|
 |

Ansicht eines Reviews
Mein Schatz, unsere Familie und ich. (2008)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 24.12.2010, seitdem 296 Mal gelesen
„Mein Schatz, unsere Familie und ich“ – der deutsche Titel lehnt sich an den Kassenschlager „Meine Braut, ihr Vater und ich“ an, ein Versuch das mäßige Filmchen aufzuwerten.
Im Original heißt der Film „Four Christmases“, dabei wollen Brad (Vince Vaughn) und Kate (Reese Witherspoon) nichts weniger als Weihnachten feiern. Familienfeiern lehnen sie ebenso ab wie Familiegründung und Heirat. Sie sind seit Jahren zusammen, aber nicht verheiratet, während es den Kollegen vor den Familienfeiern graut hauen sie in den Sommerurlaub ab und behaupten sie würden gemeinnützige Arbeit leisten. Mit großer Freude wird auf dem traditionell-bürgerlichen Fest rumgetrampelt, da darf der Zyniker noch lachen – aber damit hat es sich bald.
Natürlich sehen die Eltern der beiden, allesamt geschieden (und ein Grund, warum Brad und Kate nicht an die Ehe glauben), also muss man vier Pflichtbesuche bei den Elternteilen abservieren: Brads Vater und Brüder sind raufsüchtige Proleten, Kates Mutter und weibliche Verwandtschaft ein religiös-fanatischer und mannstoller Haufen, Brads Mutter eine Ökotante, die mittlerweile den besten Freund ihres Sohnes geheiratet, doch mit Kates Papa nebst neuer Frau gibt es dann die obligatorische heile Familie zum Schluss…
Heissa, was ein Ensemble, auch in den Nebenrollen: Mit Robert Duvall, Sissy Spacek, Mary Steenburgen und Jon Voight sind da vier alteingesessene Hochkaräter in den Elternrollen am Start, die auch hier ihr Können zeigen. Vince Vaughn ist eine solide Bank, war aber schon überzeugender unterwegs, während sich Witherspoon hier als Blondie vom Dienst deutlich unter Wert verkauft. Vaughns Buddys Jon Favreau als Raufboldbruder ist okay, muss sich aber auch vor allem mit den immergleichen „Auf die Fresse“-Gags abgeben.
Nach dem ganz amüsanten Auftakt lässt das weihnachtliche Spießrutenfeiern immer mehr nach, da nahezu jede Familie für genau eine Pointe gut ist, die man in zigfacher Ausführung präsentiert bekommt: Brad bekommt von der Testosteronverwandtschaft ordentlich eingeschenkt, ehe er selbst (versehentlich) destruktives Potential entfaltet – aber immerhin, das ist noch ganz gut getimet. In Cougarville bei Muttern sind die Gags über mannstolle Frauen schon ne Nummer flacher, aber immerhin: Die Einlage, in der Kate kleine Kinder in der Hüpfburg verprügelt, die hat noch echt Schmackes.
Von Familie zu Familie werden die Besuche kürzer, was wohl an der zunehmenden Einfallslosigkeit der Autoren liegt. Die Gags mit dem ehemals besten Kumpel, der die üblichen Schwiegervatersprüche Brad gegenüber bringt, die nutzen sich rasend schnell ab, und im heilen Heim am Ende, da wird kaum gewitzelt, denn über intakte Familien, da lästert man nicht – denn trotz gelegentlicher Anarchomomente singt auch „Four Christmases“ das Hohelied auf die Family, auch wenn kurze Zwistigkeiten das Paar zu entzweien drohen.
Doch dann kommt das dicke Ende mit Babyglück und intaktem Paar, die Hochzeitsglocken kann man schon vor dem inneren Ohr hören – auch wenn ein bemühter Gag versucht eine Brücke zum Auftakt zu schlagen. Doch dessen Spritzigkeit hat „Four Christmases“ schon längst verloren, ist eine der vielen stromlinienförmigen Weihnachtskomödien geworden – und noch nicht einmal eine der herausragend witzigen.
So wird man halbwegs passabel unterhalten, vor allem in der ersten Hälfte des Films, doch wirklich denkwürdige Gags hat „Four Christmases“ nicht zu bieten, auch wenn der Humor dann verhindert, dass der Film vollkommen zum biederen Rührstück verkommt. Wer wirkliche Anarchoweihnachten im Komödienbereich will, der schaut aber lieber noch mal „Gremlins“, „Kevin allein zu Haus“ oder „Bad Santa“.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von McClane
Zurück
 |
 |
|