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Der hauptsächlich als Art Director und Production Designer tätige Eugène Lourié meldet sich rund fünf Jahre nachdem er mit Dinosaurier in New York am Startschuß der Monstermania teilgenommen hatte mit einem Quasi-Remake seines Kultfilms zurück. Geplant hatte er das so nicht. Zwar schwebte ihm für sein Konzept erneut ein nuklearer Hintergrund vor, erst die Geldgeber bewegten ihn jedoch dazu, ein bedrohliches Ungetüm in sein Drehbuch einzufügen, welches sie für besser vermarktbar befanden. Mit dem Ungeheuer von Lock Ness hat The Giant Behemoth jedoch rein gar nichts zu tun, weshalb ich mich im Folgenden des Originaltitels bedienen werde.
Nach einem Atompilz lauschen wir Gesprächen über Radioaktivität. In Cornwall erliegt unterdess ein Fischer einer noch mysteriösen Bedrohung, die er im Sterben mit der biblischen Kreatur des Behemoth umschreibt, bevor er auf ewig schweigt. Tote Fische werden zu Tausenden an den Strand gespült. Ein Lappen - Requisit für verstrahlte Schwabbelmasse - erzeugt Verbrennungen, die den Folgen von Hiroshima ähneln.
Unterschiedlich besorgt untersuchen Wissenschaftler die Vorfälle. Als ein Fisch im Dunkeln leuchtet ist die Erkenntnis nicht mehr weit.

Viele Filme haben schon aus Budgetgründen ihre Handlung gestreckt und den Auftritt des Monsters möglichst weit nach hinten verlegt. Hier kommt es der Geschichte zu Gute, daß dieses gar nicht eingeplant war. Mit dem Hauch eines englischen Mystery-Streifens gelingt es Lourié z.B. einen Jungen von der Kreatur toasten zu lassen, ohne dieses je zu zeigen. Hierbei legt er einfach eine drehende Spirale über das Bild des schreienden Opfers und nutzt die vorrübergehende Unschärfe, um geschickt zu einer verkohlten Leiche zu schneiden.
Auch wenn die Figuren oftmals über Nebensächlichkeiten plaudern, genügt das hier schon fast wie eine mysteriöse Detektivgeschichte umgesetzte Sujet doch, um The Giant Behemoth spannend zu gestalten. Aus voller Inbrunst skandiert Louriés Script eine tiefe Abneigung gegen die Nukleartechnik und unbedarfte Atomversuche, die trotz so vielfältig in der Science-Fiction behandelten Ängsten und möglichen Folgen nicht eingegrenzt wurden. Die Betonung von Hiroshima wirkt gar als tiefe Verneigung vor dem japanischen Godzilla, in dem die Bestürzung eines ganzen Volkes, in einem tatsächlich betroffenen Land, zum Ausdruck gebracht wurde. Man mag an einen cineastischen Dialog glauben, stützte sich der asiatische Saurier doch seinerseits auf Eugène Louriés Regiedebüt.

Wer auf den Auftritt der hier so sinnbildlich-religiösen Rachekreatur als Strafe für das menschliche Fehlverhalten wartet, muß dank der knapp bemessenen Spielzeit trotzdem nicht sehr lange ausharren. Für die Stop-Motion-Animationen wurde Willis H. O'Brien engagiert, der sich durch viele Rückschläge von oppulenten Effektorgien wie in seinem legendären King Kong und die weiße Frau verabschiedet und zuvor schon mit The Black Scorpion an einem Low Budget Film gearbeitet hatte. Zeit und Geld spielen allerdings für sein aufwendiges Verfahren eine große Rolle, so streikte bei den Aufnahmen zum Beispiel die Kiefermechanik des Paleosaurus und konnte nicht bewegt werden.
Die Animationsarbeit stammt in weiten Teilen von Pete Peterson, der seit Mighty Joe Young unter O'Brien arbeitet. Leider erreichte er nie die Qualität des ersten Schülers Ray Harryhausen, kann hier aber doch solide Arbeit vorweisen. Rein technisch ist die Miniaturarbeit in The Giant Behemoth wieder wesentlich überzeugender gelungen, als Männer in Gummianzügen, die durch eine Spielzeuglandschaft trappsen. Aufgrund der Umstände gibt es aber keine Spielereien und kaum nennenswerte Details. Zwar darf der Saurier auch in London für Verwüstung sorgen, jedoch wird jeder Auftritt strikt nach Liste abgehandelt, was zwar effektiv genug für die Geschichte zeigt, jedoch immer etwas kurzatmig erscheint.

Auf diese Art erzielt The Giant Behemoth aber auch eine erstaunliche Folge, auf die Roger Corman neidisch sein könnte. Obwohl thematisch eigentlich schon lange ausgelutscht ist der Film tatsächlich durchgängig so unterhaltsam, daß man am Ende gern mehr davon gesehen hätte. Diese Variante ist doch deutlich besser, als wenn man völlig außerhalb des eigenen Rahmens zu arbeiten versucht hätte. Mit dem treffend überspielten Paläontologen Dr. Sampson (Jack MacGowran) bleibt sogar eine kauzige Figur für längere Zeit in Erinnerung.
Wenn der Film schon nicht aufgrund der Prominenz für Interesse sorgt, so sollte der Genrefan diesen Genuß trotzdem nicht scheuen. In Erwartungshaltung an ein B-Movie wird man durch kurzweiliges Vergnügen entschädigt und das ist eine Qualität, die man bei weitem nicht jedem Monsterfilm dieser Dekade nachsagen kann.

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