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Wie wärs mal wieder mit einem kleinen Thriller für zwischendurch? Einem Thriller, der kaum sonderlich bekannt geworden ist, im deutschen Kino gar nicht erst lief und auch in Amerika eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgeführt wurde. Einem Thriller, der hierzulande von einem regelrechten Dreckslabel veröffentlicht wird, welches bis dato noch nicht wirklich etwas Gutes auf den Markt gebracht hat, sondern eher zu recht übersehene Filme in meist scheußlicher Qualität ablieferte. Na, Lust auf so etwas? Wohl eher nicht. Jeodch sollte man sich die Sache bei "Across the Hall" vielleicht doch noch einmal überlegen. Denn obwohl die Vorzeichen alles andere als gut stehen, ist dieser kleine Thriller das Anschauen wert.

"Across the Hall" schafft es, trotz seiner begrenzten Mittel, zu überzeugen, was man schon am Storygrundgerüst merken kann. Da hätten wir ein verlobtes Pärchen. Der Kerl jedoch ruft eines Abends seinen besten Freund an, dass er seine Verlobte dabei gesehen hat, wie sie mit einem anderen Typen in einem Hotel eingecheckt hat. Betrunken und verzweifelt vor Eifersucht entschließt er sich die Beiden zu töten. Sein Kumpel gerät in Panik, denn zufällig ist er eben jener Mann, mit dem Madam das Schäferstündchen im Hotel verbringt. Erschwerend hinzu kommt, dass der Verlobte schon im Hotelzimmer gegenüber ist und nur darauf wartet, dass die Beiden das Zimmer verlassen. Was nun?... Und genau das fragt sich der Zuschauer durchgehend. Denn auch wenn es alles vielleicht etwas dünne ist, leicht an den Haaren herbeigezogen wirkt und sicher nicht jeder Kniff so gut versteckt wurde, dass er nicht vorher gesehen werden könnte, so ist das Konstrukt einfach gelungen genug, um den Zuschauer öfters an der Nase herum zu führen und ihn in Spannung baden zu lassen.

Clever dabei vor allem die Sache, dass Regisseur Alex Merkin das Geschehen nicht chronologisch ablaufen lässt, sondern die einzelnen Szenen so aufzeigt, wie es ihm gerade beliebt. Der Anfang beginnt gleich mit dem Aufeinanderstoßen der beiden Freunde, danach gibt es ein Häppchen Vorgeschichte und dann auch mal eine Szene, die irgendwo dazwischen spielt. Und doch schafft es der Zuschauer sich nicht vom Treiben unnötig überfordert zu fühlen. Denn ein sinnfreies Durcheinanderschütteln der Szenen ist nicht gegeben, sondern eher ein cleveres, aber lösbares Puzzle, dessen Teile hier und da aneinander gefügt werden, um am Ende zu einem knackigen Finale zu gelangen.

Zudem dreht Merkin auch wirklich unbändig an der Spannungsschraube und lässt kaum einen Moment zu, an dem sich der Zuschauer langweilen könnte. Auch wenn sich ab und an mal eine kleinere Länge einschleicht, wirklich langweilig wird es zu keinem Zeitpunkt. Dafür sorgt auch die knackige Atmosphäre, die der Film durch seine Bilder beim Zuschauer erzeugt. Das Hotel ist, obwohl es eigentlich den Anschein von Prunk zulässt, schön kahl ausgestattet und in ein derart fahles und düsteres Licht getaucht, dass es den Thrillerfreund nur zu gut fröstelt. Das ganze Geschehen spielt sich zudem auf wenig Raum ab, was auch einen gewissen klaustrophobisch en Effekt hat. Kurzum, auch in Sachen Atmosphäre macht der Thriller einiges richtig.

Und auch die Figuren, zusammen mit ihren Darstellern, gehen in Ordnung. Auch wenn man sich sicher fragen darf, ob so ein Treiben auch in der Realität möglich ist, austickende Liebhaber sind kein reines Hirngespinst der Filmemacher. Eine sehr beliebter Charakter ist er aber allemal. Und so stellt Danny Pino den Bösewicht auch wirklich mit Hingabe da, wenngleich man ihn ihm eher eine tickende Zeitbombe erwarten sollte, als einen tobenden Orkan. Dazu eine etwas zu brave Brittany Murphy und Mike Vogel als Seitensprung in Panik. Am besten ist jedoch Brad Greenquist als Page, der in die ganze Sache nur hingezogen wird und nun sehen muss, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Oder?

Fazit: Kleines, aber feines Thrillerfilmchen, für den kleinen Filmhunger für zwischendurch. Eine nette Story mit hübschen, kleinen Gemeinheiten, sowie die passende Atmosphäre, sorgen für ordentliches Spannungskino, das zwar nie irgendwelche sonderlichen Knaller oder Innovationen aufzuweisen hat, aber aufgrund seiner leicht vertrackten Erzählweise, sowie den passenden und gut dargestellten Charakteren, zu überzeugen weiß. Wer sich einfach mal wieder einen netten Thriller für zwischendurch in den Player legen will, macht jedenfalls nichts verkehrt, auch wenn das Ganze im Nachgang sicherlich niemanden überlange im Gedächtnis bleiben wird. Aber das muss ja auch nicht immer sein.

Wertung: 7/10 Punkte

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