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Kommt so langsam die Rückkehr zum Hounted-House-Motiv in moderner Form wie „Zimmer 1408“ oder auch „Mirrors“?
Nicht mehr altgediente Schlösser stehen im Vordergrund unheimlicher Begebenheiten, auch Krankenhäuser, Fabriken, Kaufhaus und wie hier, ein riesiger Hotel-Komplex sorgen für mehr oder minder angenehme Spukmotive.
Dass dabei nicht unbedingt Geistererscheinungen, verhexte Spiegel oder verfluchte Vorbesitzer eine Rolle spielen, ist in diesem Fall zwar überaus löblich, doch mit der Umkehr zum experimentellen Psycho-Thriller zerstört man eine Menge der zuvor sorgsam aufgebauten Atmosphäre.

Dabei schadet es dem Geschehen zunächst nicht, kleine Anleihen bekannter Gruselwerke wieder zu finden, wie „Shining“, „Psycho“, Stir of Echoes“ oder gar „Nightmare“, denn die Inszenierung ist stilsicher und wird mit einigen bekannten Mimen wie Mischa Barton in der Hauptrolle als Sam angereichert.
Diese wird als junge Abriss-Unternehmerin zu einem abgelegenen Hotel geschickt, welches bald gesprengt werden soll. Nur noch wenige Leute wohnen in dem vom exzentrischen Architekten Malestrazza errichteten Komplex, unter anderem die Besitzerin und ihr in sich gekehrter Sohn Jimmy, der etwas über eingemauerte Leichen im Hotel Bescheid zu wissen scheint…

Die langsame, aber nicht behäbige Herangehensweise sorgt vor allem im ersten Drittel für einen gelungenen Einstieg. Besonders lobend sind Kamera, Sounduntermalung und Mischa Barton zu erwähnen, deren Zusammenspiel etwas vertraut Unheimliches suggeriert, auch wenn Schockmomente komplett ausbleiben und sich das Unheil wesentlich subtiler durch zwischenmenschliche Momente ankündigt.
Spannend gestaltet sich, zunächst nur wenige Anhaltspunkte zu haben: Vor fünfzehn Jahren wurden hier einige Menschen eingemauert, der Täter offenbar nie gefunden und so ganz geheuer sind einem Besitzerin und Sohn, sowie eine alte Dame und ein gebrechlicher Dunkelhäutiger im Hotel nicht. Mittendrin die zwischen Unsicherheit und einem festen Vorhaben agierende Sam, die ihrer natürlichen Neugier nachgeht, um mehr über die Geschichte des Gebäudes und ihren Erschaffer zu erfahren.

Abgesehen von flüsternden Kinderstimmen und einem verstörendem Alptraum wird man nicht weiter mit übernatürlichen Elementen konfrontiert und so mündet die Frage darin, wer oder was hier vor Jahren ein Verbrechen beging und ob diese Person überhaupt noch unter den Lebenden verweilt.
Dabei scheint auch das Gebäude so manches Geheimnis zu hüten, wie Sam bei Erkundungen des Daches sowie der achten Etage feststellen muss. Verborgene Schächte und karge Flure sorgen zumindest bis zum Storybruch für eine stimmige Atmosphäre und leichte Gruselstimmung.

Merkwürdig erscheinen einem nur die mangelnden Interaktionen der wenigen Bewohner, die zudem kaum beunruhigt sind, wenn denn in nächster Zeit ihre Bleibe dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Andererseits unterstreicht dies den leicht surrealen Touch, welcher der Erzählung latent anhaftet, im letzten Drittel jedoch grotesken Zügen unterliegt.

Denn hier muss man sich, - gerade im Kontext der nicht übernatürlichen Erklärung, mit einigen Unwahrscheinlichkeiten und hanebüchenen Aspekten auseinandersetzen, die jeglicher logischen Grundlage entbehren und zu allem Überfluss einen wenig plausiblen Ausgang konstruieren.
Das alles wirkt gegen Ende wie eine andere Geschichte, die mit Vorangegangenem wenig gemein hat und vor allem die subtile Grundstimmung zerstört.
Es entsteht weniger der gewünschte Aha-Effekt, sondern eine „sich-am-Kopf-kratzende“ – Reaktion seitens des Betrachters.

Fürwahr ein interessanter Baustil des Hotels, welches von außen recht klobig wirkt, auf den zweiten Blick aber neugierig aufs Innere macht.
So ähnlich ergeht es dem Storyverlauf, nur umgekehrt: Während auf handwerklicher Ebene kaum etwas zu bemängeln ist, wandert die Geschichte von Suspense zu niederen Elementen des Thrillers, die am Ende kaum überzeugen können.
Oder anders: Der solide Einstieg kann sein Spannungspotential nicht weiter ausbauen und verkommt zu einem unglaubwürdig billigen Showdown.
Nicht uninteressant, aber unausgegoren.
5,5 von 10

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