Eine Kritik von crizzero (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 08.02.2010, seitdem 214 Mal gelesen
Clint Eastwood spielt und dreht hier mal wieder ganz groß auf. Als Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion zeigt er mit "Erbarmungslos", dass nicht alles glorifiziert werden sollte, was man über den Wilden Westen hört. Die naive und im doppeldeutigen Sinne etwas sehr kurzsichtige Figur des Kid dient diesbezüglich als Aufhänger. Morgan Freeman und Eastwood stellen mit all ihrer über die Jahre erlangten Weisheit und Erfahrung den realistischen Gegenpart dar und erden die abgehobene Sichtweise, die Kid von Revolverhelden und Schießereien hat.
Dieses Zusammenspiel ist so fruchtbar und fast pädagogisch wertvoll, dass man Eastwood zu dieser thematischen Annäherung beglückwünschen möchte. Es wird auf herrlich menschliche Art und Weise aufgezeigt, dass ein Mord ein Mord bleibt. Auch wenn er in einer Zeit begangen wurde, in der jeder mit Waffe am Gürtel durch die Prärie geritten ist. Man löscht alles, was es von dem Menschen gab und geben wird, mit einem einzigen Finger am Abzug aus. Allein diese Aussage macht den Film so bewegend.
Zudem hat jede Figur ihre zwei Seiten. Kein Mensch ist nur gut oder nur böse. Neben den drei Cowboys, die sich nach Big Whiskey aufmachen, wird das vor allem an Gene Hackmans Darstellung von Little Bill, dem Sherriff der kleinen Wüstenstadt, deutlich. Er baut sich ein Haus, mehr schlecht als recht zusammengezimmert. Das Dach ist schief, der Wunsch nach einer eigenen Veranda groß. Außerdem sorgt er mit aller Macht dafür, dass in Big Whiskey keine Waffen zum Einsatz kommen, ja, noch nicht mal erlaubt sind. Dieses grundsätzlich gut gemeinte Gesetz zieht er allerdings mit einer derart gewaltigen Brutalität durch, dass er längst nicht als das personifizierte Recht und die menschgewordene Ordnung begriffen werden kann. Auch wenn er das wohl anders sehen würde.
Unschuldige, unbeteiligte Menschen sterben auf die eine oder andere Weise. Und manchmal nur, weil andere Menschen in unmittelbarer Nähe betrunken oder übermäßig aggressiv sind. Diese zeitlose Nachricht an den Zuschauer zieht sich wie ein roter Faden durch diesen Film. Und dass daran nichts Gutes zu sehen ist, sieht man Eastwoods William Munny von der ersten Minute lang an. Selbst im Blick von Freemans Charakter Ned sieht man das, wenn er William vielsagend anschaut. Dann weiß man genau, dass die beiden früher schlimme Dinge getan haben und sich nur über die Jahre hinweg von dieser Vergangenheit distanzieren konnten. Manchmal kann man sich diese Dinge selbst niemals mehr vergeben. Nicht umsonst lautet der Originaltitel wohl "Unforgiven". Nicht umsonst kann man manchmal dann doch nicht mehr abdrücken, obwohl es doch so einfach scheint. Und nicht umsonst wirkt die bedrückende Stimmung des Films so faszinierend nach.
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