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POWER KIDS

Mit ONG-BAK (2003) wurde Tony Jaa über Nacht zum Wunderkind des thailändischen Actionfilms. Mit BORN TO FIGHT (2004) trat Dan Chupong in Tonys Fußstapfen, aber niemals aus dessen Schatten heraus und mit CHOCOLATE (2008) kämpfte sich schließlich die niedliche, aber niemals wehrlose Jija Yanin in die Herzen aller Muay Thai-Fans. Doch für Panna Rittikrai und Prachya Pinkaew, die Väter des modernen Thaikloppers, ist das noch lange kein Grund, nicht auch weiterhin den viel versprechenden Nachwuchs zu fördern: In SOMTUM (2008) hätte Nathan Jones ohne seine kleinen Weggefährtinnen ziemlich alt ausgesehen und in POWER KIDS (2009) ist es nun an der Zeit, die neue Generation gänzlich allein mit Ellenbogen und Knie bewaffnet in den Kampf zu schicken.

Woot (Nuntawut Boonrubsub), Cat (Sasisa Jindamanee), Jib (Nawarat Techaratanaprasert), Pong (Phethai Wongkamlao) und Woon (Darun Tantiwichitwech) wachsen gemeinsam auf, sind die besten Freunde und trainieren in einer Muay Thai-Schule. Eines Tages wird Woon wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert und wartet dort auf sein Spenderherz, welches aus einem anderen Krankenhaus geliefert werden soll. Der Terrorist Pada (Johnny Nguyen) und seine Soldaten besetzen jedoch das Krankenhaus und nehmen den dort befindlichen US-Botschafter als Geisel. Um das Spenderherz rechtzeitig zu bekommen, schleichen sich die "Power Kids" in das Krankenhaus, werfen ihr geballtes Muay Thai-Können zusammen und nehmen den ungleichen Kampf gegen die Terroristen auf...

Wie ONG-BAK 2 (2008) hatten auch die POWER KIDS stark unter ihrer holprigen Produktion zu leiden. Die kurz nach Fertigstellung von TOM-YUM-GOONG (2005) begonnenen Dreharbeiten mussten für lange Zeit unterbrochen werden, weil Sasisa und Nuntawut wegen Verletzungen pausieren mussten. Danach standen Sasisa und Nawarat für SOMTUM vor der Kamera und erst nach dessen Release sollte der neu hinzugezogene Regisseur Kridsanapong Radchata den vor Jahren begonnenen Thaiklopper zu Ende bringen, was alles andere als einfach war: Da die Kids mittlerweile allesamt sichtlich älter und größer geworden waren, wanderte bereits abgedrehtes Material in den Mülleimer und musste komplett neu gefilmt werden. Auch Johnny Nguyen musste erneut vor die Kamera. Dabei wurden seine ursprünglich geplante Hauptrolle als Terroristenführer und der Terroristenplot als solcher deutlich reduziert, um die jungen Hauptdarsteller mehr in den Fokus zu rücken.

Somit wären wir auch gleich bei der Achillesferse: Der inklusive Abspann gerade einmal knapp über 70 Minuten dauernde POWER KIDS besteht quasi aus zwei zusammenhanglos wirkenden Filmhälften und kann sich dabei auch niemals richtig für ein Zielpublikum entscheiden. Die erste Hälfte richtet sich an ein eher junges Publikum und befasst sich mit dem Alltag der Kids: Da wird Muay Thai trainiert, da werden Rennen mit R/C-Cars ausgetragen und da wird auch schon mal ein ausgewachsener Pöbler (Richard William Lord) nach allen Regeln der Muay Thai-Kunst vermöbelt, wobei die Schlagkraft von Schienbeinen und Unterarmen durch Eisenrohre zusätzlich verstärkt wird. Dank Originalton und fehlenden Untertiteln ist das bis auf den Kampf natürlich ziemlich witzlos und schließlich bringen die zuvor erwähnten Herzprobleme Woon ins Krankenhaus und uns in die zweite Filmhälfte.

Hier wird auch umgehend das andere Krankenhaus von Pada und seinen Terroristen besetzt, was mit dem blutigen Erschießen des Wachpersonals für jüngere Zuschauer eher ungeeignet sein dürfte. Auch wird das protzige Polizeiwagen in die Luft jagen mittels Panzerfaust und das obligatorische in Schach halten von Geiseln geboten, was aber niemals darüber hinwegtäuschen kann, dass man gar nicht erst versucht, ein spannendes Terroristenszenario aufzubauen. Über kleine Umwege wie Versteckspielchen oder die Begegnung mit einem Undercover-Cop stolpert die zweite Filmhälfte hastig dem finalen Showdown entgegen, welcher den Muay Thai-Fan dann doch noch solide unterhalten kann: Terroristen werden in Brand gesteckt und anschließend mit den Knien voraus niedergestreckt, im Sprung werden Leuchtstoffröhren aus der Deckenfassung gerissen und auf Köpfen zerschlagen und überhaupt werden hier Gewaltschraube und Bodycount noch einmal kräftig angezogen.

Sasisa kann in ihren Muay Thai-Szenen gewohnt souverän überzeugen, während sich Nuntawut mit seinem Leinwanddebüt ebenfalls für weitere Thaiklopper empfiehlt. In Sachen Schauspiel sind eigentlich alle Kids sympathisch, während Johnny Nguyen weitestgehend und Conan Stevens in seiner Rolle als Bodyguard des US-Botschafters gnadenlos verheizt werden. Etwas Angst bereitet mir nur der kleine Phethai: Er ist der Sohn des nicht wirklich lustigen Komikers Petchtai Wongkamlao (Nebenrollen in „Ong-Bak“, „Tom-Yum-Goong“ und die Hauptrollen in „The Bodyguard“ 1 & 2) und ich stelle mir die Frage, ob auf diesem Gebiet unbedingt noch Nachwuchs gefördert werden sollte. Außer Frage steht für mich, dass POWER KIDS im Trailer unangemessen unterhaltsam rüberkommt, die Muay Thai-Szenen lieber als Demo Reel für Sasisa und Nuntawut genutzt werden sollten und dass es kein großer Verlust ist, dass dieser Thaiklopper wohl niemals die Kinoleinwände und Videothekenregale außerhalb Thailands zu Gesicht bekommen wird.

5/10 Punkten, diBu!

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