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Totale Erinnerung - Total Recall, Die (1990)

Eine Kritik von bodycounter
eingetragen am 13.12.2010, seitdem 315 Mal gelesen


Recall... Recall, Recall! Ja Arnold, erinnere dich. Du warst ein Geheimagent, jetzt armseliger Proletarier mit hübscher Frau und futuristisch-möblierter Wohnung. Dein Wunsch, den Mars zu besuchen, kann die Sharon nicht teilen, und so lässt du dir eine falsche Erinnerung implantieren, doch diese legt eine längst gewaschene Matrix frei.
Aber warum spreche ich zu dir? Du stehst sicherlich gerade, mit einem Handtuch um den Kopf gewickelt in einem leeren Haus, einen Schraubenzieher in der Nase.  Oder aber verweilst du nach erfolgreicher Amtszeit in deinem LA-Anwesen, eine Zigarre in der Hand?
Vielleicht ist Douglas Quaid nie er, nie sein vergessenes Action-Ich, nie der neurotische, verwirrte Held wider Willen gewesen, wie er sich in diesem Film wiederentdeckt. Vielleicht war alles nur ein Traum eines österreichischen Bodybuilders, der nichts weiter wollte, als eine Kennedy zu heiraten. Was macht er dort auf dem Mars? Unter schwerem, rot-braunen Farbfilter, wo den Menschen draußen in der Wüste die Augen aus dem Schädel platzen? Dort schleicht er, identifiziert sich anhand einer Signatur, anhand der verführerischen Prostituierten, die seiner Amnesie mit Ohrfeigen antwortet. Sehe, ein Glanz in den Augen. Er muss verstehen, die Marskolonie gleicht einem diktatorischen Arbeiterstaat, wo Luft Geld kostet wie das Lebenselixir in Waterworld. Wo der menschenverachtende Chef mit dem grau melierten Haar, vorher bei OCP, jetzt im All an genau dem Schalter sitzt, der die Knechtschaft enden könnte.
Wir wissen bereits, wie es ausgeht. Den Himmel haben wir vor unserem geistigen Auge sich färben gesehen, rot zu blau, haben die mutierten Menschen im Quarantäne-Rotlichtverschlag ihre deformierten Gesichtszüge sich an der Marssonne laben sehen. Für diese Freiheit, die schon namenlose Außerirdische vor Quadrillionen von Jahren installiert haben, die die Kolonialmacht mit ihrer eisernen Hand verschlossen hielt und mystifizierte, mussten Leute sterben. Der niederländische Verhoeven, dessen Filme genealogisch irgendwo noch mit Hieronyms Bosch zu verknüpfen sind, sorgte dafür, dass Gewalt zu ihrem Recht kommt. Wenn Arnold nahe dem Ende auf einem Fahrstuhl steht und ihn die abgetrennten Hände seines Widersachers wie tote Augen ansehen, dann wissen wir, dass das Rating mit R beginnt.
Ja Arnold, du Mann, der zuwenig wusste. Vielleicht bist du in diesem Film am unterhaltungsreichsten verpackt worden. Deine oszilierenden Identitäten gleichen sich ja wahrscheinlich doch zu sehr, als dass du sie mühelos auseinanderhalten könntest, schizophrener Du. Ich habe dein Commando zum Mars sehr genießen können, und auch bei dir, Paul, bedanke ich mich. 


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