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Lost and Delirious (2001)

Eine Kritik von Achanjati (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 07.03.2006, seitdem 573 Mal gelesen


Das Mädchen Mary wird, nachdem ihre Mutter verstorben und ihr Vater unter die Gewalt ihrer Stiefmutter gefallen ist, in ein Mädcheninternat verbracht, das seltsamerweise nur zwei Lehrer hat: Die Schuldirektorin und ihre Freundin, die gleichzeitig Mathematik unterrichtet. Und einen Gärtner indianischer Abstammung.
Hier lernt Mary die Mädchen Paulie und Tori kennen. Diese beiden, denen Mary übrigens als Zimmergenossin zugeordnet wird, sind ineinander verliebt und leben das auch in aller Heimlichkeit aus. Leider werden sie eines morgens zusammen im Bett erwischt und Tori, deren kleinere Schwester und Eltern aufklärungsmäßig sehr zurückgeblieben sind, sieht sich gezwungen, mit Paulie zu brechen und ein Verhältnis mit einem pubertären Slimoschlabberhosenboy zu beginnen, um ihre Heterosexualität unter Beweis zu stellen

Die ersten vierzig Minuten sind geprägt von feministisch angehauchter und emotionell überhöhter Lebensleichtigkeit und werfen die Frage auf, was das denn alles soll. Kleinemädcheninternatsleben, wie man sich das so vorstellt, mit bloß zwei Lehrerinnen und einem Gärtner, einer Mensa und irgendwelchen Typen, die auf die Bubenschule nebenan gehen und immer mal mit dem Radel vorbeikommen oder durch das Wäldlein joggen und auf die Weibchen scharf sind. Dazu ein zahmer verletzer Wildvogel, ein „Raptor“, der sich natürlich nur von der Kampflesbe anfassen und pflegen läßt. Muß das wirklich sein, fragt man sich da, und braucht ein kanadisches Publikum, das in puncto Gleichstellung bekanntermaßen einen großen, weiten und tiefen Ozean weiter ist als wir, noch solchen billigen Emanzipationsbrei?
Tja, aber dann kommt es mit Wucht. Und das gar nicht mal zu knapp. Und plötzlich versteht man auch, warum Paulie anfangs so übertrieben gezeichnet werden mußte, denn nur so entsteht der Eindruck von Kontinuität bei dieser Figur. Die Bilder sind sehr schön, sind geprägt von schwerer Sommerlichkeit, der Macht der Gefühle und den nahezu unbegrenzt scheinenden Möglichkeiten der Jugend.
Die Szenen, in denen die Liebe der beiden Mädchen körperlich gelebt wird, sind sehr erotisch photographiert und vermitteln eine Vollendung des Gefühlslebens der beiden in einer Art, die einfach nur schön ist.
Klangeffekte sowie das Mittel des Schweigens sind exzellent eingesetzt.
Bewegend.


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