SOMTUM
„Som Tam“ ist ein einfaches thailändisches Gericht, welches die vier Geschmacksrichtungen der thailändischen Küche miteinander kombiniert: süße Papaya, saure Limonen, salzige Fischsoße und scharfe Chilischoten. Sämtliche Zutaten werden gemeinsam zerstoßen und anschließend wie ein Salat zusammen mit Klebreis bei Zimmertemperatur serviert. In einem kleinen Restaurant nimmt das Unheil dieser thailändischen Actionkomödie seinen Lauf, wobei sowohl der Name des Restaurants „Papaya Pok Pok“ als auch der Filmtitel SOMTUM nur zwei der zahlreichen alternativen Schreibweisen von „Som Tam“ darstellen.
Der Australier Barney (Nathan Jones) wird während seines Urlaubs in Thailand abgefüllt, seiner Papiere beraubt und lungert nun auf der Straße herum. Als die Mädchen Katen (Nawarat Techaratanaprasert) und Dokya (Sasisa Jindamanee) beim Stehlen erwischt und dafür verprügelt werden sollen, eilt Barney ihnen zur Hilfe. Zum Dank wollen sie ihm dabei helfen, seine Papiere zurückzubekommen und nehmen ihn erst einmal bei sich auf. Doch im Restaurant der Mutter geschieht das Unglaubliche: Als Barney eine Portion „Som Tam“ isst, lässt ihn die höllische Schärfe zum roten Hulk mutieren und er wütet, bis das Restaurant in Trümmern liegt. Nun versuchen Barney und die Mädchen, das nötige Geld für den Wiederaufbau zu beschaffen. Als Katen einen Edelstein klaut, ahnt sie nicht, dass die Besitzer zwei ausländische Gangster sind, welche mit einer thailändischen Organisation kooperieren. Als die Organisation Katen und Dokya entführt, bleibt Barney nur noch eine Möglichkeit: Eine Portion „Som Tam“ essen, um den roten Hulk noch einmal von der Leine zu lassen...
Ausgerechnet Nathan Jones, welcher zuvor für Ikonen des Martial Arts-Films wie Jackie Chan (1996 in First Strike), Tony Jaa (2005 in Tom-Yum-Goong) oder Jet Li (2006 in Fearless) eine massige Herausforderung darstellte, spielt plötzlich einen herzensguten, naiven Giganten, welcher vom Kämpfen keine Ahnung hat und eigentlich nicht einmal einer Fliege etwas zu Leide tun könnte. Zwar ist Nathan immer noch ein beeindruckender Hüne, hat aber zugunsten der Glaubwürdigkeit seiner Rolle auf Überstunden an den Gewichten verzichtet und trägt sogar einen kleinen Bauchansatz mit sich herum. Ohne jegliche Hemmungen und dafür mit umso mehr Selbstironie nimmt er seine üblichen Filmrollen auf die Schippe und bringt SOMTUM (2008) damit gleich eine Menge Sympathiepunkte ein.
Wer bei der Aussage „Nathan hat vom Kämpfen keine Ahnung!“ enttäuscht die Erwartungen runterfährt, kann sie genauso schnell wieder hochfahren. Dank „Som Tam“ mutiert Nathan fast immer genau im richtigen Moment zum roten Hulk, was man sich allerdings nicht im Sinne seines grünen Verwandten aus dem Marvel-Universum vorzustellen hat: Nathan mutiert nicht körperlich. Er läuft viel mehr knallrot an, brüllt wie besessen und wird dabei zum rasenden und tobenden Berserker. So friedliebend Nathan im Normalzustand auch sein mag: Der geballten „Som Tam“-Power des roten Hulks können weder drei ausgewachsene Wrestler, noch ein startender Privatjet samt Bösewichte standhalten.
Nathan zur Seite stehen Nawarat Techaratanaprasert und Sasisa Jindamanee. Sasisa kann trotz ihres jungen Alters auf langjähriges Muay Thai-Training zurückblicken, teilte schon in BORN TO FIGHT (2004) aus wie eine Erwachsene und liefert in SOMTUM die beste Kampfsportperformance aller Beteiligten ab. Nawarat hält sich zwar weitestgehend aus den Handgreiflichkeiten raus, spielt aber ebenso sympathisch wie Sasisa. Später standen beide Mädchen für POWER KIDS (2009) noch einmal gemeinsam vor der Kamera. Philippe Wanet und Conan Stevens geben solide Bösewichte ab, haben trotz massivem Körperbau aber wenig bis null Kampfeinsatz. Dafür lassen gleich zwei der Hauptdarsteller aus BORN TO FIGHT die Knochen krachen: Dan Chupong orientiert sich in seinem Cameo an Tony Jaas Fighteinlage aus THE BODYGUARD (2004), während seine damalige Filmschwester Kessarin Ektawatkul in ihrem eigenen Intermezzo die oftmals kritisierten „Ballspielereien“ aus BORN TO FIGHT parodieren darf.
Wenn Prachya Pinkaew und Panna Rittikrai gemeinsam in der Küche experimentieren, dann erwartet man am ehesten eine Geschmacksexplosion vom Kaliber eines ONG-BAK (2003). Bei SOMTUM hingegen verspricht der Trailer eine schmackhafte, leicht verdauliche und dennoch sättigende Actionkomödie und der Film selbst kann diese Erwartungen voll und ganz erfüllen. Aus der aktuellen Speisekarte serviert uns das Produzentenduo somit das nach CHOCOLATE (2008) zweitschmackhafteste Gericht und wir können den leicht verkochten ONG-BAK 2 (2008) direkt an die Küche zurückgehen lassen. Ein ziemlich gutes Argument, um beim nächsten Filmabend mal wieder ein wenig thailändische Kost auf den Tisch zu bringen. Da gute zwei Drittel des Films in englischer Sprache gehalten sind, ist das Gericht auch für Nicht-Thailänder problemlos konsumierbar.
7/10 Punkten, diBu!