„Taxi Driver im Fantasyland"
Ein abgehalfterter Taxifahrer aus Las Vegas hat plötzlich zwei Teenager auf dem Rücksitz, die mit einem dicken Dollarbündel wedeln und in die Wüste chauffiert werden wollen. Auf der Fahrt entpuppen sich die beiden als Außerirdische, die sowohl von einer schwer bewaffneten Armee einer geheimen Regierungsbehörde wie auch von einem Roboterähnlichem Attentäter von ihrem Heimatplaneten verfolgt werden. Der anfangs von seiner Fracht und deren „Problemen" wenig begeisterte Bruno entwickelt alsbald väterliche Beschützerinstinkte und setzt alles daran seine Fahrgäste zu ihrem konfiszierten Raumschiff zu bringen. Schließlich steht nichts weniger als die Rettung der Erde auf dem Spiel.
Das klingt nicht sonderlich originell und wie aus dem angestaubten Setzbaukasten für familientaugliche SciFi-Abenteuer zusammengeschustert? Schon beim Lesen des Plots stellt sich ein nicht gerade adrenalinhaltiges Deja-Vu Feeling ein? Das Ganze wirkt wie ein nur mühsam kaschiertes Remake des letzten Disney-Vehikles von Hauptdarsteller Dwayne „The Rock" Johnson?
Tja, fangen wir mit den schlechten Nachrichten an. All diese Vorwürfe treffen ins Schwarze. Die Jagd zum magischen Berg ist ein nettes Unterhaltungsfilmchen aus der in diesem Fall allzu routinierten Disney Erfolgsschmiede. Nicht weniger, aber auch ganz bestimmt nicht mehr. Nach dem letzten Erfolgsprodukt von Teilzeitmitarbeiter The Rock war es naheliegend eine lediglich leicht modifizierte Neuauflage auf den Markt zu werfen. Schon in Daddy ohne Plan harmonierte Dwayne Johnson prächtig mit seinen halbwüchsigen Costars und offenbarte dabei ungeahnte komödiantische Fähigkeiten. Also verpasste man kurzerhand dem studioeigenen 70er Jahre Hit Die Flucht zum Hexenberg einen zeitgemäßen Neuanstrich, verpflichtete erneut den Daddy ohne Plan-Regisseur Andy Fickman und vertraute ansonsten auf die bewährte Darstellerkonstellation.
Ein bisschen mehr Mühe bei der Entwicklung der Figuren und der wenig einfallsreichen Story hätte allerdings nicht geschadet. Johnsons Charakter wirkt zwar reißbrettartig, aber im Vergleich noch am Ausgefeiltesten entworfen. Der ehemalige Hobbyrennfahrer und Mafiachauffeur Jack Bruno ist nach etlichen Zusammenstößen mit dem Gesetz inzwischen geläutert und will sich seinen großen Traum, Steve McQueens grünen Mustang aus Bullit, auf ehrliche Art erfüllen. Brunos Fähigkeit es mit einer schwer bewaffneten Regierungsbehörde aufzunehmen wird damit zwar immer noch nicht sonderlich plausibel, aber zumindest hat man sich in diesem Punkt etwas Mühe gegeben. Beim übrigen Cast hat man solche Anstrengungen gleich gänzlich unterlassen. Weder die Ufo-Expertin Dr. Alex Friedman (Carla Gugino), noch der CIA-Experte für übersinnliche Phänomene Henry Burke (Ciarán Hinds) gehen über bloße Schablonen hinaus.
Ähnlich verhält es sich mit den Beziehungen untereinander. Wirken die Szenen zwischen Johnson und den beiden Kinderdarstellern noch recht flott geschrieben und mit allerlei Wortwitz sowie Situationskomik gewürzt, so durfte bei der angedeuteten Romanze zwischen Bruno und Dr. Friedman wohl auch mal der Drehbuchpraktikant ran. Auch der in der TV-Serie Rome als Caesar groß aufspielende Hinds wird vom dünnen Script weitestgehend im Stich gelassen und darf lediglich ein paar böse Blicke verteilen.
Bleiben eine Reihe ordentlicher Verfolgungsjagden, bei denen vor allem die erste auf einem verlassenen Highway sowohl tricktechnisch wie auch inszenatorisch ein echtes „Schmankerl" ist. Weniger gelungen sind die Spezialeffekte bei den klassischen SciFi-Szenen. Auch bei einem eher moderaten Budget von 50 Millionen Dollar muss das heute einfach besser gehen. Allerdings können die zahlreichen Actioneinlagen ganz gut von der papierdünnen Story ablenken und garantieren ein durchweg ordentliches Tempo.
Auch die sich durch den gesamten Film ziehenden humoristischen Seitenhiebe auf UFO-Wahn und SciFi-Nerds sorgen immer wieder für launige Unterhaltung. Gerade die Szenen auf einer Las Vegas UFO-Konvention liefern eine Reihe bös-witziger Einlagen. Zusammengehalten wird der Film schließlich aber in erster Linie von Dwayne „The Rock" Johnson. Der ehemalige Wrestlingstar ist einfach ein ungemein sympathischer Zeitgenosse, dessen selbstironische Distanz zu seinem Haudrauf-Image bereits in zahlreichen Komödien wunderbar funktioniert hat. So gesehen ist Die Jagd zum magischen Berg noch ein netter Familienspaß für den nachmittäglichen Kinobesuch geworden. Mehr sollte man allerdings tunlichst nicht erwarten. Magisch ist in diesem Film höchstens The Rock. Ein Besuch im Magic Kingdom der Filmfirma ist aber sicherlich unterhaltsamer.
(5,5/10 Punkten)