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Gran Torino (2008)

Eine Kritik von Der Video-Opa (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 03.09.2009, seitdem 476 Mal gelesen


Nach den letzten Filmen von Eastwood (Million Dollar Baby und die beiden japanischen Geschichten) war ich sehr zurückhaltend, diesen Film zu gucken. Ich laufe nicht so gern blindlings in einen Heulfilm. Und das war schließlich abzusehen...

Ich bin allerdings sehr froh, mich doch dazu entschlossen zu haben... wie bei all den anderen Heulfilmen auch.

Zuerst Mal, der Schauspieler Clint Eastwood schafft es, den Zuschauer innerhalb weniger Minuten einzuwickeln. Dazu setzt er nur sein grimmigstes Gesicht auf und knurrt. Es ist ein leichtes, ein ironisches Knurren. Und so kann man nicht anders, als bei der Beerdigungszeremonie seiner Frau zu schmunzeln und viel Sympathie für diesen knurrenden alten Sturkopf zu entwickeln.

Im Laufe des Films lernt man einen harten Kerl kennen, der von seiner Familie völlig unverstanden bleibt, sich aber gegenüber der fremden Kultur seiner Nachbarn öffnet und sich dort sogar galant und hilfsbereit zeigt. Mit der folgenden Darstellung dieser Kultur wird im Gegensatz auch die eigene amerikanische Kultur porträtiert, was der Story auf hohem Niveau einen kritischen Anstrich gibt.

Natürlich sind es die menschlichen Beziehungen, die im Vordergrund stehen. In der Genauigkeit, Geduld und Liebe zu seinen Figuren fällt mir eigentlich nur Robert Altmann ein, der mit nur einem Dialog zwischen zwei oder drei Personen in einem Waschsalon oder einem Kellerraum so viele Beklemmung und Nähe erzeugen konnte. Ich wünschte, es gäbe mehr Regisseure, die mit 80 Jahren noch Filme drehen...

Nicht ganz zufrieden bin ich mit dem Kameramann. Die Überblendungen wirken unnötig und einige Kamerawinkel sind stümperhaft. Das Production Design hätte man aufwendiger machen können, selbst wenn es in den Slums einer Großstadt spielt. Aber all das spielt natürlich keine Rolle für die Story und Dramatik.

Finanziell überaus erfolgreich, ein 80-jähriger als Action-Hero, ein Heulfilm für Männer, ein Rache-Streifen. Dazu Themen wie Familie, Kriegs-Veteranen, Priester, Kultur-Zusammenprall und Gangs. Und nicht zuletzt die Liebe zu Autos als Sinnbild für Tradition und Vernunft. Ein wertvoller Streifen, ein nachdenklicher Film.


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