Rudolf Thome gehört zu den Regisseuren, denen man kaum eine Linie in Sachen Zuschauermeinung nachsagen kann. Für die einen ist er ein Trashregisseur, der mit Filmen wie "Rote Sonne" Trashgeschichte geschrieben hat, für andere ist er schlichtweg ein genialer Macher und "Rote Sonne" ist kein Trashmeisterwerk, sondern wirklich ein Meisterwerk. Ohne Frage ein Mann, dessen Filme durchaus nicht einmal die Befürworter vereint, da die Ansichten selbst unter ihnen mitunter verschiedener nicht sein können. Ich persönlich muss jedoch gestehen, noch nie etwas von ihm gesehen zu haben und mit "Pink" sollte ich nun zum ersten Mal in die Gedankenwinkel Thomes und seiner Art Filme zu machen, eintauchen. Kurzum, es war eine schlechte Entscheidung, denn "Pink" ist mit Abstand der mistigste deutsche Film seit langem.
Die Geschichte selbst könnte aus einer Seifenoper entsprungen sein. Es geht um eine erfolgreiche Punk-Gedichteautorin, mit dem Künstlernamen "Pink", welche sich Ihre Fans schon einmal mit der Waffe vom Leib hält, doch im wahren Leben gleich drei Verehrer hat, die sie auch allesamt liebt. Nun will sie endlich heiraten und entscheidet sich für Kandidat Nr. 1. Doch die Ehe ist schon nach 3 Monaten zerbrochen, so dass sie flux Nr. 2 heiratet, der sie dann mit Prostituierten betrügt. Also bleibt nur noch Kandidat Nr. 3 übrig. Wird sie mit ihm nun glücklich werden?... So fürchterlich und Klischeehaft wie sich das Ganze jetzt in dieser Kurzinhaltsangabe anhört, ist das Treiben auch. Vorhersehbar, schwülstig, unlogisch und nur so vollgestopft mit einer dummen Idee an der Anderen, spielt sich der 90 minütige Film nur so vor einem ab und man weiß erst einmal gar nicht, was man davon halten soll. Innovationen, ein sinnvolles und glaubwürdiges Benehmen der Figuren oder gar so etwas wie Anspruch sind hier Fehlanzeige. Die schlechteste Seifenoper ist gegen diesen Stumpfsinn von Handlung noch Oscarwürdig.
Vor allem die Dialoge lassen einen die Haare zu Berge stehen. Da wird der Standesbeamte bei der Scheidung sofort gefragt, wann man denn wieder heiraten darf, es werden Gedichte vorgetragen, in denen von Handys die ins Wasser gefallen sind erzählt wird oder man sülzt sich mit diesem oder jenen Liebesgemauschel nur so voll, ohne dass man auch nur im Ansatz das Gefühl hat, dass der Dialogspartner jetzt wirklich verstanden hat, was die gerade sprechende Figur eigentlich von ihm will. Man wird mit selbst erfundenen Songs grausam gequält und wenn der Liebste sagt, dass Madam ja nicht von der Leiter fallen soll, dann fällt sie Sekunden später natürlich wie selbstverständlich von eben jener, ohne sich dabei aber wirklich etwas zu tun. Wenn es alles nicht so entsetzlich schlecht inszeniert, das gesprochene Wort nicht so grausam bekloppt unterirdisch und die Handlung wenigstens ein Eckchen unterhaltsam wäre, dann könnte man wenigstens noch dreckig darüber lachen, was, zugegeben, so mancher auch kann. Doch da das Ganze zudem auch noch höllisch langweilig geraten ist, ärgert man sich einfach nur über jede weitere kostbare Minute Zeit, die man hiermit verschwendet.
Nun kann man natürlich gerne behaupten, dass Thome das doch alles so geplant hat, weil man ein derart unterirdisches Werk nicht einfach so "ausversehen" herstellen kann. Thome würde quasi den konventionellen Zuschauern ins Gesicht spucken wollen, in dem er seinen Film derart weit entfernt von allem inszeniert, was man normalerweise auch nur im geringsten als "gut" bezeichnen würde, so das dieser sich einfach nur wundern muss, wie man so ein übles Machwerk eigentlich auf die denkende Bevölkerung loslassen kann. Er wollte einfach das komplette Gegenteil von "Mainstream" machen und das erreicht er am besten, in dem er eben alles genauso inszeniert, wie man es im Kinosessel eigentlich nicht haben will und er somit die Satire erschafft, die nur ganz wenige begreifen. Doch so wünschenswert so ein Ansatz, vor allem unter Freunden des gepflegten Programmkinos, auch sein mag, so stellt sich dennoch die Frage, warum man ihm das im Endeffekt durchgehen lassen soll, wenn jeder andere Regisseur dafür von den Kritikern erschlagen und geächtet wird. Denn ein mieser Film ist nun einmal ein mieser Film, egal ob der Regisseur dies so gewollt hat oder nicht. Ob das Werk mit Absicht so schlecht geworden ist oder weil doch einfach aufs falsche Pferd vor und hinter der Kamera gesetzt wurde. Satire und Anti-Mainstream-Kino durch das Gegenteil vom Üblichen zu erschaffen und dabei jedweden Wert umzukehren, auch die (wenigen?) Werte, die bei einer konventionell gedrehten Sache durchaus vom Vorteil sind, mag zwar ein interessanter Ansatz sein, doch "Pink" zeigt leider allzu deutlich, dass dies auch gründlich in die Hose gehen kann. Zumal auch die Darsteller hier auch ihr übliches dazu tun.
Fazit: Kann sein, dass Rudolf Thome ein begnadeter Regisseur ist, "Pink" ist auf alle Fälle der gänzlich falsche Anfangsfilm, um sich mit den Werken des Machers auseinander zu setzen. Ein grauenhaft, seifiges Drehbuch, welches vor Stümperhaftigkeit nur so trieft, grausam tiefgestapelte Dialoge, einer Handlung zum davonlaufen und Charakteren der Marke "gehts noch", ergeben 90 Minuten "Filmunterhaltung" der Marke "Das kann doch nicht ernst gemeint sein". Mag sein, dass Thome das alles mit Absicht so schlecht inszeniert hat, dass er damit dem nach konventionellen Inhalten suchenden Zuschauer in die Suppe pissen will und das das komplette Gegenteil eines nach üblichen Mustern erstellten Films gleich eine Satire ergibt, für mich ist diese Art von Zuschauerverarsche wie "Pink" sie ist, deutlich misslungen. Da ist mir z. Bsp. Jessica Hausners "Hotel", der sich auch gegen jede Art von konventionellem Kino sträubt, deutlich lieber! So werden Thome und ich jedenfalls keine Freunde!
Wertung: 1/10 Punkte