Das Wort „Comicverfilmungen“ wird fälschlicherweise oft in Verbindung mit konventionellem Popkornkino gebracht. Doch das solche Adaptionen auch gut durchdachte Parabeln und gesellschaftskritische Epen sein können, stellte z.B. ein „V wie Vendetta“ unter Beweis. Auch mit Watchmen wird entgegen mancher Erwartungen ein überraschend tiefgründiger und tragischer Film präsentiert. Für die Umsetzung dieses Spektakels zeigte sich auch kein geringer als Zack Synder verantwortlich. Mit einer bildgewaltigen und betörenden Einleitung lässt Snyder sein düsteres Opus beginnen. Geschickt entführt er den Zuschauer in die fiktiv verzerrten achtziger Jahre, in denen der kalte Krieg kurz vor der Eskalation steht. Die Menschen sehnen sich nach Superhelden und Befreiern, die sie aus ihrer Depression und Hoffnungslosigkeit führen können. Somit werden die Watchmen geboren, maskierte Recken die für Recht und Ordnung kämpfen um die Gesellschaft vor allem Unheil und Übel zu schützen. Von dieser Selbstbestimmung getrieben werden sie allerdings zunehmend zu Instrumenten der Regierung, die sich zu immer schmutzigeren Handeln hinreißen lassen. Sie werden Spielbälle in einer unkontrollierbaren Materie, in der selbst Superhelden die Zügel verlieren. Die Erkenntnis, dass die Bestie Krieg ein von Menschenhand gezüchteter Dämon ist, der in unserer Welt einen essenziellen und unabdingbaren Mechanismus des Fortlebens darstellt, kränkt die Protagonisten zunehmend. Der Comedian darf der erste Superheld sein, den die bittere Realität einholt. An dieser Stelle kristallisiert der Film heraus, dass sein Namen auch aus metaphysischen Gründen gewählt wurde, da der Charakter das Leben als einen einzigen Witz bezeichnet.
Diese weitestgehend nihilistische Einstellung wird von Herrn Synder konsequent bis zum Schluss beibehalten. Die Charaktere werden durch die narrative Inszenierung gut durchleuchtet und ihre Beweggründe sind stets nachvollziehbar. Dadurch erreicht der Plot ein angenehm hohes Niveau. Um der Geschichte weitere Komplexität zu verleihen, arbeitet der Film häufiger mit Rückblenden. So erfährt der Zuschauer z.B. das Dr. Manhatten einst ein ganz normaler Mensch gewesen ist, der durch einen schrecklichen Laborunfall in Materie zerlegt wurde und fortan durch seine blaue Ausstrahlung mehr einer Erscheinung ähnelt. Während der Comedian in seinen letzten Stunden vor seinem Mord so etwas wie Reue empfindet, entfernt sich Dr. Manhatten zunehmend aus diesem von iterativen Mechanismen geprägten Kosmos. Aus seiner Sicht scheint die Zeit der Menschheit unaufhaltsam wie ein Uhrwerk abzulaufen. Ironischer Weise wird dies auch noch bildlich an einer Papp- Uhr demonstriert, wo der Zeiger auf fünf vor Mitternacht gestellt wird um die bedrohliche Lage einer möglichen nuklearen Apokalypse zu visualisieren.
Man bemerkt schnell, dass der Filme viele Facetten zu bieten hat. Auf übliche Schwarz-Weiß Charakterzeichnungen wird erfreulicherweise komplett verzichtet. Vielmehr bekommt der Zuschauer lasterbehaftete und brutale Protagonisten/Antagonisten vorgeführt. So läuft z.B. Rorschach keinen Idealen hinterher, sondern sucht lediglich nach der Wahrheit.
Der letzte Kniff entpuppt sich auch als reichlich reflektiert und rundet die Sache auf angenehme Art und Weise ab.
Bei einer Comicverfilmung hoffen die meisten natürlich auch auf gut gemachte Effekte und auch hier siedelt sich Watchmen ganz oben ein. Neben extremen Zeitlupenaufnahmen darf man auch einige sehr gut gemachte CGI-Effekte bestaunen.
Auch was die Action angeht wurde eine saubere Arbeit abgeliefert. Die Kampfszenen sind allesamt sehr gut choreographiert und wirken wie aus einem Guss. Lediglich die Gewalt dürfte die ein oder andere zartbesaitete Natur abschrecken.
Fazit: Mit Watchmen schuf Zack Synder erneut eine düstere Comicverfilmung, die sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Die Geschichte ist erstaunlich tiefgründig und regt den geneigten Zuschauer zum Nachdenken an. Die Bilder wechseln von hypnotisierend schön bis hin zu dreckig brutal. Mit einer guten Länge von 163 Minuten ist Watchmen sicherlich kein Häppchen für zwischendurch. Vielmehr sollte man sich, am besten in Gesellschaft, mit voller Aufmerksamkeit in die düstere Parallelwelt entführen lassen. Stoff zum diskutieren gibt es dann anschließend allemal.