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Panic Room (2002)
Eine Kritik von Joy eingetragen am 07.05.2002, seitdem 469 Mal gelesen
Achtung SPOILER
Mit David Finchers „Panic Room“ war für mich mal wieder ein echter Pflicht-Film angesagt. Endlich auch ein Anlass, mal wieder eine Kritik zu einem aktuellen Film zu schreiben.
Schon der Beginn von „Panic Room“ ist etwas besonderes. Fincher zeigt einmal mehr einen interessanten und ungewöhnlichen Vorspann –etwas, das auch „Sieben“ auszeichnete- indem er die Namen der Darsteller und Crew als Schriftzüge über die Häuserzeilen New Yorks stellt, als ob es Namensschilder von Kaufhäusern, Hotels oder Firmen wären. Nach dem Vorspann gibt es allerdings wenig, was einen an „Sieben“ erinnern würde. „Panic Room“ unterscheidet sich doch um einiges von Finchers vorherigen Filmen. Das fängt beim Handlungsort an, und nicht nur der weckt Erinnerungen an Hitchcock. Aber Vergleiche dieser Art sind wohl schon genug gemacht worden, weswegen ich mich nicht länger damit aufhalten möchte.
Handwerklich ist „Panic Room“ hervorragend gemacht, besonders die Kameraführung ist äußerst virtuos. Personen- und Zimmerwechsel werden sehr oft durch geschickte Kameraschwünge und –fahrten bewältigt. Beispielhaft für die brillante Kameraarbeit ist eine Sequenz, in der sich die Kamera vom Bett der schlafenden Jodie Foster durchs Treppenhaus bis hinunter ins Schloss der Tür hinein windet, an dem sich die Einbrecher zuschaffen machen. Auch andere Kamerafahrten sind sehr gut gemacht.
Geschickt versteht es Fincher auch, durch neue Einfälle die Spannung zu erhalten. Den „Rollentausch“, dass also schließlich die Mutter außerhalb und die Tochter mit den Einbrechern innerhalb des Panic Rooms ist, halte ich auch für eine gute Idee, durch die die Situation im fortgeschrittenen Stadium noch mal in eine andere Richtung getrieben wird und die Geschichte nicht langweilig wird. Was mir auch sehr gefallen hat, ist die Tatsache, dass sich der Erbauer des Panic Rooms an seiner eigenen Konstruktion die Zähne auszubeißen droht. Ein beinahe grotesker Nebenaspekt, den ich durchaus bemerkenswert finde.
Doch es gibt in „Panic Room“ einige Dinge, die das Gesamtbild beeinträchtigen. Das fängt schon beim Einzug in das Haus an: Wie bitte kann man so schnell in ein Haus einziehen? Wie kann es sein, dass schon in der ersten Nacht alles fast fertig erscheint, dass keine größeren Mengen an Umzugsmaterialien herumstehen? Und dass aber gleichzeitig scheinbar vergessen wurde, die Telefonleitung etc. für den Panic Room freizuschalten und sich Meg Altman scheinbar vorher überhaupt nicht um die Handhabung von Sicherheitssystem & Co gekümmert hat, welches ihr ja anscheinend so wichtig war?! Na gut, das waren eher Kleinigkeiten am Anfang. Einen wirklichen Nachteil sehe ich allerdings darin, das man teilweise wirklich nur spärliche Informationen über die Personen erhält.
Neben dem Fehlen von solchen Informationen gibt es meiner Meinung nach noch einen Umstand zu bemängeln, nämlich das Aufkreuzen des Ex-Mannes. Das halte ich nun wirklich für unlogisch. Der Mann hat ja anscheinend begriffen, das etwas nicht in Ordnung ist, da er die Polizei verständigt hat. Aber warum marschiert er dann ins Haus?
Aber ansonsten ist es wirklich beeindruckend, wie Fincher es schafft, aus einer Ausgangssituation, die zwar genial ist, aber bei der es doch fraglich ist, ob sie knapp 2 Stunden lang fesseln kann, einen spannenden Film zu entwickeln. In manchen Szenen hätte ich mir die Atmosphäre noch ein klein bisschen beklemmender gewünscht (zum Beispiel durch –allerdings subtilen- Einsatz von wirklich beklemmender Musik in manchen Szenen), insgesamt bietet der Film aber doch einiges an Spannung. Vor allem die Grundthematik ist höchst interessant und ist (wie x-mal erwähnt worden ist) auch unerwartet aktuell geworden. Der Film verdeutlicht am extremen Fallbeispiel sehr gut, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Ich bin sowieso der Ansicht, dass man niemals die Sicherheit, die man gerne hätte, bekommen kann. In jeder Sekunde, ebenso überraschend wie unvorbereitet, kann es einen erwischen. Da hilft kein Panic Room und auch sonst keine Schutzeinrichtung. Was aber wohl wichtiger erscheint, ist das Gefühl, Sicherheit zu haben. Und angesichts der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit eines z.B. Einbruchs, spielt wohl die Beruhigung, abgesichert zu sein, die Hauptrolle. Um so schlimmer ist es dann natürlich, wenn diese Beruhigung dann erschüttert wird, wie es in „Panic Room“ geschieht.
Fazit: Spannender Thriller, der über die gesamte Laufzeit fesseln kann. Von ein paar (Kritik-)Punkten abgesehen bietet der Film packende Unterhaltung bis zum Schluss. In diesem Fall kann ich mich im Großen und Ganzen dem CINEMA-Urteil anschließen: Solide auf der Fincher-Skala, grandios im Hollywood-Gesamtvergleich.
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