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Green Zone (2010)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 21.03.2010, seitdem 1302 Mal gelesen


Nach zweifacher, ausgesprochen erfolgreicher Kooperation bei den Bourne-Sequels taten sich Hauptdarsteller und Regisseur erneut zusammen für „Green Zone“.
Bei der titelgebenden Zone handelt es sich um den von den Amerikanern kontrollierten Bereich in Bagdad, die Handlungszeit des Films ist das Jahr 2003, als man im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchte, um das Eindringen und den Sturz Saddam Husseins zu begründen. Quasi aus der Froschperspektive erlebt der Zuschauer zu Beginn des Films jene Bagdadbombardierung, die es anno 2003 noch als Satellitenübertragung im Fernsehen gab, durch den realistischen, von Greengrass gewohnten Stil eine interessante Szene.
Roy Miller (Matt Damon) und sein Team gehören zu jenen Trupps, die immer wieder vergeblich ausrücken, um Massenvernichtungswaffen sicherzustellen und langsam an ihrer Mission zweifeln – oder zumindest an der Richtigkeit der Infos, auf denen ihre Einsätze basieren. Dabei ist Miller als etwas naiver Befehlsempfänger angelegt, der gleichzeitig aber auch kompetent sein Team leitet und alles andere als dumm ist. Nur das Hinterfragen von Befehlen und das Hinterfragen des von Regierung angebotenen Weltbildes, das muss er noch lernen.

Bei einem Einsatz unterbricht Miller die erfolglose Suche und folgt stattdessen den Infos eines Einheimischen, was zur Verhaftung eines hochrangigen Baath-Mitgliedes führt. Bald muss Miller jedoch merken, dass bestimmte Kräfte die Aufdeckung der Wahrheit verhindern wollen…
Scheinbar hat der früher so geniale Brian Helgeland („L.A. Confidential“, „Assassins“) seinen Biss verloren, denn nach dem mäßigen „The Taking of Pelham 123“ ist dies das nächste enttäuschend Script. Gerade der Wissensvorsprung des Zuschauers verhindert einen brauchbaren Spannungsaufbau, da die Figuren als einzige das WMD-Märchen der Bushadministration glauben, während jeder, der nicht hinterm Mond lebt, genau weiß, dass die Geschichte von Massenvernichtungswaffen Quatsch war. Ebenfalls enttäuschend sind Figurenzeichnung und Subplots: Die Figur der Reporterin, die bei der Verbreitung der WMD-Lüge half, wird eingeführt, bleibt aber unentwickelt und hat später keine Bedeutung mehr, die Geheimdienstler und Regierungsfritzen sind eher Funktionen und weniger ausgearbeitete Charaktere.

Allenfalls Miller erhält das nötige Profil und selbst über ihn erfährt man gar nicht mal viel. Etwas absurd ist dann auch der Versuch „Green Zone“ als politischen Film zu präsentieren: Bush-Bashing in der Ära Obama, nein wie mutig, dazu noch über eine Regierungslüge, die schon längst als solche gebrandmarkt wurde. Zudem ist Miller trotz seiner Naivität der nette Saubermann, sein Widerpart Clark Poundstone (Greg Kinnear) hingegen ein gelackter, oberflächlicher Schmierlappen. Allenfalls in den Szenen zwischen Miller und seinem einheimischen Helfer blitzt Ambivalenz durch, wenn der Soldat lernen muss den Mann wie einen Menschen zu behandeln.
Gerade durch die Bekanntheit vieler Tatsachen wirkt „Green Zone“ über weite Strecken egal,
beinahe banal, obwohl man an sich einen soliden Thriller vor Kriegshintergrund vor sich hat. Gerade die Jagd nach einem potentiellen Zeugen ist halbwegs temporeich zusammengeschrieben worden, wirklich überraschend sind allerdings die wenigsten Plottwists. Immerhin: Greengrass tritt genug aufs Gas, um ein wenig über derartige Mankos hinwegzutäuschen.

Tatsächlich ist es Greengrass’ Stil, der hier noch viel rausholt, seine Handkamerainszenierung sorgt für ein Mittendringefühl, das dem Film ein ähnlich dokumentarisches Feeling wie z.B. „The Hurt Locker“ gibt. Die Action ist leider nicht ganz so herausragend wie die von „Das Bourne Ultimatum“, doch die Schießereien und Jagden durchs nächtliche Bagdad lassen den Adrenalinpegel angenehm in die Höhe schnellen. Gelegentlich, z.B. im Showdown, übertreibt Greengrass es mit dem Übersichtsverlust, überschreitet das Maß, das seine Bourne-Sequels noch so wunderbar einhielten.
Matt Damon bemüht sich sehr noch das Beste aus seiner grob umrissenen Rolle zu machen und tatsächlich schafft er es im Rahmen der vom Script gesetzten Möglichkeiten echt noch etwas zu reißen. Greg Kinnear hingegen kann kaum überzeugen, was aber auch der eindimensionalen Rolle liegt, während Brendan Gleeson seinen Part noch mit Leben zu füllen weiß. Khalid Abdalla als einheimischer Helfer kann ebenfalls Akzente setzen, der Rest vom Cast bleibt etwas blass.

„Green Zone“ ist beim Ansehen durchaus kurzweilig, leider aber – allen politischen Ambitionen zum Trotz – irgendwie banal, erzählt er doch nichts, was Zuschauer nicht eh schon über den Irakkrieg weiß. Greengrass’ Inszenierung kann da noch Boden gutmachen, die Actionszenen sind durchaus schön anzuschauen, doch so wirklich Eindruck kann das Endergebnis nicht machen.


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