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Apocalypse Now (1979)

Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 17.12.2011, seitdem 207 Mal gelesen


Schon "Full Metal Jacket, Platoon" und auch "Die Verdammten des Krieges" übten teilweise heftige Kritik am Vorgehen der US-Einheiten in Vietnam, oder besser gesagt am gesamten System. Doch "Apocalypse Now" geht sogar noch einen Schritt weiter und beschäftigt sich beängstigend intensiv mit dem psychischen Druck während des Krieges. Jegliche Kriegshandlungen sind nur Randelemente, Regisseur und Drehbuchautor Francis Ford Coppola (Der Pate, Cotton Club) will hier aufzeigen, wie der Krieg einen Menschen verändern kann. Nicht nur die einfachen Soldaten, sondern auch die hochrangige Gefolgschaft, wie Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando). Der hat sich samt seiner Einheit nach Kambodscha abgesetzt und lebt dort in einer Art Kolonie. Seine Vorgesetzten sind sich sicher, dass Kurtz dem Wahnsinn verfallen ist und so schicken sie Captain Benjamin Willard (Martin Sheen), um Kurtz Einhalt zu gebieten. Doch auf der langen Fahrt bis zur Grenze Vietnams, sind Willard und sein kleines Team dem gesamten Wahnsinn des Krieges ausgesetzt. Zahlreiche Stationen und Gefechte später treffen sie schließlich auf Kurtz, dessen Verhalten Willards schlimmste Alpträume noch bei weitem übertrifft.

Gedreht wurde auf den Philippinen und in der Dominikanischen Republik, zahlreiche Probleme prägten diese 31 Millionen Dollar Produktion. Das Set wurde durch Stürme vernichtet, Hauptdarsteller Martin Sheen (Das Ritual, Gettysburg) erlitt einen Herzinfarkt und zwischen Coppola und Marlon Brando (Der Pate, Superman - Der Film) gab es zahlreiche Dispute. Eigentlich eine Basis für das Scheitern eines solchen Projektes, doch Coppola gelang trotzdem dieser beängstigend realistische Einblick, der einen enormen Spielraum für Interpretationen bietet. Doch hauptsächlich geht es Coppola um das Verhalten des Menschen, während der grauenvollen Geschehnisse um ihn herum. Jeder verarbeitet das anders, oder man verarbeitet es gar nicht und wird wahnsinnig. Man nehme nur mal Lt. Colonel Kilgore (Robert Duvall) der dem Tod immer ins Auge sieht und meint er sei unverwundbar. Der sogar während eines Gefechtes seine Mannen zum Surfen schickt. Auch Hauptfigur Willard hat sein Päckchen zu tragen, ohne einen Einsatz verfällt er dem Alkohol und den Drogen, wie die berüchtigte Hotelszene zu Beginn aufzeigt. Denn um den Krieg mal für kurze Zeit zu vergessen, greift man gerne mal zu Rauchmitteln, selbst während der Gefechte. Von vielen oft als Klischee bezichtigt, doch "Apocalypse Now" basiert nicht nur auf der freie Interpretation "Heart of Darkness" von Joseph Conrads, sondern auch auf den Vietnamkriegs-Reportagen von Michael Herrs.

Selten wirkt der Krieg so absurd und sinnentleerend wie in "Apocalypse Now", wenn Willard dabei zusehen muss, wie einzelne Personen seiner kleinen Schiffscrew völlig durchdrehen oder urplötzlich den Tod finden. Oder wenn man auf irgendwelche Außenposten trifft, die nicht mal mehr einen Vorgesetzten haben. Da spielen die wenigen aber authentisch brutalen Gefechte eine völlig untergeordnete Rolle und trotz des gemächlichen Erzähltempos gelingt Coppola diese reibungslose Spannung, denn hinter jeder Flussbiegung könnte der nächste Hinterhalt warten und besonders ist man gespannt, was Willard bei Kurtz Kolonie erwartet. Hierzu tragen besonders die inneren Monologe von Willard bei, der langsam beginnt Sympathien für Kurtz zu hegen. Dennoch kann sich der Zuschauer nicht mal ausmalen, was Willard in Kambodscha erwartet, ein wenig fehl am Platz wirkt nur der Besuch bei den französischen Plantagenbesitzern. Auch hätte ich mir gewünscht, dass Kurtz mehr Screentime erhält. Sein Verhalten lässt so viele Spekulationen zu und Marlon Brando ringt sich trotz seines Übergewichtes, weswegen er sich größtenteils immer im Schatten befindet, eine meisterliche Leistung ab. Überhaupt könnte man bei den Darstellern fast meinen, sie wären wirklich alle selbst in Vietnam gewesen, so authentisch verkörpern sie ihre Rollen.

Vielleicht hat "Apocalypse Now" etwas Überlänge, jedoch bleibt einem dieser Alptraum trotzdem noch lange im Gedächtnis. Denn keinem Film ist es gelungen derart zu schildern, was der Krieg aus einem Menschen machen kann. Die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges hat bisher niemand erschreckender auf Zelluloid gebannt als Coppola.


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