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Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat (2008)

Eine Kritik von Teppi (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 03.11.2011, seitdem 390 Mal gelesen


Groß war er, der empörte Aufschrei besorgter Kino-Freunde - dass sich eine größtenteils amerikanische Film-Crew an ein bedeutendes Stück deutscher Geschichte rantraute, ließ im Vorfeld lautstarke Zweifel aufkommen. Zweifel, die nicht unbedingt unbegründet waren angesichts der überhöhten Heldenglorifizierungen, die der Hollywood-Maschinerie gern entspringen. Der Fakt, dass Regisseur Bryan Singer direkt zuvor drei Comic-Verfilmungen drehte (“X-Men”, “X-Men 2” und “Superman Returns”) sorgte ebenfalls nicht gerade für beruhigte Gemüter. Nach Sichtung des Endprodukts kann jedoch Entwarnung gegeben werden: Trotz manch historischer Freiheit überzeugt “Operation Walküre” als größtenteils elektrisierend spannende und famos ausgestattete Geschichtsstunde, die sich nur ganz selten einer schlichten Heroisierung hingibt.

Graf von Stauffenberg (Tom Cruise), ein hochrangiger Offizier der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg, kann die Linie des Führers nicht länger mit seinen Überzeugungen in Einklang bringen. Nachdem er in Afrika schwer verwundet wurde, versetzt man ihn nach Berlin in eine Stabsstelle. Dort wird er von General Olbricht (Bill Nighy) in eine gegen Hitler gerichtete Widerstandsgruppe eingeführt. Die von den Verschwörern geplante Ermordung des Staatsoberhauptes greift für Oberst Stauffenberg jedoch nicht weit genug - er will sicherstellen, dass den Nationalsozialisten durch einen groß angelegten Putsch all ihre Machtstellungen entzogen werden. Gelingen soll dies durch eine geschickte Umschreibung der “Operation Walküre”, dem Einsatzbefehl zur Niederschlagung innerer Unruhen. Damit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist, müssen die Verräter noch weitere Militärs für ihre Sache gewinnen - so u.a. auch Generaloberst Fromm (Tom Wilkinson), welcher die Befehlsgewalt über das Ersatzheer besitzt…

Was wohlbekannten Historienstoffen nicht selten einen Teil der Faszination raubt, erweist sich hier schon beinahe als Pluspunkt: Das Allgemeinwissen des Zuschauers nimmt zwar das unausweichliche Ende voraus, gibt ihm jedoch auch gleichzeitig die Gewissheit darüber, mit welch grausamer Gnadenlosigkeit das blinde Gefolge gegen Regime-Gegner vorging. Die hochgefährliche Rekrutierung neuer Verbündeter sowie die letztendliche Ausführung des Plans gestalten sich daher äußerst packend - jedes Wort will wohlüberlegt sein, jeder tollkühne Vorstoß birgt ungemeine Risiken. Die kühle und präzise Inszenierung Singers unterstützt diese knisternde Spannung. Dass zugunsten eben jener manch eine geschichtliche Ungenauigkeit in Kauf genommen wird, stört dabei nicht allzu sehr. Auch wenn bspw. das elektrisierende Zusammentreffen von Stauffenberg und Hitler auf dem Berghof in dieser Form nicht stattfand, geht dieser Kniff als vertretbare Freiheit durch, verfälscht er doch das große Gesamtbild nur unwesentlich.

Ob Stauffenberg nun wirklich die angepriesene Vorbildsfigur und moralisch unantastbare Instanz war, ist nicht vollkommen unumstritten. Der Film stellt sich hier ganz klar auf die Seite der meisten Geschichtsschreiber sowie der allgemein anerkannten Wahrnehmung und präsentiert den Oberst als Aushängeschild des deutschen Widerstandes, was nur folgerichtig erscheint (eine Verunglimpfung wäre doch sehr vermessen). Tom Cruise verkörpert den mittlerweile zum Helden avancierten Verräter mit viel Intensität; sein entschlossenes Spiel trifft stets den richtigen Ton und wirkt nie überzogen. Dass die Grenze zur plumpen Heroisierung in wenigen Ausnahmefällen doch überschritten wird, liegt nicht an Cruise selbst, sondern eher an der Regie respektive am Drehbuch - der plakative Gruß mit dem verstümmelten Arm hätte genauso wenig sein müssen wie die Szene, in welcher seine Mitverschwörer per Ausweis ihre kollektive Loyalität bekunden (zumal beide Sequenzen wiederum falsche Fakten darstellen).

Auch die weiteren Darsteller können einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Bill Nighy gibt als treibende, aber schlussendlich doch zögernde Kraft im Umsturzversuch eine tadellose Vorstellung ab, welche nur noch von Tom Wilkinsons sehr starker Präsens als kerniger Gegenspieler überboten wird. Nicht weiter verwunderlich, dass sich das erste Aufeinandertreffen der drei Hauptdarsteller als ein atmosphärisches Highlight herausstellt. Dass die Schauspielerriege auch durch deutsche Mimen (u.a. Thomas Kretschmann und Matthias Schweighöfer) unterstützt wird, sollte als nette Randnotiz ebenfalls Erwähnung finden. Von ähnlicher Güte wie die Besetzung erweist sich die formidable Ausstattung, welche ein authentisches Bild dieser dunklen Epoche vermittelt. Die Uniformen erwecken ebenso wie die teils an Originalschauplätzen entstandenen Sets einen realitätsnahen Eindruck.

Fazit: Für den Geschichtsunterricht mag “Operation Walküre” aufgrund manch einer historischen Freiheit nicht uneingeschränkt empfehlenswert sein, als spannender Historien-Thriller kann das stark gespielte Star-Vehikel um Tom Cruise dank toller Ausstattung und angenehm nüchterner Betrachtung aber dennoch sehr gut unterhalten.

8/10


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