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Todesmelodie (1971)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 04.06.2003, seitdem 522 Mal gelesen


"Todesmelodie" ist der zweite Teil von Leones legendärer Amerika-Trilogie, gleichzeitig der unbekannteste und wohl auch der schwächste. Es ist mit Sicherheit ein guter Film, aber erreicht eben zu keinem Zeitpunkt die Klasse seines Vorgängers oder Nachfolgers.

Die Unausgewogenheit ist dabei das Hauptproblem. Die erste Stunde ist eher humorvoll, danach steigert sich der Ernst immer weiter bis zum extrem pessimistischen Schluss. Das ginge ja noch, aber der Zuschauer wird auf eine harte Probe gestellt, weil die Schauplätze und Situationen häufig unvermittelt wechseln und es somit zu fast keinem Zeitpunkt möglich ist, der Geschichte mit normaler Aufmerksamkeit zu folgen. Man muss schon höllisch aufpassen, um nicht den Faden zu verlieren, was zwischendurch fast zwangsweise passiert, so unsauber wie ein paar Szenenübergänge wirken. Nichts gegen eine anspruchsvolle Handlung, die man vielleicht nicht sofort erschließen kann, aber was einem hier zugemutet wird, halte ich für zu übertrieben. Möglicherweise ist das bloß erneut ein Resultat der Studioforderungen, die Laufzeit kurz zu halten, um somit mehr Zuschauer anzulocken. Im Nachhinein muss man kritisieren, dass einige Szenen, die einem mehr von der Story erklären und zum besseren Zurechtfinden helfen, einfach nötig gewesen wären.

Abgesehen von diesem großen Ärgernis ist "Todesmelodie" ein Top-Film, sozusagen ein moderner Western, in dem statt Pferde meistens schon motorisierte Fahrzeuge unterwegs sind. Auch Maschinengewehre und Pyrotechnik hielten Einzug, wodurch man viele schöne Actionszenen zu sehen bekommt. In keinem anderen Leone-Film explodiert soviel und das noch auf so zelebrierte, spektakuläre Weise. Ein willkommenes Eye-Candy zu den ansonsten traurigen Schießereien, die meistens Hinrichtungen sind. Für sensible Gemüter ist der Film wahrlich nicht geeignet, neben detaillierten Einschusslöchern schockiert vor allem das kaltblütige Vorgehen des Militärs.

Zu Herzen geht das Schicksal des revolutionären Kleinvolks, dessen ganzes Dilemma gleich zu Beginn deutlich wird, als reiche Schnösel abfällig über die Armen reden. Die visuelle Inszenierung zeigt hierbei einmal wieder das Genie Leones, der an dieser Stelle mit Nahaufnahmen und schnellen Schnitten zaubert, dabei erneut von Morricones Musik profitiert, die abwechselnd locker-unbeschwert und melancholisch ist.

Wäre die Zusammenhänge nicht so schwer zu erschließen, "Todesmelodie" würde ohne Probleme zur Western-Elite gehören. So reicht es trotz gewaltiger Action, guten Schauspielern und einer grandios übermittelten Tragik nur zu einem "gut". Dennoch allein der Vollständigkeit halber zu empfehlen, denn die beiden anderen Teile der Amerika-Trilogie sind ohnehin Pflicht.


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