Review

Dokumentarfilme verfolgen in der Regel zwei Ziele - einen möglichst hohen Informationsgehalt und eine Meinungsbildung. Beides lässt sich nicht trennen, denn durch Menge und Auswahl von Informationen kann man die Meinung des Betrachters entsprechend beeinflussen. Ein wichtiger Aspekt gewann besonders in den letzten Jahren, in denen Dokumentarfilme vermehrt in die Kinos gelangten, an Bedeutung - der Unterhaltungswert. Wenn sich nicht genügend Betrachter für ein Thema interessieren, was nützt dann die überzeugendste Dokumentation ?

"Willi und die Wunder dieser Welt" hat es in diesem Zusammenhang einfach und schwer zugleich. Sein Thema scheint wertfrei über den Dingen zu schweben und dürfte letztlich Jeden interessieren, aber Willi Weitzel, bekannt aus der Kindersendung "Willi will's wissen" ,wendet sich gezielt an ein sehr junges Publikum. Dadurch ergeben sich zwei wesentliche Anforderungen - zum Einen genügt es nicht, skurrile oder aussergewöhnliche Dinge einfach abzubilden und zu beschreiben, da Kinder, die die Welt gerade erst auch in ihrer unmittelbaren Umgebung entdecken, noch nicht über genügend Hintergrundwissen verfügen und zum Anderen bedarf es auch einer besonderen Spannungsgestaltung, um die Kinder über die angemessene Länge von knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten.

"Willi und die Wunder dieser Welt" macht es sich dabei nicht einfach und gleichzeitig vieles richtig. Das beginnt schon mit der Wahl der Ziele, die sich auf vier Regionen beschränkt, welche sich dazu noch deutlich voneinander unterscheiden. Willi bettet die gesamte Aktion in ein vertrautes Umfeld ein, indem er sich zuerst von Freunden und seinem Bruder verabschiedet, was den Eindruck einer großen Reise vermittelt. Besonders der Abschied am Grab seiner alten Freundin Frau Klinger, die er noch bei einem Gespräch vor ihrem Tod zeigt, bei dem er ihr versprach, Wüstensand aus der Sahara mitzubringen, ist in seinem natürlichen Umgang mit dem Alter und dem Tod wirklich beeindruckend und gibt dem Film die Richtung als Plädoyer für Toleranz und Neugierde vor.

Der Einstieg erfolgt aus kindlicher Sicht risikolos, indem er sich den Tieren im australischen Regenwald widmet, darunter Flughunden, Alligatoren und ungewöhnliche Ameisen, die ihre Nester hoch in den Bäumen bauen. Hier zeigt sich das erste Mal ein liebenswerter Trick, mit denen der Film in einer Art gespielter Doku bewusst für Kinder Spannung erzeugt. So bleibt der Jeep bei einer Flussdurchquerung stecken, was seine Insassen dazu zwingt, zu Fuß diesen zu verlassen, während die Alligatoren auf mögliche Opfer lauern. Der erwachsene Betrachter erkennt an der Kameraführung sofort, dass die Szene gestellt ist, aber für Kinder entsteht so eine Spannung, die zum einen fesselt, zum anderen durchaus auch mögliches Fehlverhalten in seiner solchen Umgebung verdeutlicht.

Ähnliches gilt für Willis Ausflug nach Tokio, wohin es ihn nach der Eisbärenstadt Churchill im nördlichen Kanada verschlägt. Dort konnte er trotz des spielerischen Umgangs als verkleideter Eisbär, aufzeigen, dass Menschen nicht nur liebevoll mit Tieren umgehen, besonders, wenn sie sich von diesen bedroht fühlen. In Tokio spielt er die Situation eines Touristen nach, der sein Portemonnaie verloren hat und sich in der am dichtesten bevölkerten Stadt der Welt allein zurecht finden muß. Für den Erwachsenen entbehrt das nicht einer gewissen Komik, da er ja ständig von einem Kamerateam begleitet wird, aber trotzdem kann gerade diese Episode auch für den älteren Betrachter einige neue Einblicke gewähren, ohne das Willi seine klare und nachvollziehbare Linie verliert.

Das ihn sein letztes Ziel in die Sahara führt, ist angesichts seines Versprechens an Frau Klinger nur logisch, aber auch hier gelingt es ihm, der Reise durch den Wüstensand neben eindrucksvollen Bildern auch die Möglichkeit von Gefahren abzuringen, indem er die Wassernot aufzeigt, die er selbst durch das ungeschickte Ausschütten einer Wasserflasche hervorruft. Auch wenn es natürlich klar ist, dass diese Gefahr niemals real bestand, ist es interessant zu sehen, wie komplex und nicht einfach nur Schönheit produzierend der Film die Welt beschreibt. Dabei kommt "Willi und die Wunder der Welt" in seiner lässigen Art jederzeit ohne Zeigefinger oder die Verbreitung von Botschaften aus.

Dass verdeutlicht sich noch in den letzten Bildern, denn als Willi nach Hause kommt und seine Freunde wieder begrüsst, endet der Film nicht einfach, sondern zeigt in kurzen Szenen des Nachspanns wie sich beeindruckende Erlebnisse auf den eigenen Alltag auswirken und ihn damit bereichern können. Ein Film, den man bedenkenlos empfehlen kann (8/10).

Details
Ähnliche Filme