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Spiel mir das Lied vom Tod (1968)

Eine Kritik von Abakus (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 15.11.2004, seitdem 1263 Mal gelesen


+++Die saure Seele des wilden Westens+++
Kapitel 2, Kurzkommentar: Dieser Film stellt das Monument aller Western auf dieser Erde dar. Er verkörpert auf eine besondere Art und Weise die Seele des berühmten „Wilden Westens“, tiefsinnig, melodramatisch und mitreißend. Kein anderer Western hat auf den Zuschauer diese traurige und interessante Wirkung. Der Rhythmus dieses Films ist laut Sergio Leone darauf ausgelegt, die letzten Momente einer sterbenden Person kurz vor dem Tod nachzuempfinden. Diese beängstigende Stille und beklemmende Stimmung, die in der Luft liegen bekommt der Zuschauer hautnah zu spüren. Ein fantastischer Film, bei dem man mit jedem Darsteller bangt und ohne zu merken seine Atmung verändert. Ein Film, der einen mit hinein nimmt in eine untergehende Welt, die einer neuen weichen muss. Eine Welt, in der hartgesottene Männer, die wissen, dass sie auf der Verliererseite stehen nur noch das Spiel mit dem Tod genau kennen. Den Film muss man gesehen haben, danach lässt es einen nicht mehr los. Daher 10 von 10 Punkten.

Kapitel 1, Ausführlicher Kommentar: Im Jahre 1967 stellte Sergio Leone sein Konzept zu dem Mafia-Epos „Es war einmal in Amerika“ vor. Aber niemand wollte diesen Film. Die Menschen waren durch seine vorherigen Filme von seinen Western so begeistert, dass sie mehr davon wollten. Also fügte er sich den Wünschen der Leute und kam auf die Idee, einen Italowestern zu kreieren, der alles bisher da gewesene ehren, und seiner Western Serie ein für alle Mal ein krönendes Ende setzen sollte: „Es war einmal im Westen“. Das ist die Übersetzung des original italienischen Titels „C’era una volta il west“. Dieser Film sollte nicht nur an sich den letzten Leone-Western, sondern die Handlung sollte auch eine bedrückende Endgültigkeit darstellen. Das war Leone sehr wichtig. Um dies zum Ausdruck zu bringen wählte er ganz ernsthaft die Thematik des Todes. Der Tod eines Menschen musste so überzeugend sein, wie nie zuvor. Die Zuschauer sollten sich fühlen, als ob es ihnen gegen Ende des Films immer schlechter ginge und trauriger wurde. Das gelang ihm mit mehreren Effekten:
Kamera: Schon am Anfang des Werks ist zu bemerken, dass überwiegend langsame Dollyfahrten, langdauernde Panoramaaufnahmen und (zum Kontrast) nahe eindringliche Gesichtsgroßaufnahmen das Gerüst bilden. Dadurch entsteht eine Ruhe, die gegen jede Hektik Stand hält. Ein Mensch steht auf einer Seite des Bildes. Und der Rest wird beherrscht vom Hintergrund. Jedes Bild ist ein Gemälde. Ein fotografisches Zeugnis von Armut, Gewalt, Staub und Habsucht. Überwiegend vergilbte Brauntöne erzeugen in Einklang mit Unvollkommenheit und Schmutz eine schwermütige Atmosphäre.
Musik: Die Musik von Leones langjährigem Filmkollegen Ennio Morricone war auch schon in anderen Filmen beispiellos und prägte maßgeblich den Stil des Italowestern. In diesem Film ist jedes Musikstück voller Trauer und Selbstaufgabe, dass einem bei einigen Szenen die Tränen kommen können. Das verstörende Stück mit der Mundharmonika brennt sich ins Gedächtnis ein wie ein raues, glühendes Eisen. Jeder Ton ist ein Genuss, wenngleich er auch von einem sauren Apfel kommt. Doch der Zuschauer nimmt es hin. Melodien des Todes, die die getrübte Stimmung des Films weiter unterstützen.
Dialoge: Die Dialoge sind nicht zu Anspruchsvoll und äußerst kurz. Es gibt viele Szenen, in denen etwas passiert, aber zehn Minuten lang kein einziges Wort gesprochen wird. Das ist der schon vorher bekannte Stil von Sergio Leone. Mit dieser Art hat er den Italowestern berühmt gemacht. Wenig Sprache, aber dafür beeindruckende Bilder, die die Spannung aufbauen sollen. Dieses Konzept geht immer wieder auf – doch nur bei Leone. Sollte ein anderer Regisseur dies jemals versuchen, er würde kläglich scheitern. Es ist eine besondere Magie, die Leone in solche Szenen hineinsteckt, und die kein Mensch zu erkennen vermag. Es unterstreicht die Ruhe, die dieser Film ausstrahlt. Denn schließlich ging es Leone ja darum, dem Zuschauer das Gefühl des Sterbens zu vermitteln.
Schauspieler: Die Schauspieler hat Leone glänzend ausgewählt. Jeder einzelne von ihnen spielt seine Rolle, als würde er sie leben. Claudia Cardinale überzeugt als die wunderschöne Hure aus New Orleans, die ein neues Leben mit einem Mann (McBain) und Kindern in weiter Prärie beginnen will. Jason Robards brilliert stark als der entflohene Cheyenne, der sich gegen Mordvorwürfe zu verteidigen versucht und meist nur gutes im Schilde führt. Henry Fonda, der die Rolle des Bösen (Frank) erst gar nicht annehmen wollte ist in diesem Film der aalglatte Revolverheld, der sich am Ende überschätzt hat und am Ende selbst eine böse Überraschung erlebt. Zuletzt Charles Bronson, den Leone wegen seines undurchsichtigen und hinterhältigen Gesichtsausdrucks gecastet hatte. Er ist der unbekannte Mundharmonikaspieler, der immer zu rechten Zeit am rechten Ort zu sein scheint, um immer das richtige zu tun, was getan werden muss, sich aber niemand traut, zu tun. Er beschützt die Witwe McBain und bleibt nur solange in der Gegend, bis er die sich selbst gesetzte Aufgabe erfüllt hat. Nämlich sich an einem Mörder zu Rächen, ihn zu töten.
Wobei sich der Kreis mit dem Wort „töten“ schließt. Das ist das Hauptthema in diesem Film, der wohl unvergessen bleiben wird in den Köpfen wahrer Filmfreunde. Die Mutter aller Western wurde er einmal genannt. Und wahrlich, das ist er noch heute. Deswegen vergebe ich 10 von 10 Punkten.
Ende.


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