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Ip Man (2008)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 22.08.2009, seitdem 2156 Mal gelesen


Es ist mal wieder Volksheldenzeit im chinesischen Kino, aber ausnahmsweise mal nicht mit Jet Li, sondern Donnie Yen in der Hauptrolle.
Titelfigur ist der legendäre Win Chun Trainer Ip Man (Donnie Yen), zu dessen Schülern unter anderem Bruce Lee gehörte. In der Provinz Fo Shan verteidigt Ip seinen Ruf als Kampfkunstmeister, wenn gefordert, eröffnet aber keine Schule. Dabei kommt es dann zur üblichen Verklärung des Helden, denn der mag als Papa gelegentlich etwas versagen, ist aber sonst so großmütig, herzensgut und edel, dass es an sich zu schön ist, um wahr zu sein, aber das kennt man von den Kampfkunst-Biopics ja mittlerweile.
Zu Zeiten der Besetzung Chinas durch Japan verliert Ip jedoch Haus und Hof, was er mit Würde trägt. Doch als Hunger und Armut zu stark werden, macht er sich daran seine Fähigkeiten zum Brot- bzw. Reiserwerb einzusetzen...

„Ip Man“ lässt sich am ehesten mit Jet Lis „Fearless“ vergleichen, denn in vielen Punkten ähneln sich die halb historischen, halb mythologisch verbrämten Biopics zum Thema Kampfsport. In beiden Fällen ist die Geschichte nicht die eines zackig erzählten Reißers, viel mehr wird anhand verschiedenster Situationen der Aufstieg der Hauptfigur vom überragenden Kämpfer zum Helden erzählt. In „Ip Man“ gibt es verschiedene rote Fäden, welche die Handlung leiten, darunter die immer wieder auftauchenden Krawallmacher aus der Provinz, die Herausforderungen der Japaner und das Verhältnis Ips zu seinem Sohn, den er gelegentlich zu vernachlässigen droht, doch erzählt wird das Ganze mit ruhiger Kraft. Und trotz des eher gemächlichen Tempos weiß „Ip Man“ in seinen Bann zu ziehen und lässt keine Langeweile aufkommen.
Inwieweit das Ganze jetzt Aufschluss über die Person des realen Ip Man gibt, das darf bezweifelt werden, auch die antijapanische Haltung in dem Film ist immer noch recht stark ausgeprägt, wenngleich nicht ganz so rassistisch wie zu den Zeiten von „Fist of Fury“ mit Bruce Lee. Doch solche Kleinigkeiten vergisst man gern mit Blick auf die tolle Ausstattung und einige magische Momente. Besonders einprägsam die Szene, in der Ips Sohn mit seinem Dreirad hereinkommt und eine Nachricht überbringt, während sein Vater gerade ein Duell hat: Wie bei einem Mexican Standoff Marke John Woo und Co. stehen sich die Kontrahenten gegenüber, während der Junge vorbeiradelt und sein Sätzchen sagt.

Wie nicht anders zu erwarten sind die Kampfszenen mal wieder die Highlights des Films. Es gibt sie in ausreichender Zahl und gut über den Film verteilt sind sie auch, Choreographie und Inszenierung sind mal wieder auf höchstem Niveau. Dabei achten die Macher auch darauf typische Wing Chun Bewegungen wie Kettenfauststöße einzubauen und nicht einfach nur danach zu gehen, was möglichst spektakulär aussieht, der gelegentliche Einsatz von Wirework stört auch nicht. Meist handelt es sich bei dem Kämpfen um Duelle, an einer Stelle tritt Ip allerdings gegen zehn japanische Kämpfer gleichzeitig an.
Donnie Yen, der leider nie ganz die Popularität seiner Kollegen Jet Li und Jackie Chan erreichte, ist mal wieder eine Bank und spielt die Titelrolle mit minimalistischer Mimik, die trotzdem überraschend viel aussagt. Sein Ip Man ist zurückgenommen und höflich, solange bis er sich nicht mehr zurückhalten kann und meist werden diese emotionalen Ausbrüche gefolgt von Aggression. Die Nebendarsteller, darunter auch Simon Yam, sind da beinahe bloß Stichwortgeber, doch sie machen das Beste aus ihren Rollen.

„Ip Man“ mag dem Genre des Kampfkunst-Biopics nicht viel hinzuzufügen zu haben und erzählerisch nicht der zackigste Film sein, doch ein fesselnder Film ist dem Team um Regisseur Wilson Yip, Choreograph Sammo Hung und Hauptdarsteller Donnie Yen gelungen, denn der Film ist durchweg packend, die Kampfszenen äußerst gelungen. Kann sich definitiv mit „Fearless“ messen.


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