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Nach dem Tod seines Vaters und den Einsätzen in zahlreichen Kriegen, wird der Mutant Logan, gespielt von Hugh Jackman, zusammen mit seinem Bruder, gespielt von Liev Schreiber, von einem Militärwissenschaftler, gespielt von Danny Huston, angeworben, der mit ihnen ein Team aus Mutanten zusammenstellt. Als Logan die zahlreichen Gewalttaten, die er im Rahmen seines Dienstes für sein Land ausführt, nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren kann, tritt er aus und führt nun ein ruhiges Leben in Kanada, wo er schließlich eine Beziehung mit einer Lehrerin, gespielt von Lynn Collins, beginnt. Als diese dann jedoch von seinem Bruder getötet wird, sieht Logan rot und stimmt, um seine Rache zu bekommen, einer überaus heiklen Operation zu, die ihn unzerstörbar machen soll.

Nachdem die "X-Men"-Filme vornehmlich positive Resonanzen bekamen und hohe Einspielergebnisse erzielten, war es eigentlich abzusehen, dass die Reihe wohl irgendwie fortgeführt würde. Und man entschied sich letzten Endes dazu, zu den einzelnen Charakteren eine Vorgeschichte zu liefern, sie tiefer zu konstruieren und zu zeigen, warum sie wurden, wie sie sind. Den Anfang dieser, vermutlich folgenden Spin-off-Reihe, macht nun Hugh Jackman, der auch an der Produktion beteiligt war, als Logan/Wolverine. Neben der Vorgeschichte zu Wolverine, die in der "X-Men"-Trilogie allerhöchstens angedeutet wurde, beschlossen die Macher einige weitere Mutanten, wie Sabretooth oder Gambit in den Film zu integrieren, womit man eine hohe Erwartungshaltung schuf, der man jedoch nicht gerecht wird, auch wenn es sich bei "X-Men Origins: Wolverine" sicherlich um keinen schlechten Film handelt.

Zunächst einmal ist die Inszenierung von Gavin Hood, der in die Fußstapfen der vorangegangenen Regisseure Bryan Singer und Brett Ratner, tritt ziemlich gut. Nachdem er in "U-Boat" kein sonderlich gutes Händchen für die Inszenierung von Action-Sequenzen zeigte und anschließend mit "Tsotsie" und "Machtlos" zwei ruhige Dramen ablieferte, überrascht Hood hier mit versiert inszenierten Action-Szenen. Egal, ob es sich um schnell geschnittene und gelungen choreographierte Kampf-Szenen, um aufwendige Verfolgungsjagden, bzw. um Einsatz von Pyrotechnik handelt, oder um die CGI-Effekte, die das aktuelle tricktechnische Know-how Hollywoods weitestgehend ausschöpfen: alle Action-Szenen werden versiert eingefangen und sind alles in allem recht hoch dosiert, auch wenn der Showdown ruhig etwas länger hätte sein können. Damit unterhält der Film durchaus, auch wenn die Genre-Grenzen nicht unbedingt durch einen weiteren Meilenstein erweitert werden, da die Action-Sequenzen alles in allem nicht so aufwendig sind, wie man es sich erhoffen konnte. Neben den ordentlichen Action-Szenen bietet der Film aber auch andere Schauwerte, so sind die Landschaftsaufnahmen der kanadischen Rocky Mountains fotografisch absolut makellos in Szene gesetzt, genauso, wie die anderen restlichen Naturaufnahmen.

Dem eigenen Anspruch, den widersprüchlichen, ambivalenten Charakter der Hauptfigur zu vertiefen, seinen inneren Konflikt zwischen dem gewissenhaften Menschen, der im Grunde nur ein normales Leben führen möchten und dem Tier, das mit aller Macht seine Rache bekommen will, darzustellen, wird man jedoch nicht gerecht. Im Endeffekt ist die Story nämlich nicht mehr als ein hohles und simples Vehikel, das bei Weitem nicht das Potential seiner Vorgänger erreicht. Die Vorgeschichte Wolverines wird dabei zwar stimmig erzählt und vertieft die Figur zumindest in Ansätzen, aber hier hätte man sich mehr erhoffen können. Ebenso ärgerlich ist es, das die neu eingeführten Mutanten noch blasser bleiben und, anders als bei den drei Vorgängern, nicht einmal ansatzweise Profil gewinnen. Der Plot hat zwar solide und unvorhersehbare Wendung zu bieten und nimmt immer mal wieder temporär an Fahrt auf, aber auch hier bleibt das Skript einfach zu simpel, konventionell und stereotyp, um dem Film übers Mittelmaß zu verhelfen.

Hood hält das Erzähltempo hoch genug, um durchgehend unterhalten zu können, auch wenn "X-Men Origins: Wolverine" so endgültig zu reinem, kurzweiligen, angepassten und tendenziösen Genre-Kino verkommt. Immerhin wird gelegentlich Spannung erzeugt, da mit dem soliden Soundtrack, den starken Darstellern und ein paar düsteren Einstellungen teilweise eine gespannte Atmosphäre kreiert wird, aufgrund der Story-Schwächen kann diese jedoch nie sonderlich lang aufrechterhalten werden.

Auch beim vierten Mal weiß Hugh Jackman, der sich zunehmend häufiger an Charakterrollen wagt, als Wolverine durchaus zu überzeugen. Jackman, auch hier gewohnt cool und charismatisch, spielt die Rolle fehlerfrei und glatt herunter, wobei er zu keinem Zeitpunkt wirklich brilliert. Dies hingegen kann Liev Schreiber, der als Sabretooth eine enorm hohe Präsenz entfaltet und als eiskalte, brutale Bestie beängstigend gut spielt, aber doch menschliche Züge an seiner Figur lässt. Danny Huston spielt seine Rolle zwar halbwegs solide, wirkt aber gelegentlich zu blass und gelangweilt, um als Feindbild, das er eigentlich verkörpern sollte, den blanken Hass auf sich zu ziehen und auch Lynn Collins spielt alles andere als wirklich überzeugend.

Fazit:
Auch wenn er die Maßstäbe des Genres nicht gerade neu setzt, unterhält "X-Men Origins: Wolverine" durch seine ordentlichen Action-Szenen und die gelegentlich aufkommende düstere Atmosphäre, sowie mit seinen beiden starken Hauptdarstellern durchgehend. Da die Hauptfigur und die neu eingeführten Mutanten jedoch kaum tiefer konstruiert werden und die Story auch ansonsten recht simpel gehalten ist, fällt Hoods Werk hinter seine Vorgänger zurück und versinkt als kurzweiliger Blockbuster in der Maße kürzlich erschienener Comic-Verfilmungen.

60%

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