht und mit schwärzestem Humor gewürzt, wenn die drei Bösewichter sich etwa auf unterschiedlichste, aber unfeine Weise überzeugen, daß Reginas Mann auf seiner Beerdigung wirklich tot ist oder, George Kennedy mit seiner Hakenhand viele Bond-Bösewichter vorwegnimmt oder James Coburn den Klischee-Ami-Finsterling raushängen läßt.

Eine feine Sache ist nicht zuletzt die Auflösung, auf die man auch erst mal kommen muß und die als Überraschung hier an den Zuschauern gute Dienste tut, bis letztendlich klargestellt wird, wer denn nun die Guten und die Bösen sind.
Leider kam die Paarung nie wieder zustande, denn für Grant, damals 59, war es bereits der drittletzte Film und seiner angegrauten Erscheinung sieht man den kommenden Großvater manchmal schon deutlich an, während Hepburn mit ihren 34 Jahren noch für Ende 20 durchgehen könnte (nichtsdestotrotz drehte sie selbst danach nur noch 5 Filme vor einer neunjährigen Filmpause). Allerdings strotzt der Film vor Jokes über den Altersunterschied und gibt ihm somit den Anstrich einer abgefilmten Privatparty eines erlesenen Ensembles.
Mit leichter Hand gemacht und selbst wenn man die Auflösung kennt, immer wieder ein Genuß in punkto Spielverständnis. (9/10)


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