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Todesmelodie (1971)

Eine Kritik von anno nym (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 02.08.2002, seitdem 1736 Mal gelesen


Die "Todesmelodie" ist der zweite Teil aus Leones Amerika-Trilogie und meiner Meinung nach der schwächste (was ihn aber noch lange nicht zu einem schwachen Film macht).
Die Handlung spielt zur Revolution in Mexiko um 1910, wo der Bandit Juan (Rod Steiger) den Sprengstoffexperten und Revolutionär Sean (James Coburn) trifft und versucht, ihn zu einem gemeinsamen Banküberfall zu überreden. Nach langem hin und her willigt dieser ein und sie überfallen mit Hilfe von vielen Revolutionären die Bank, inder sich aber kein Geld, sondern nur hunderte politische Gefangene befinden, die sie dadurch befreien. Von nun an wird Juan zum Held der Revolution und sie werden beide voll in sie hineingezogen und schließlich auch von ihr zerstört.
Es ist schwer, den Film in ein richtiges Genre einzuordnen. Die erste Stunde wirkt er eher wie eine zotige Komödie und erinnert stark an den zweiten und dritten Teil der Dollartrilogie. Zwei ungleiche Männer treffen zusammen, der eine laut, jähzornig und unüberlegt (Rod Steiger, der hier mit seiner Rolle sehr der von Eli Wallach in "Zwei glorreiche Halunken" gleicht), der ander unterkühlt, bedacht und überlegen (James Coburn als eine Mischung von Clint Eastwood und Lee van Cleef), und machen nach langen, witzigen Streiteren gemeinsame Sache. Bis zum Ende dieses ersten Teils des Films dürfte er auch viele Leute zum abschalten gebracht haben, da er bis auf die grandiose Regie eher wie ein herkömmliche Westernkomödie aussieht. Aber danach entfaltet er dann seine wahre Stärken: Er zeigt die Ungerechtigkeit von der Revolution (eigentlich von Revolutionen an sich), die Charaktere der einzelnen Leute und was sie von dieser halten und wie sie sie verändert. Juan, anfangs völlig antirevulutionär eingestellt, wird durch eine Verkettung von Zufällen und den Tod seiner Familie zu einem der größten Freiheitskämpfer in Mexiko, während z.B. der Anführer der Revolutionstruppen Dr. Villega durch Folter seine eigenen Leute verrät.
Der Film ist dabei eine Gratwanderung zwischen früheren Werken Leones, wie eben der eher optimistischen und unterhaltenden Dollar-Trilogie und "Spiel mir das Lied vom Tod" und dem tragischen, pessimistischen "Es war einmal in Amerika".
Im letzten Drittel des Filmes wohnt man schließlich endlosen Massenerschießungen durch die Armee bei, der auch einige bekannte Gesichter (vom Anfang des Films) zum Opfer fallen. Hier hat die Todesmelodie schließlich alle Komik verloren und wird zum tragischen Epos.
Morricones Musik ist wieder jeder Kritk erhaben, auch wenn er sich diesmal auf nur 2 Hauptthemen beschränkte (die sich beide auch noch sehr ähnlich sind).
Dem Schnitt der Film ist übrigens anzumerken, dass Leone hier anscheinend wieder viel Material weglassen musste, um mit einer in den Augen der Studios realistischen Laufzeit zu verbleiben. Dadurch wirkt der Film manchmal etwas holprig und scheinbar zusammenhangslos, was man aber verkraften kann (wozu gibts die eigene Fantasie?).
Insgesamt ist die Todesmelodie kein herkömmlicher Italo-Western, allein schon aufgrund der Tatsache, dass der Fortschritt hier schon lange Einzug gehalten hat und Coburns erster Auftritt nicht etwa auf einem Pferd, sondern auf einem Motorrad vonstatten geht.
In der letzten Einstellungen entfaltet der Film dann auch seine volle Tragik und macht das Ende so zu einem der pessimistischsten Leones:
Ein alleingelasser und fertiger Juan sieht traurig und einsam in die Kamera und fragt leise:
"Und ich?"
9/10


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