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Spiel mir das Lied vom Tod (1968)

Eine Kritik von 3hundert (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 01.09.2005, seitdem 782 Mal gelesen


Die Luft brennt, jeden Moment scheint etwas zu passieren. Noch ist es still, keiner spricht, im Sekündigen Rhytmus wird die Stille von einem quitschenden Windrad durchbrochen. In "High Noon" Manier gönnt sich die Kamera von Zeit zu Zeit einen Blick auf den Bahnsteig um sich dann wieder den 3 wartenden Revolverhelden zu widmen. In der Ferne hört man ein Geräusch, der Zug rollt heran und kommt beim Bahnsteig zum stehen. Als dieser wieder abfährt ertönt ein Instrument. Es ist eine Muntamonika, sein Spieler Charles Bronson. Er hat nur einen leeren Bahngleis zwischen sich und den 3 Unbekannten. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt und nach ein paar coolen Sprüchen, die sich die beiden Parteien zuwerfen, gibt es Urplötzlich einen Schusswechsel und Ennio Moriconnes Musik wird eingespielt.

Er hat es tatsächlich noch einmal getan. Sergio Leone, der Ungekrönte König des Western. Nach der Dollar Trilogie, die mit "Zwei glorreiche Halunken" abgeschlossen wurde und damit den besten Western aller Zeiten hervorgebracht hatte, wollte er sich eigentlich anderen Themen Widmen. Doch das Publikum wollte nur eins von ihm: Mehr Western. "Es war einmal in Amerika" durfte er erst Drehen, wenn er noch einen Western machen würde. Sergio Leone war in einer Art Zwickmühle und akzeptierte.

Doch "Spiel mir das Lied vom Tod" unterscheidet sich von seinen vorigen Werken - der Dollar Trilogie - in vielerlei Hinsicht. Klar, es gibt immer noch Ennio Morricones unglaublich Brillanten Score. Die Hauptakteure sind nach wie vor eher von Schweigsamer Natur und geizen nicht mit coolen Sprüchen. Doch hier bekommt man zum ersten Mal ein richtiges Drama im Wilden Westen von Leone geboten. In "Spiel mir das Lied vom Tod" sind zahlreiche Tribute und Hommagen an den Amerikanischen und Italienischen Western versteckt. Unzählige Anspielungen, Leone zeigt seine Liebe zu diesem Genre, bricht aber gleichzeitig viele seiner Regeln. Ein Post-Modernes Epos, dass erste seiner Art. Ebenfalls neu ist, dass eine Frau im Mittelpunkt der Geschichte steht.

Jill McBain (Claudia Cardinale) weis noch nichts von dem Schicksal, dass ihrem Geliebten und deren Familie zugestoßen ist, als sie am Bahnhof ankommt. Als sie an dessen Haus ankommt, wartet schon die ganze Verwandtschaft in schwarzer Trauerkleidung auf die Beisetzung der McBain Familie. Dabei hatte Jill doch ihr Stadtleben aufgegeben um mit ihrer Zukünftigen Familie auf dem Land zu leben.

In den kommenden gut 2 Stunden geht es um die Aufklärung des Mordes. Warum wurden die McBains umgebracht und von wem? Bei der Aufklärung dieses Rätsels schafft es Sergio Leone verschiedene Charaktere Meisterhaft zu einer Geschichte zu verbinden. Henry Fondas ersten Auftritt hat er als Mörder eines Kindes. Ein vollkommen Ungewohntes Bild vom damaligen "Good Guy" Hollywoods. Mit eiserner Brechstange will er anscheinend den Imagewechsel vollziehen und verkörpert Meisterhaft den skrupellosen Bösewicht Frank. Sein einziges Hilfsmittel sind dabei Hellblaue Kontaktlinsen die Fondas unglaublicher Inszenierung die Erforderliche Erbarmungslosigkeit mit auf den Weg gibt.

Franks Namenloser Gegenspieler wird wegen seines treuen Begleiters Harmonica genannt. Charles Bronson füllt die Rolle des Rachsüchtigen und Wortkargen Pilgers perfekt aus. Wegen seiner steinernen Mimik und der sparsamen Worte, die er meist für coole Sprüche einsetzt, wirkt er fast wie Clint Eastwoods alter Ego in "Zwei glorreiche Halunken". Wie gewohnt gibt es aber auch hier kein schwarz / weiß Denken. Es geht nicht einfach nur um Gut gegen Böse. Jeder Charakter hat hier seinen Makel und verfolgt eigentlich nur seine eigenen Ziele. Claudia Cardinale liefert neben den beiden Grandiosen Kontrahenten eine wahnsinnige Performance ab. Noch nie hat eine Frau so Erotisch auf der Leinwand gewirkt.

Sergio Leone perfektioniert das Zusammenspiel von Bild und Sound. Keiner kann einer Situation, die nur mit Geräuschen und Gesichtsausdrücken dargestellt wird, so viel Ausdruck verleihen wie er. Als er zum Beispiel ein Meeresrauschen beim Ableben des schwer gelähmten Eisenbahn Barons Morton einspielt, während dieser sich kriechend auf eine Schlammpfütze zu bewegt. Oder Charles Bronson auf seiner Mundharmonika spielen lässt und jeder weis, dass gleich etwas passieren wird. Jeder wird von dieser einzigartigen Atmosphäre gefangen und spätestens mit Ennio Morricones unvergleichbarer Musik bekommt man eine Gänsehaut.

“Spiel mir das Lied vom Tod“ ist mit “Zwei glorreiche Halunken“ das beste, was das Western Genre hergibt. Hier stimmt einfach alles. Neben der tollen Musik und der Einzigartigen Performance aller Schauspieler sind die Landschaftsaufnahmen und Kulissen ein absoluter Hingucker. Ein Audiovisuelles Meisterwerk. Die Detailversessennheit von Sergio Leone hat sich erneut Bezahlt gemacht. Ein Meilenstein der Filmgeschichte, der wieder mal Klischees vom alten Spiel Gut gegen Böse beseitigt und in jeder Sekunde Spannung und Unterhaltung auf dem höchsten Niveau bietet.


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