|
 |

Ansicht eines Reviews
Orphan - Das Waisenkind (2009)
Eine Kritik von Maichklang (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 11.11.2009, seitdem 904 Mal gelesen
Viele Horror-Kids und Killer-Kinder sind uns in den letzten Jahren begegnet und bei den meisten handelte es sich um Ausgeburten der Hölle, fast immer mit übersinnlichen Fähigkeiten behaftet.
Da ist es mal wohltuend, einen Satansbraten mit rein irdischen Fähigkeiten beizuwohnen, der nebenher mit einem herrlich grotesken Plot Twist aufwartet, welcher sämtliche vorher begangene Logikfehler mit einem Schlag ausbügelt.
Es geht um die neunjährige Esther (Isabelle Fuhrman), das titelgebende Waisenkind, welches von Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard) adoptiert wird.
Die einst alkoholkranke Kate will mit der Totgeburt ihres dritten Kindes den Schmerz des Verlustes ausgleichen und wird im Waisenhaus auf die starke Persönlichkeit des Mädchens aufmerksam.
Noch ahnt sie nicht, dass Querulanten des Kindes um ihr Leben fürchten müssen…
Die Gewissheit, dass es sich bei vorliegendem Streifen nicht um die üblichen Geisterkinder handelt, stellt sich recht früh ein, da dunkle Vorzeichen im Sinne huschender Schatten und sich von selbst bewegender Gegenstände ausbleiben. Glücklicherweise.
Denn man nimmt sich viel Zeit für ordentliche Figurenzeichnungen und emotionale Momente, die für spätere Entwicklungen enorm wichtig sind.
Eine dieser starken Szenen offenbart sich, als Kate mit ihrer taubstummen Tochter Max (Aryana Engineer) kommuniziert und in Gebärdensprache ein Bilderbuch erklärt, während soundtechnisch nur die Musik zu hören ist.
Auch der zunächst liebevolle Umgang zwischen Kate und Esther bindet viele Details ein, die im weiteren Handlungsverlauf ins Negative gekippt werden.
Denn latent schwingt etwas Bedrohliches, kaum Greifbares mit, da Esther zunächst wie ein hochintelligentes Kind wirkt, sich zu benehmen weiß und sprachlich annähernd auf Niveau der Erwachsenen ist. Aber Taten bleiben aus, was die Sache umso spannender gestaltet.
Denn als Esther eine Taube tötet, weil ihr Bruder diese zuvor mit einer Softball-Kanone traf, scheint diese Entscheidung die einzig richtige zu sein und man ahnt noch längst nicht, was die Kleine noch alles ausbrüten wird, um Schwachstellen des Ehepaares mit Manipulationen anzugreifen und mobbende Kinder in deutliche Schranken zu verweisen.
Derweil schafft Regisseur Jaume Collet-Serra es, einen schlichten Spielplatz im Schnee zu einen überaus spannungsgeladenen Schauplatz umzufunktionieren, indem Kamera, Schnitt und Score eine unglaublich atmosphärische Einheit erzeugen und jede Bewegung eines ängstlich dreinblickenden Kindes mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt wird.
Schließlich weiß man immer noch nicht, welche Ziele Esther verfolgt und was sie dafür bereit ist einzugehen.
Und während innerfamiliäre Spannungen ihren Höhepunkt erreichen und die taubstumme Schwester für eigene Zwecke im Sinne des Lippenlesens ausgenutzt wird, ein Baumhaus brennt und eine Psychologin um den Finger gewickelt wird, steuern wir auf den Plot Twist zu, den man in dieser Form beileibe nicht erwarten konnte.
Danach geht zwar innerhalb des Showdowns ordentlich die Post ab und das Tempo zieht merklich an, doch über jenen Twist denkt man noch immer nach.
Das liegt nicht zuletzt an der zwölfjährigen Isabelle Fuhrman, die in der Rolle der kleinen Esther sämtliche Facetten einer umfangreichen Persönlichkeit verkörpert und das mit einer unglaublichen Brillanz. Selten eine so überzeugende Jungdarstellerin gesehen.
Ihr annähernd ebenbürtig performt Vera Farmiga als Mutter Kate, der man den Schmerz des Verlustes, die Hingabe zu ihren Kindern und die Ausweglosigkeit, als ihr niemand mehr beistehen will, in jeder Sekunde abnimmt. Auch Aryana Engineer überzeugt in der Rolle der kleinen taubstummen Max, die ist so goldig, dass man mit ihr in einigen Situationen besonders mitfiebert. Lediglich Sarsgaard wirkt etwas lustlos mit seinem ewigen Schlafzimmerblick und den wenigen lichten Momenten seiner Figur.
Orphan (engl.: Waise/Waisenkind) überzeugt in nahezu allen Belangen und schafft es, in Form eines Psycho-Thrillers enorme Spannung aufzubauen und ohne Holzhammer ein paar fiese Momente zu kredenzen.
Das böse Kind muss also nicht immer Hilfe des Satans erhalten oder gar dieser persönlich sein, hier ergibt sich der Schrecken aus alltäglichen Situationen und scheinbar banalen Gegebenheiten.
Und das ist weitaus mehr, als zahlreiche Vertreter mit ihren schwarzhaarigen Geisterkindern und stöhnenden Scheintoten noch immer zu erreichen versuchen, - denn wer weiß, unter Umständen könnte jeder so eine Esther adoptieren…
8,5 von 10
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von Maichklang
Zurück
 |
 |
|