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Mann mit der Stahlkralle, Der (1977)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 22.03.2011, seitdem 487 Mal gelesen
Kurz nach „Taxi Driver“, dem epochalen Scorsesefilm, schrieb Drehbuchautor Paul Schrader eine weitere, nur unter Genrefans bekannte Selbstjustizfabel: „Rolling Thunder“.
Der von Nerds wie Quentin Tarantino abgefeierte B-Film, den man hierzulande „Der Mann mit der Stahlkralle“ taufte, erzählt die Geschichte von Kriegsheimkehrer Major Charles Rane (William Devane), der lange als POW in Vietnam im Loch saß und in sein beschauliches Heimatkaff am Arsch der Welt zurückkehrt. Die Ehefrau hat ihn für tot gehalten und will einen anderen heiraten, seinem Sohn ist er entfremdet, während ihn ironischerweise all die Stadtväter feiern, die nur seinen Namen und seine Geschichte kennen. Es gibt Ehrungen und ein Geldgeschenk, aber das Glück, das Rane bei seiner Heimkehr suchte, das ist futsch.
Ein paar Schmierlappen kriegen Wind vom geschenkten Reichtum, wollen Rane darum erleichtern und foltern ihn, doch er bleibt standhaft. Als diese jedoch seine Familie hinrichten und entkommen, schwört er blutige Rache…
Regisseur John Flynn kennt man eher für Actionkost wie „Lock Up“ und „Deadly Revenge“, Paul Schrader hingegen gilt als Filmintellektueller und eventuell sind da zwei Welten aufeinandergetroffen, vielleicht war Schraders Script aber auch wirklich so fahrig. Was als behäbiges Drama beginnt endet als blutiges Gemetzel und auch wenn „Rolling Thunder“ den Übergang vom einen zum anderen stufenweise vollziehen will, so wirkt das Ergebnis doch uneinheitlich: Schockierende Gewalteinlagen wechseln sich mit (pseudo)philosophischen Laberszenen und am Ende gucken sowohl die Action- als auch die Dramafans ein wenig in die Röhre.
Der Zielgruppe der Ballerenthusiasten wird sowieso eher wenig geboten, die meisten Schusswechsel sind zwar ausgesprochen hart und blutig, aber kurz und wenig ästhetisiert. Erst im Finale, in dem Rane dann mit Unterstützung seines Kumpels Johnny Vohden (Tommy Lee Jones) im wahrsten Sinne des Wortes für Ruhe im Puff sorgt, lässt dann kurz das Herz des Freundes der raueren Gangart höher schlagen, mit seiner Stilisierung, seiner Härte und dem Schauplatz Mexiko kann man sich wohlig an den guten alten Sam Peckinpah erinnert fühlen.
Der Weg dorthin ist eher handelsübliche Ermittlungsarbeit hinter der Grenze, wo natürlich ein erhöhtes Schmierlappenaufgebot zu verzeichnen ist. Schützenhilfe bekommt Rane von der Beauty Queen seiner Heimatstadt, die nicht nur als Love Interest taugen würde, sondern ihm auch so ergeben ist, dass ihre Beziehung schon etwas sadomasochistisches hat: Er nutzt sie schamlos für seine Ziele aus, sie begibt sich bereitwillig in jede Gefahrensituation, was er nie zu schätzen scheint.
In diesen Momenten ist „Rolling Thunder“ am interessantesten, denn den Film durchzieht eine gewisse Ironie: Die Familie, die Rane rächen will, hatte sich ja längst schon von ihm losgesagt, die Frau, die sich in ihn verguckt hat und welche die Familie irgendwie ersetzen könnte, spannt er nur für seine Zwecke ein anstatt mit ihr neu anzufangen. Der potentielle neue Ehemann von Ranes Frau ist sogar ein netter Typ, was die Sache für ihn noch schwerer macht. Noch dazu ist der Beinahe-Ehemann Gesetzeshüter und könnte Rane bei der Mörderjagd helfen – all das sind gute Ansätze, doch leider macht „Rolling Thunder“ enttäuschend wenig daraus, gerade in Filmhälfte zwei wirken Versuche von tiefergehenden Dialogen ausgesprochen bemüht und bei weitem nicht so dramatisch wie gedacht.
Auch das solide, aber doch begrenzte mimische Talent von Hauptdarsteller William Devane hilft dem Film nur bedingt. Famos ist die Szene, als die Täter foltern, um das Versteck des Geldes zu erfahren, seine Hand sogar in der Müllzerkleinerer stecken (die Prothese erklärt den deutschen Titel), Rane aber aus purer Betonköpfigkeit schweigt, zeigen will, dass ihn nach Kriegsgefangenschaft und Vietcongfolter nichts mehr kleinkriegen kann, während das Geld eh kaum wert für ihn hat. Wenig davon wird im Dialog ausgedrückt, das meiste über Devanes Mimik – schade, dass er in kaum einer anderen Szene so gut ist. Tommy Lee Jones in einer frühen Rolle als Kriegskumpel zeigt bereits sein Talent, seine Figur offenbart leicht fanatische Züge unter der netten Everyman-Oberfläche, doch wenn es darum geht sich die Flinte zu schnappen und ein paar üble Subjekte wegzupusten, dann ist es mit der zivilisierten Fassade vorbei. Darstellerisch ist der Rest bestenfalls okay, gerade Linda Haynes als Female Lead läuft kaum zu Hochtouren auf, aber wirklich schlecht sieht dann auch anders aus.
Nicht Fisch, nicht Fleisch: Für ein ernsthaftes Rachedrama nicht tiefgründig genug, für ein knalliges B-Movie trotz einiger Härten nicht krawallig genug. In seinem ironischen bis nihilistischen Umgang mit dem Thema Rache durchaus interessant, im Finale erfreulich actionreich, aber in keinem Punkt so wirklich herausragend. Okay, mehr aber auch nicht.
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