|
 |

Ansicht eines Reviews
Drag Me to Hell (2009)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 23.10.2009, seitdem 816 Mal gelesen
Nach dreimal „Spiderman“ gab es von Sam Raimi das Geschenk an die treuen Fans von früher: „Drag Me to Hell“.
Der Anfang hält auch schon, was der Titel verspricht, denn eine mexikanische Exorzistin muss im Jahre 1969 hilflos dabei zusehen, wie der Dämon Lamia einen kleinen Jungen in den Höllenschlund zieht, weil dieser von Zigeunern stahl. Zigeunern dumm kommen, das ist keine gute Sache, das wissen wir aus „Thinner“, dessen Buchvorlage und ähnlichen Schoten, doch es kann ja nicht jeder in der Hinsicht so gewieft sein wie der Horrorbuff von heute.
Zu diesen Unwissenden gehört auch die Bankangestellte Christine Brown (Alison Lohman), die in Aussicht auf eine Beförderung einer Zigeunerin die Bitte auf erneuten Zahlungsaufschub abschlägt und diese dabei beschämt. Die alte Frau ruft fix den Lamia herbei...
Machen Regisseure Geschenke an die treuen Fans, dann kommt meist etwas Gutes dabei heraus, man denke an John Woos HK-Abschiedspräsent „Hard Boiled“. Im Falle von „Drag Me to Hell“ verbeugt sich Raimi vor allem „Tanz der Teufel“-Jüngern, das macht bereits das veraltete Universal-Logo zu Filmbeginn klar. Die wilde Kamera der Teufelsaga kommt ebenfalls häufig zum Einsatz, ebenso die Masse an Anspielungen, mit denen sich Raimi freilich auch in Mainstreamware Marke „Spiderman“ nicht zurückhielt. Hier z.B. hat aber der gute alte „Tanz der Teufel“-Schlitten wirklich viel Screentime, wo er dort nur kurz im Bild stand.
„Drag Me to Hell“ merkt man dann glücklicherweise auch durchweg die Liebe an, mit der er gemacht wurde, trotz des Verzichts auf komplett handgemachte Effekte zugunsten diverser PC-Animationen. Doch Raimi versteht es auch die neue Technologie mit Old School Charme einzusetzen, z.B. wenn das Gebiss der Zigeunerin bei einer Schlägerei den Freiflug antritt. Übertrieben blutig wird es dabei nicht, auch nicht in der unrated, doch vielleicht ist es auch ganz schlau, dass Raimi gar nicht versucht in Sachen Splatter an die TdT-Saga anzuknüpfen.
Erfreulich groß ist das Maß an Witz und Ironie, mit dem Raimi die Sache angeht – ebenfalls eine alte TdT-Tugend. Fast schon hämisch lässt er die Protagonistin auf der Suche nach einem Tieropfer die eigene Katze erblicken, schelmisch werden die Angriffe des Lamia inszeniert, doch der vielleicht größte Lacher ist der, wenn *SPOILER* der Lamia in eine Ziege hineinfährt und die Ziege ein grimmiges Dämonengrinsen aufsetzt. *SPOILER ENDE*
Freilich kann all der Schalk und Charme dann nicht ganz übertünchen, dass „Drag Me to Hell“ ohne größere Überraschungen auskommt. Denn dass die ersten Gegenmaßnahmen nicht helfen, wenn gerade mal der halbe Film verstrichen ist, das ahnt wohl jeder Zuschauer, so hämisch Raimi dann das Scheitern derartiger Maßnahmen zelebriert, z.B. mit einem in einer Katastrophe endenden Familiendinner. Recht unsubtil ist auch die Schlusspointe, die mit dreifacher Ansage kommt, was dem Showdown leider etwas an Biss nimmt. *SPOILER* Der findige Zuschauer ist sich ja bereits sicher, dass all das Gegrabe und Gekämpfe schlussendlich des falschen Umschlags wegen veranstaltet wird. *SPOILER ENDE*
Ebenfalls etwas übertrieben ist der Umgang mit Ekelgags, denn Raimi saut hier stellenweise mit Sabber und Kotze herum, als wolle er die nächste Gross-Out-Komödie fabrizieren. Das Festhalten an kruden Ideen in allen Ehren (der Ziegengag ist der Hammer), aber dabei schießt der gute Mann dann doch etwas übers Ziel hinaus, denn das Gesaue wirkt teilweise leicht pubertär und vordergründig, da wäre weniger echt mehr gewesen.
Alison Lohman macht in der Hauptrolle einen ganz guten Job, schreit, leidet und kämpft ganz überzeugend, auch wenn sie jetzt nicht unbedingt die neue Scream-Queen des Genres werden wird. Tolle Unterstützung gibt es von Justin Long, der sich mittlerweile zum immer wieder gern gesehenen Darsteller, meist in Nebenrollen, gemausert hat.
Wer die krude, comic-artige Inszenierung von „Tanz der Teufel 2“ mochte, der wird auch hier auf seine Kosten kommen, denn diesem Raimi-Werk kommt „Drag Me to Hell“ sicher am nächsten. Sonderlich viel zu erzählen hat der Mann nicht und gerade gegen Ende wird es etwas sehr vorhersehbar, doch bei soviel inszenatorischem Charme, soviel Liebe zum Detail und soviel verstecktem Witz macht „Drag Me to Hell“ immer noch gut Laune.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von McClane
Zurück
 |
 |
|