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Die Jahre 1980 - 1984 gelten, ohne Frage, als die goldene Ära des Slasherfilms. Auch wenn "Halloween" aus dem Jahre 1978 als Vollendung des Slasherfilms gilt und nicht selten als erster wirklicher Film des Genres gehandelt wird, die Zeit in der Woche für Woche ein Slasher nach dem anderen im Kino lief und den Geldesel Kinozuschauer bis zum umfallen melkte, waren eindeutig diese vier Jahre Filmgeschichte. Das dabei natürlich nicht nur Qualitätsware rauskam ist verständlich, nein, der allergrößte Teil der Schlitzerfilmchen sollte sogar richtiger Schund sein. Aber so manches Goldstück hat diese Zeit trotzdem hervorgebracht. Und neben "Freitag der 13" gilt "My Bloody Valentine" als der beste und beliebteste Streifen dieser Ära. Logisch also, dass nun auch dieser Streifen sein Remake bekommt, wenn der alte Friday ja fast zeitgleich ebenfalls zu diesen Ehren kam. Und es ist sogar ein richtig Gutes geworden, das die Neuversion von Jason locker hinter sich lässt. Und das nicht nur wegen des 3D-Effekts.

Denn mit "My Bloody Valentine" dürfen wir endlich mal wieder einen ganz geradlinigen Slasher auf der Leinwand erleben, wie man ihn so schon lange nicht mehr auf der Leinwand erleben durfte. Die Story ist dabei natürlich eher etwas für den hohlen Zahn und bietet genau die Grundhaltung, die Genrefans an Slashern so mögen. Also wie gehabt: Vor vielen Jahren ist in einer Bergmine etwas Schreckliches geschehen und der einzig Überlebende, Harry Warden, ermordet wie im Trauma unzählige Menschen. Tom Hanninger, einer der wenigen Überlebenden des Massakers, verlässt darauf hin die Stadt. 10 Jahre später kehrt er zum Valentinstag wieder zurück und das schreckliche Morden beginnt von neuem. Ist Harry etwa wieder da?... Sicher, wenn man die Story auf die Goldwaage legt, hat "My Bloody Valentine" auch nicht mehr zu bieten als so viele andere Slasher vor ihm, und auf allzu tief schürfende Logik sollte man natürlich auch nicht setzen. Abgesehen davon aber kann die Story aber Spaß machen und hat mit dem Bergbauschacht, sowie dem kleinen Dorf, einige exzellente Locations zu bieten, die man für einen Slasher gut gebrauchen kann.

Sowieso macht Valentine erstaunlich viel richtig für einen geradlinigen Slasher. Ohne sich auch nur allzu sehr mit der Vertiefung des ganzen Geschehens zu beschäftigen, geht es schon kurz nach dem Vorspann in die Vollen. Wo im Original die Vorgeschichte nur wenige Momente in Anschlag nimmt, hat Regisseur Patrick Lussier hier die Geschichte vom mordenden Harry Warden in ein doch recht ausuferndes Schlachtfest verwandelt, welches den Zuschauer schon einmal gleich zeigt wo es lang geht. Fast wie ein Showdown aufgebaut, könnte man fast schon meinen, dass der Schluss des Films an den Anfang getackert wurde, so derbe geht es hier gleich einmal ab. Dabei hält das Ganze auch ein beachtbares Tempo und geizt nicht sonderlich mit krudem und geradlinigem Gemeuchel. Kurzum, nach nur wenigen Minuten dürfte sich der eiserne Slasherfan schon im siebten Himmel fühlen.

Danach wird es dann natürlich erst einmal etwas ruhiger, wenngleich sich der Film dabei trotzdem nicht wirklich in irgend einen Ruhestand wiegt. Auch wenn die Handlung, welche dann 10 Jahre später spielt, sich natürlich erst einmal wieder etwas aufbauen muss, so wird auch hier nicht wirklich lange gewartet, bevor man die Protagonisten wieder in ihr Unglück stürzt. Sprich die Morde des (neuen?) Mannes mit der Gasmaske wurden hübsch über den ganzen Film verteilt, so dass sich wirkliche Langeweile nie breit machen kann. Zumal eine doch recht ordentliche Atmosphäre, sowie auch ein gewisser Spannungsbogen nicht ganz zu übersehen sind. Auch wenn sich die Spannung an mancher Stelle an Dingen aufbaut, die nur für den Zuschauer inszeniert sind und sich so nicht wirklich in der eigentlichen Handlung ergeben, so ist die Frage ob Harry erneut durch die Gegend rennt und meuchelt oder ob es nicht doch jemand anders ist, stetig präsent. Zumindest wenn man das Original nicht kennt.

Denn wer nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, der weiß natürlich, dass wir es hier erneut mit einem Remake zu tun haben, wenngleich mal nicht mit einem aus dem Hause Platinum Dunes. Und in dieser Hinsicht muss man es den Machern definitiv lassen, dass sie einen Remake geschaffen haben, welches so viel besser nicht hätte sein können. Denn während z. Bsp. bei nicht wenigen Filmen die Ähnlichkeiten zum Original nur minimal sind und bei Remakes wie "Psycho" oder "Das Omen" die Originale nur 1:1 kopiert wurden, so ist bei "My Bloody Valentine" eine Ausgewogenheit zwischen Altbekannten und neu Hinzugefügtem spürbar vorhanden. Während man z. Bsp. die bekanntesten Morde des Originals übernommen hat (Tot im Wäschetrockner, herausquellendes Auge und natürlich alle möglichen Kills mit der Spitzhacke) ist der Zeitpunkt jener Morde mitunter doch recht abweichend. Auch so manche Szene, wie z. Bsp. die herunterkommenden Bergarbeiter-Anzüge wurden an passender Stelle aus dem Original abgekupfert, wohingegen z. Bsp. der psychische Auslöser für die mörderische Bluttat des Täters nur im Groben gleich ist. Immer wieder blitzt eine Referenz aus dem Original auf, was vor allem dessen Fans erfreuen dürfte, ohne das man sich allzusehr damit umgibt. Der herrliche Charme des originalen Valentines ist aber leider nicht zu finden.

Nun gut. Ist also schon der eigentliche Film mal ein wirklich gutes Beispiel für einen sauberen Slasher der heutigen Zeit, so haben sich die Macher allerdings noch ein weiteres Schmankerl für die Kinobesucher ausgesucht. Denn in Zeiten wo das 3D-Kino wieder ganz groß in Mode kommt, darf natürlich auch der Horrorfilm nicht außen vor bleiben. Und so stellt sich "My Bloody Valentine", ganz in der Tradition von "Friday the 13th: Part III", dem Zuschauer förmlich auf die bebrillte Nase und wirft nicht wenige Effekte in 3D aus der Leinwand heraus. So fliegt einem hier schon einmal die Spitzhacke um die Ohren oder man wird von einer herausragenden Schrotflinte bedroht und natürlich fliegen einem auch allerlei Gedärm und Gekröse um die Ohren. Der Fun-Faktor erhöht sich dadurch spürbar, wenngleich man glücklicherweise sagen kann, dass der Film diesen Effekt zwar ordentlich nutzt, ihn aber insgesamt nur selten übertreibt. Sprich der 3D-Effekt ist, schon von vorne herein, nicht als Haupt- sondern als Nebeneffekt gedacht und dies wird bis zum Ende auch durchgehalten, so dass man sich, anders als z. Bsp. bei "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", auch in 2D einen guten Eindruck vom Film machen kann. Aber wer die Chance hat die 3D-Version zu bekommen, der sollte natürlich zu dieser greifen!

Was die Darsteller angeht, gibt es bei der Hauptrolle doch eine witzige Anekdote zu entdecken. Denn Kenner der Serie "Supernatural" kennen diesen natürlich und haben ihn wohl auch schon längst irgendwie ins Serienherz geschlossen: Die Rede ist von Jensen Ackles, der hier die Rolle des Heimkehrers spielt und diese auch ganz ordentlich zur Schau stellt. Witzig ist dabei vor allem die Tatsache, dass sein Serien-Kollege Jared Padalecki die Hauprolle im "Freitag der 13."-Remake spielt und beide Darsteller irgendwie in ihren Serienfiguren festzuhängen scheinen. Denn sowohl Padalecki im "Konkurrenzfilm", als auch Ackles hier, sind in ihren Grundzügen genau so anzutreffen, wie in "Supernatural". Ob die beiden Filme daher unterschwellig auch ein wenig Werbung für die TV-Serie sein sollen, ist jedenfalls nicht ganz aus zu schliessen.

Aber auch die restlichen Schauspieler gehören kurz erwähnt, wenngleich man nur die Wenigsten wirklich kennt. Der Bekannteste dürfte dabei noch Tom Atkins sein, der vielen Horrorfans schon längst ein Begriff sein dürfte, wenngleich seine Filmografie mit Streifen wie "Halloween 3" und manch anderem B- und C-Horrorfilm sicher nicht die Ruhmreichste sein dürfte. Aber als Darsteller konnte das alte Raubein schon so manch unterirdischen Streifen retten und hier darf er dem eh schon recht ordentlichen Film nun noch zu mehr Glanz verhelfen. Hinzu kommen noch der wunderbare Kevin Tighe, Kerr Smith und Jamie King, welche ebenfalls eine ganz gute Firgur machen. Alle Anderen bleiben dagegen allerdings austauschbar.

Fazit: Geradlinig, blutig und mit einem verflixt gut getimten Tempo ausgestattet, ist "My Bloody Valentine" endlich mal wieder ein Slasherfilm, den Fans des Genres mögen werden. Auch wenn die Story nicht dichter ist als bei so manch anderem Streifen und es mit der Logik auch nicht so weit her ist, so muss man es "My Bloody Valentine" doch lassen, dass er von vorne bis hinten zu unterhalten weiß, eine gewisse Spannung und Atmosphäre besitzt und die Kills nicht nur ordentlich hart und attraktiv gestaltet präsentiert, sondern diese auch sauber über den ganzen Film verteilt. Hinzu kommt noch der nette 3D-Effekt, welcher zwar ordentlich ausgereizt wird, aber (glücklicherweise) alles in allem trotzdem nur ein Nebeneffekt bleibt. Wer es also mal wieder einen knackigen, derben und dennoch recht spannenden Slasher auf der Leinwand zu tun haben will, der sollte den Kinobesuch nicht scheuen. Nur den Charme des Originals, den sollte man auch bei diesem Remake nicht erwarten!

Wertung: 7,5/10 Punkte

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