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In den Straßen der Bronx (1993)

Eine Kritik von Jayson (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 26.12.2006, seitdem 845 Mal gelesen


Als Schauspieler ist Robert De Niro schon längst eine Legende, ein Idol, ein Superstar, dem aufgrund eines glücklichen Händchens bei seiner Rollenwahl- zumindest bis vor einigen Jahren- ein ewiger Platz auf der Liste von Hollywoods Ausnahmeschauspielern sicher sein dürfte. Er spielte Mafiosi („Der Pate“, „GoodFellas“), Profigangster („Heat“), Frankensteins Monster („Mary Shelley’s Frankenstein“) und auch schon einmal den Teufel höchstpersönlich („Angel Heart“). Fast durchgängig gelang es dem profilierten Method-Acting- Schüler, zu glänzen und stets eine persönliche Nuance in seine Figuren miteinzubauen. Mit dem ’93er Film „In den Straßen der Bronx“/ „ A Bronx Tale“ wechselte dieses Ausnahmetalent erstmals hinter die Kamera und legte ein Regieerstling vor, dessen Thema passender nicht sein könnte. De Niro, Kind italienischer Einwanderer, verbrachte seine Jugend in bescheidenen Verhältnissen und eben davon erzählt sein Werk- vom Leben der italienischen Unterschicht in der New Yorker Bronx.

Im Brennpunkt steht der junge Calogero Anello, der in der Bronx der 60er Jahre aufwächst. Das Leben dort ist geprägt von Armut, Rassismus und Verbrechen. So erscheint es nicht weiter verwunderlich, dass sich der kleine Junge den Mafioso Sonny zum Vorbild nimmt. Als Calogero eines Tages Zeuge wird wie Sonny einen Mann erschießt- er ihn aber vor der Polizei deckt- verändert sich sein Leben für immer. Fortan nimmt Sonny Calogero unter seine Fittiche – sehr zum Missfallen des Vaters Lorenzo, der stets versucht ist, seinen Sohn vor der schiefen Bahn zu bewahren…

Die Vorlage für diesen Film- sowohl das Buch als auch das Script- stammen von Chazz Palminteri, der es sich nicht hat nehmen lassen, selbst den Gangster Sonny zu verkörpern. Palminteris halb-autobiographische Geschichte erzählt von einer packenden Freundschaft, ja mehr noch: einer Vater/ Sohn- Beziehung zwischen dem Mobster Sonny und dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Calogero.
Im ersten Teil des Films begegnen wir einer 9-jährigen Ausgabe von Calogero. Er und seine Freunde treiben sich täglich auf den Straßen rum, die für die Burschen ein zweites zu Hause darstellen. Aber was die Kinder eine Ersatzheimat nennen, ist in Wirklichkeit das Revier des örtlichen Gangsterbosses Sonny, der sein Viertel mit Zuckerbrot und Peitsche regiert. Als ein Zufall Sonny und Calogero miteinander bekannt macht, wittert Lorenzo die Gefahr, die von Sonny ausgeht, und ermahnt seinen Sohn bei jeder Gelegenheit, sich von dem Verbrecher fernzuhalten. Denn dieser ist das genaue Gegenteil von Lorenzo. Während sich Sonny nimmt, was er braucht und sich seines verbrecherischen Lebenswandels bewusst ist, handelt es sich bei Lorenzo um einen von Grund auf ehrlichen Arbeiter, der harte Arbeit als Basis für ein gutes Leben ansieht. Hier prallen offensichtlich Welten und Ideale aufeinander. Nachdem Calogero trotz aller Warnungen nicht von Sonny fernbleibt, ist es genau dieser Gegensatz zwischen Vater und (Ersatz-) Vater, der dem Film jede Menge Konflikt- und Spannungspotential verleiht. So geraten Lorenzo und Sonny Mal um Mal beim Kampf um den Jungen aneinander und der Zuschauer wird gezwungen den Atem anzuhalten, denn jedem ist klar, Lorenzo hätte keine Chance gegen Sonny und seinen Mob. Hierbei ist besonders zu betonen, dass man als Zuschauer nicht immer Lorenzos Schwarz/Weiß-Denken bezüglich Gut und Böse teilen kann, wird einem der Gangster doch als ein durchaus charismatischer und cleverer Mann mit einer guten Portion Menschlichkeit präsentiert. Man entfernt sich von den tumben Stereotypen anderer Gangsterfilme, sofern man „In den Straßen der Bronx“ überhaupt in dieses Genre zwängen will. Diese Herangehensweise verleiht dem Film eine besondere Note und hebt ihn deutlich aus der Masse ähnlicher Produktionen hervor, zeigt aber auch wie wandlungsfähig das- nicht immer offensichtlich- Böse ist.

Die Geschichte wird feinfühlig und über weite Strecken ruhig erzählt, lebt teilweise nur vom gesprochenen Wort und Emotionen. Sei es Sonny, der durchaus interessante, philosophische Themen aufwirft, oder Lorenzo, der verzweifelt versucht, seinem Spross Vernunft einzubläuen. Trotz all der Rededuelle kommen natürlich die actionhaltigeren Komponenten nicht zu kurz und der Zuschauer bekommt einen angemessenen Eindruck von Sonnys Macht, als z.B. jener mit seinem Gefolge ohne lange zu fackeln, einem Haufen pöbelnder Biker den Gar aus macht.

Wie es im Leben so geht: die Zeit bleibt nicht stehen und die Jahre ziehen ins Land. So setzt der Film nach einem Bruch ca. 8 Jahre später wieder ein. Calogero ist mittlerweile ein 17-jähriger Teenager und hält noch immer Kontakt zu seinem Ziehvater. Ab hier verlagert sich der Spannungspunkt ein wenig von dem Gespann Sonny/ Lorenzo/ Calogero hin zu anderen Problemen. Calogero verliebt sich in ein schwarzes Mädchen; eine Verbindung die weder von Seiten der Italiener noch von Seiten der Schwarzen für gut befunden wird. So erlebt man hier allerlei Anfeindungen von beiden Seiten und ausgerechnet Sonny, der gefährliche Gangster, der Gesetzlose, der, vor dem Lorenzo stets gewarnt hat, lässt sich nicht von unwichtigen Äußerlichkeiten beeinflussen und rät Calogero, auf sein Herz zu hören. Wieder ein Moment –von vielen- in dem diese Vater/ Sohn- Beziehung deutlich hervortritt und in dem der Film eindeutig ein Plädoyer für Menschlichkeit und gegen Diskriminierung abgibt. Unterstrichen wird die Botschaft von einem tragischen Finale, dessen Wirkung für alle Beteiligten von nachhaltiger Natur sein wird.

Die schauspielerischen Leistungen des Films erreichen beinahe durchgängig ein angenehm hohes Niveau, wobei allen voran unser Dreiergespann Lorenzo/ Calogero/ Sonny von Belang ist, trägt es doch den Film zu einem Großteil.
Robert De Niro, der die Rolle des besorgten und anständigen Familienvaters Lorenzo spielt, überzeugt über die gesamte Laufzeit. Er schafft es, sowohl die ruhigeren Töne einfühlsam und emotional rüberzubringen –ohne dabei ins klischeehaft kitschige abzudriften- und vermag auch Situationen mit mehr Dynamik, realistisch und packend zu vermitteln. Etwas bedauernswert in diesem Zusammenhang ist nur, dass sich der Herr Regisseur selbst nicht etwas mehr Screentime gegönnt hat, gerät doch sein Charakter im Verlauf der Zeit immer weiter ins Abseits und muss so dem heimlichen Star des Films- Chazz Palminteri alias Sonny- weichen. Dieser spielt die Rolle der lokalen Mafiaikone einfach wunderbar und erreicht eine perfekte Mischung aus Bedrohlich- und Menschlichkeit, welche er mit einer durchdringenden Bildschirmpräsenz paart. Calogero Anello- der letzte im Bunde- wird sowohl von Francis Capra und Lillo Brancato verkörpert, was durch den Zeitsprung von 8 Jahren von Nöten war. Beide erledigen ihren Job zufrieden stellend, können aber leider nicht ganz mit den erfahrungsreicheren Kollegen De Niro und Palminteri mithalten, was man ihnen aber keinesfalls zum Vorwurf machen sollte.


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