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Erbarmungslos (1992)

Eine Kritik von Puty Willi (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 15.05.2007, seitdem 459 Mal gelesen


Clint Eastwood, längst eine Legende, genießt einen Ruf wie kaum ein anderer und auch in meiner Liste der Lieblingsschauspieler ist er vertreten. Mit den Figuren des namenlosen Fremden und des Dirty Harry prägte er wie kein anderer das Bild des modernen Actionhelden, wie wir es heute kennen. Auch wenn er früher wegen seines Schauspiels oft kritisiert wurde, ist Eastwood einfach eine Person die geradezu vor Charisma strotzt. Selbst in den Ausfällen seiner langen Karriere. Da kann der Film noch so schlecht sei, die Rolle noch so schwach, Eastwood ist immer cool.

Doch das Schauspielern war nie genug für Eastwood, schon immer hat es ihn auch zur Regie hingezogen. In vielen Jahren drehte er unzählige Filme, oft auch mit sich selbst in der Hauptrolle. Doch diese wurden meist kaum beachtet- zu recht.
Schauspielerregisseure die sich dauerhaft etablieren konnten gibt es nur wenige, Eastwood gehört dazu. Doch so richtig kam der Status als großer Filmemacher erst in den letzten Jahren.
Er hat seinen Stil gefunden, sein Alterswerk ist große Klasse.

Mit Mystic River, Letters from Iwo Jima und Million Dollar Baby wurde er in den letzten 5 Jahren dreimal für den Oscar für die beste Regie nominiert, bei letzerem gewann er sogar. Doch auch für Erbarmungslos gewann er 10 Jahre früher schon einen.
Die soeben aufgezählten, sind alles tolle Filme, doch sein Meisterwerk ist Erbarmungslos und wird es wohl auch für immer bleiben. Der Grund warum ich so lange über ihn rede, ist das der Film ohne Eastwood nie das geworden wäre, was er ist.

Zwischen den Zeilen lesen. Das ist es, was man bei Erbarmungslos zweifelsohne machen muss, sonst kann man die Klasse des Filmes nicht richtig erfassen. Denn die eigentliche Geschichte ist mehr als simpel und darüberhinaus noch nicht mal besonders spektakulär inszeniert.

Erbarmungslos, und das durfte man zurecht schon oft lesen, ist der definitive, endgültige Abschluss des Westerngenres. Aber er ist noch viel mehr, er ist auch eine der besten Studien über Gewalt, die ich je gesehen habe. Sowie Gewalt hier dargestellt wird, so sollte sie eigentlich in jedem Film gezeigt werden. Schnell, dreckig und ohne auch nur ohne einen Funken von Heldentum.

" Ich dachte, es sei an der Zeit, einen Film zu machen, der zeigt, dass Gewalt nicht nur Schmerzen verursacht, sondern auch für die Täter wie die Opfer nicht ohne Konsequenzen bleibt"

Dies hat Eastwood über Unforgiven gesagt und er hat es auch definitv eingehalten. Die von ihm dargestellte Figur des Munny hat die Gewalt nie von sich lassen können, sie steckt auf immer in ihm drin. Genau so verhält sich bei Little Bill und den anderen Figuren. Und so ist es auch eine Gewalttat die, die ganze tragische Geschichte erst ins rollen bringt.

Das beste an Erbarmungslos sind jedoch ohne Zweifel die Charaktere, mit deren Zeichnung Eastwood meisterschaft erwirbt. Hier gibt es keine stereotypen schwarz-weiß Figuren, vielmehr existiert die Farbe grau. Fangen wir mit William Munny an. Er wirkt alt, geläutert und schon mitleiderregend, doch er hat dieses nicht verdient, hat sich sein Dillemma selbst zuzuschreiben. Oftmals im Film hört man von seinen schrecklichen Taten in der Vergangenheit, Taten von denen er sich, wie schon erwähnt, nie mehr richtig erholen kann. Frauen und Kinder soll er sogar umgebracht haben, vorstellen kann man es sich als Zuschauer bis zum Ende allerdings nicht.

Little Bill wirkt zunächst wie der klassische Bösewicht, doch im Grunde genommen ist er der einzige der für Recht und Ordnung sorgt. Er lebt nach strengen Prinzipien, benutzt jedoch sein Amt als Sheriff nicht selten dazu, andere zu foltern und zu schickanieren. Bill ist weder der Bastard für den der Zuschauer in hält, noch der Gutmensch, der er selbst glaubt zu sein.

Die Figur des Ned, ist schließlich der einzige, der irgendwie "gut" zu sein scheint. Auch er hat eine Vergangenheit hinter sich, die nicht gerade rosig ist, doch scheint er sie weitgehendst überwunden zu haben. Doch aus Loyalität zu seinem Freund Munny lässt er sich doch zur Kopfgeldjagd überreden. Dies verdeutlicht auch das selbst in diesem Antiwestern noch ein paar klassische Westerneigenschaften zu finden sind. Doch diese Loyalität von Ned gegenüber Munny ist eine Falsche, genau wie später die Loyalität von Munny gegenüber Ned falsch sein wird. Sie macht alles nur noch schlimmer.
SPOILER Sie ist auch ein Auslöser für den Tod von Ned und den anschließenden Rachefeldzug von Munny SPOILER

Schoffield Kid schließlich, ist der klassische Junge Outlaw, der selbst zur Legende werden will. Mit Munny und Ned scheint er die beiden richtigen gefunden zu haben. Doch sie verderben auch ihn. Protzig erzählt der Junge anfangs, wie viel Leute er schon umgebracht hat, später stellt sich heraus, das er nie jemanden ermordet hat. Als er es dann schließlich doch tut, ist er fertig mit der Welt und greift schließlich auch zur Flasche.

Dann am Ende zieht Munny in einen Rachefeldzug, dann zieht passend dazu ein Gewitter herauf, doch dieses hat nichts reinigendes an sich, im Gegenteil es zeigt Munnys altes Gesicht, das eines kaltblütigen Killers. Nun glauben wir auf jeden Fall die schlimmen Geschichten. SPOILER Nach dem Massaker geht Munny zu seinen beiden Kindern zurück. Seine Vergangenheit, wird ihn niemals loslassen. Auch wenn seine verstorbene Frau es ihm, so scheint es, kurzzeitig leichter gemacht hat, sie zu verdängen SPOILER

Was die Inszenierung angeht, so ist alles Eastwood typisch. Er schert sich nicht um irgendwelche Mätzchen, filmt schnörkellos als Mittel zum Zweck. Das war bei ihm schon immer so. So ist er was Regieführen angeht, näher am Handwerker Siegel als am Stilisten Leone. Dennoch sind beide Mentoren von ihm gleichbedeutend für sein Werk.

Die Schauspieler sind allesamt genial. Über Eastwood braucht man nichts mehr zu sagen, außer es hat sich gelohnt, das er in die Rolle gealtert ist. Besonders Lob verdienen noch Gene Hackman und Morgan Freeman, deren Leistungen einfach brillant sind und Hackman zurecht däfür einen Oscar bekam.

Fazit: Erbarmungslos gehört definitiv zu den 5 besten Western. Öberflächlich betrachtet gibt der Film nicht sonderlich viel her, doch wie schon gesagt, man muss zwischen den Zeilen lesen und man bekommt so vielleicht den vielschichtigsten Film überhaupt in diesem Genre zu sehen.
9/10


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