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8MM - Acht Millimeter (1999)

Eine Kritik von BootyCount (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 16.01.2007, seitdem 264 Mal gelesen


Der Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) wird von der Millionärswitwe Mrs.Christian, ein Video gezeigt, welches sie im Nachlass ihres Ehemanns gefunden hat. Zu sehen ist die brutale Ermordung eines jungen Mädchen. Welles' Auftrag, herauszufinden, ob das Video gestellt ist, oder ob es sich wirklich um einen Mord handelt.
Der festen Überzeugung, das es sich bei dem Video um einen nachgestellten Snuff-Porno handelt, macht Welles sich auf die Suche zum Urheber des Filmes. Dabei gerät er mehr und mehr in die Fänge des Porno-Untergrundes und entfernt sich dadurch nicht nur von seiner Familie, sondern gleitet seelisch immer mehr in den Abgrund.

Die Story des Filmes scheint auf den ersten Blick nichts besonderes zu bieten, doch was uns Regisseur Joel Schumacher hier zeigt, ist zum Teil wirklich harter Tobak! Die Welt des Pornos weitab von dem, wie wir sie kennen, ist so derart pervers, das man an der Menschlichkeit zweifelt! Hier wird gezeigt bzw. angedeutet, was manche Leute doch für kranke und perverse Neigungen an den Tag legen, um eine gewisse Befriedigung zu erlangen! Egal ob Kinderpornografie, Bondage, jeglicer Fetisch oder pure Gewalt, kein Klischee wird ausgelassen, um den Zuschauer zu verstören. Und gerade das nichtgezeigte wirkt im Kopf des Zuschauers zu bedrohlich und verängstigend, das man sich einfach nicht von der Leinwand abwenden kann, wenn wirklich sekundenartig Bilder der gesichteten Filme gezeigt werden.

Nicholas Cage ist ein wahrhaft guter Schauspieler, der allein mit seiner Präsenz die Leinwand füllt. Doch übertreibt er es in manchen Szenen ein wenig mit seinen gespielten Gefühlen. Allerdings legt er, aufgrund des sensiblen Themas, eine Ernsthaftigkeit an den Tag, die ich seit dem bei ihm nicht mehr gesehen habe. Die Betroffenheit beim durchschauen des Videomaterials und besuchter Untergrundmärkte (besonders gut zu erkennen, als er Bilder vermeintlicher Kinder in die Hände nimmt und betrachtet), stellt er wirklich perfekt dar. Einerseits angeekelt, anderseits Interesse heuchelnt, um eine Spur des Produzenten des Snuff-Pornos zu finden!

Eine wirklich herrausragende Darstellung legt Peter Stormare als Pornoproduzent Dino Velvet an den Tag. Dieser Schauspieler ist immer wieder in solchendurchgeknallten Rollen zu entdecken, die man ihm aber auch immer wider abnimmt. Und doch ist gerade dieser Charakter des Filmes der für mich schlechteste. Hier wurde doch ein wenig übertrieben.
Joaquin Phoenix steigt erst nach der knappen Filmhälfte ein, doch gerade seine Darstellung als Hilfskraft in einem Pornoshop, liegt mir am meisten in Erinnerung. Ein herzensguter Kerl, der eigentlich nur ein normales Leben führen will, in die tiefen der Pronoindustrie eingedrungen ist und trotzdem einen klaren Verstand behält.

Joel Schumacher wusste im Vorfeld schon, was für ein heißes Eisen er mit dem Film in den Händen halten würde. Und doch hat er es irgendwie geschafft, fast nie über das Ziel hinauszuschießen und eine gewisse Distanz zu bewahren. Aber vielleicht ist es gerade das, was dem Film nicht den gewünschten Erfolg einbrachte. Obwohl mit Andrew Kevin Walker (Sieben) ein wirklich guter Drehbuchschreiber am Werk war.
Vielleicht war es aber auch nur das unausweichliche R-Rating, was so manchem Film schon den Todesstoß versetzt hat.

Trotzdem ist der Film wie ein Schlag in die Magengrube. Hier wird so ziemlich alles psychische einer menschlichen Seele zerstört, was man nur zerstören kann. Tom Welles wandelt sich vom liebevollen Familienvater und Ehemann in ein gebrochenes Wrack ohne jegliche Heilung. Eine heile Welt wird es niemals wieder geben.
Und auch der Zuschauer wird so manche Dinge nach dem Film mit ganz anderen Augen sehen. Snuff-Filme werden nicht nur im Film als ein Mythos bezeichnet, auch heute weiß man nicht, ob solche Filme wirklich existieren, weil niemand öffentlich darüber redet. Und doch weiß man, nicht nur nach ansehen des Filmes, das es genügend Menschen auf der Welt gibt, die ein normales Sexleben nicht befriedigt und immer mehr auf der Suche nach dem ultimativen Kick sind. Die Nachrichten zeigen es uns ja fast jeden Tag.
Und auch gerade weil der Film eben nicht Hollywood-like ist, so kann ich ihm wirklich jedem mit einem starken Nervenkostüm nur wärmstens empfehlen. Und auch wer sich während des schauens nicht viele Gedanken macht, ein wirklich spannender Thriller ist "8mm" allemal.


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