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My Sassy Girl (2001)
Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 14.02.2003, seitdem 2763 Mal gelesen
"My Sassy Girl" ist eine der erfolgreichsten Kinoproduktionen Koreas. Und dass obwohl er abseits all der Horror- und Actionfilmen steht - "My Sassy Girl" ist Romantic Comedy. Nur eben nicht in der Art und Weise, wie sie uns durch Amerika und seine Meg Ryans vorgegaukelt wird, sondern so, wie es koreanische Teenager eben gerne hätten oder gehabt haben.
"Gehabt haben" deshalb, weil die Vorlage zu diesem Film real ist. Der Koreaner Ho-Sik Kim veröffentlichte mehrere kurze Episoden im Internet, die auf den wahren Begebnissen mit seiner Ex-Freundin basierten, um diese Beziehung zu verarbeiten. Später machte man aus der Kurzgeschichtensammlung einen Bestseller-Roman, nach dem dann schließlich das Drehbuch zu "My Sassy Girl" geschrieben wurde. Und genau dieser Entwicklungsprozeß ist auch in dem Film zu sehen. Zwar hält sich der Film dicht an den realen Ereignissen - man mag dieser Aussage Glauben schenken oder nicht, jedoch driftet die Romanze gerne in einen Fantasy-artigen Freistil ab. So werden aus den naiven Drehbüchern der Hauptfigur kurze Szenen, die verwirklichte Motive aus den Geschichten zeigen: Da wirbelt die zeitreisende Samurai-Kopfgeldjägerin herum, ein anderes Mal sind wir Zeuge des Triumphs des "Demolition Terminators". Regisseur Kwak Jae-Yong spielt auch gerne mit den Worten Gegenwart und Zukunft - und lässt uns seine eigenwilligen Definitionen davon auch visuell erleben - ohne zuviel zu verraten...
Die Geschichte ist bittersüß: Gyun-Woo ist ein eher fauler als strebsamer Student, lebt noch bei seinen Eltern, hat keine festen Ziele im Leben, geschweigedenn eine Freundin. Und doch ist er hoffnungslos auf der Suche nach dem Mädchen, dass sein Leben bereichern soll. Tae-hyun Cha spielt den Gyun-Woo liebenswert, ein wenig verträumt und sehr handzahm. Jeder Durchschnittsmensch kann sich mit diesem Typen identifizieren - Gyun-Woo scheint zwar recht intelligent zu sein, verschläft aber lieber den Tag, um den Abend mit seinen Kumpels einen Trinken zu gehen. Sympathisch eben. Gyun-Woo ist auch der Erzähler, der aus dem Off die Geschichte mit seinen teilweise ernsthaften, teilweise albernen Gedanken kommentiert. Innerhalb von wenigen Minuten ist Gyun-Woo genug Identifikationsfigur, dass der Film voll und ganz wirken kann.
Und dann passiert es, er trifft auf ein Mädchen. Er selber beschreibt sie aus dem Off als "sein Typ" - und doch wirkt sie zunächst abstoßend bis lästig. Denn als er sie zum ersten Mal sieht, wird sie fast von einem herannahenden Zug überfahren, wenig später erbricht sie gerade Nudeln auf das Toupet eines Zugfahrgastes. Da sie ihn im Zug willkürlich als "Schatz" identifiziert, muss er für das Wohl das betrunkene Mädchen sorgen. Natürlich geht es seinen Gang, und schon bald beschließt Gyun-Woo fortan ihre Alkoholsucht zu kontrollieren - ihr Leiden zu lindern.
Was dann passiert ist eine verträumte, romantische, komische Abhandlung über Schicksal und Zufall. Und "My Sassy Girl" schafft es deshalb, uns diese komplexe Thematik so wahr und schnörkellos beizubringen, da man innerhalb nur weniger Minuten völlig intensiv in der Geschichte hängt. Fast soghaft verfolgt man die kuriose Liebesgeschichte der beiden. Und diese ist wirklich wie von einem anderen Planeten. Wirkliche Zuneigung erfahren die beiden chaotischen Kids nie voneinander. Nein, im gesamten Film sieht man sich die beiden noch nicht einmal einen Kuss geben, noch fällt der Satz "Ich liebe dich". Im zweiten Akt (der Film ist in drei Akten unterteilt) ist es kein romantisches Herumgegurre, die beiden spielen infantile Spielchen im Zug, kaspern in einem Vergnügungspark herum. Das den ganzen Film über namenlose Mädchen zeigt ihre dominante Seite, in dem sie dem armen Gyun-Woo ständig Schläge androht.
Hoffnungslos romantisch, verspielt, süß, lebendig auf der einen Seite - melodramatisch, traurig, realistisch auf der einen. Der Film wandelt von einer himmelhochjauchzenden Comedystimmung zu einer sehr ernsten Lifechanging-Relationship-Story - und wieder zurück - und wieder zurück. Und das alles ohne je den roten Faden zu verlieren, und die Charaktere unglaubhaft erscheinen zu lassen. Man wird beim Ende genauso mitzittern und ungläubig auf das Geschehene starren, wie man sich bei der köstlichen "Mit welchem Fuß treten die Passagiere als erstes über den Lippenstift-Strich"-Szene amüsiert.
"My Sassy Girl" ist sicherlich eine der besten koreanischen Komödien - und mit noch höherer Wahrscheinlichkeit besser als alle anderen US-Amerikanischen Romantic Comedys, bei denen die Komik und die Liebesdramatik nie so perfekt ausbalanciert sein wird, wie es hier der Fall ist. Wunderschönes koreanisches Kino, besonders im 15-Minuten verlängerten Director's Cut.
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