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Panic Room (2002)

Eine Kritik von Liber
eingetragen am 06.09.2003, seitdem 228 Mal gelesen


Dieser Film könnte auch ein Theaterstück sein, in dem 8 Personen in wenigen Räumen eine ungeheure Dynamik entwickeln.
Er ist auch ein würdiger Nachfolger der Hitchcock-Filme, und er ist auch ein Film, der sich nicht nur mit dem äußeren Geschehen von Ängsten, Spannung und Erlösung abgibt, sondern auch das innere Geschehen in den Personen nachvollziehbar macht.
Panic Room kommt mit wenigen äußerlichen Mitteln aus, um dann daraus eine ungeheure Brisanz zu entwickeln. Er ist wohl ein Meisterwerk.

Aber: Dieser Film ist nicht angenehm, aber er regt zum Mit-Empfinden und Mit-Denken an, obwohl es eigentlich nur ein Thriller ist – mit vielen Klischees, die Thriller mit sich bringen.

ZUTATEN
Wir haben es mit einer Mutter zu tun, die gerade von ihrem Mann verlassen worden ist. Dann handelt der Film von einer Tochter, die zuckerkrank ist und alle paar Stunden oder in besonderen Situationen eine Spritze braucht.

Diese werden bedroht von Einbrechern. Der erste Einbrecher ist jemand, der immer die anderen übers Ohr hauen will, der zweite Einbrecher denkt schnell an Gewalt und will dadurch die Geschehnisse für sich entscheiden, und der dritte Einbrecher ist nur durch Not auf die schiefe Bahn geführt worden. Wieweit er innerhalb des Geschehens davon wieder Abstand nehmen wird, das ist eines der Hauptanliegen des Films.

Im weiteren Verlauf des Films treten dann noch der Ehemann, der zwar neuerdings mit einem Model lebt, aber in der Not zu seiner Familie steht, auf, und es treten zwei Polizisten auf, die der ganzen Angelegenheit bis zum Ende hin noch einmal Schwung versetzen.

Dann haben wir es mit einem furchtbar vornehmen Haus zu tun, das in Manhattan liegt und sehr viel Miete kostet, und das einen hermetisch abgeriegelten Raum enthält, in dem man sich vor Einbrechern verstecken kann – den Panic Room.

Dieser Raum hat natürlich auch Verbindung zur Außenwelt, sei es die offizielle Verbindung über die Video-Kameras, sei es die Zuleitung der Klimaanlage, durch die man auch mal etwas anderes als Luft schicken kann, sei es die Ableitung der Luft, durch die man ins Nachbarhaus sehen kann, sei es die Mauer, durch die man die Nachbarn hören kann – und sie einen selbst vielleicht auch. Es kommt auch ein Handy vor, das in dem abgeriegelten Raum wohl nicht funktioniert, und eine Telefonleitung, die zwar abgeknipst ist, aber sich vielleicht umoperieren lässt.

STORY
Mit diesen Zutaten entwickelt der Regisseur nun ein ungeheuer dramatisches Geschehen.
Mutter (Jodie Foster) und Tochter mieten sich in dem Haus ein, in dem sich der Panic Room befindet. Schon in der ersten Nacht kommen die drei Einbrecher, die wissen, dass sich in dem Panic Room ein Schatz befindet, und versuchen, an diesen zu kommen.
Mutter und Tochter flüchten sich natürlich in den Panic Room und versuchen, von dort aus die Einbrecher zu vertreiben. Diese wollen andererseits ja nur die zwei aus dem Raum vertreiben, um den Schatz zu heben, und greifen dazu zu verschiedenen Mitteln, die bei den Zutaten schon angedeutet sind.
Mutter und Tochter andererseits versuchen, sich bei der Umgebung – sei es Nachbarschaft, sei es der Familienvater – Hilfe zu holen. Wenn gerade die Einbrecher im untersten Stockwerk sind, kann man auch mal den Panic Room verlassen, um etwas Wichtiges zu holen. Die Einbrecher merken das natürlich und beginnen dann, Hochzulaufen. Wer wird das Rennen gewinnen?
Wird es den beiden gelingen, sich der Umgebung bemerkbar zu machen?
Und wenn es ihnen gelingt, welche Folgen hat das?
Und wenn dann Hilfe genau in dem Moment kommt, in dem man erpressbar wird, wie reagiert man dann?
Und wie reagiert man, wenn Giftgas in den Raum eingeführt wird, das aber brennbar ist?
Und wenn die Situation ausweglos erscheint, was passiert dann?
Und werden sich die Charaktere der Darsteller im Laufe der Handlung verändern?

Durch dieses ständige Hin und Her – Mutter und Tochter sind auch nicht IMMER in dem Panic Room, manchmal gibt es auch andere Konstellationen – entwickelt sich eine starke Dynamik mit immer wechselnden Fronten, die auch die psychischen Gegebenheiten der Personen verstärken.

QUALITÄT
Fincher hat diesmal einen sehr düsteren Film gedreht, der meines Erachtens ein Meisterwerk ist, dessen sich Hitchcock nicht hätte zu schämen brauchen.

Die Regie von Fincher halte ich für oscarverdächtig, ebenso die Kameraführung, die nicht nur realistisch zu nennen ist, sondern hyperrealistisch, weil die Kamera Fahrten mitmacht, die noch nicht einmal eine stecknadelgroße Kamera erlauben würde. Wie das gemacht wurde, ist mir ein Rätsel.

Dann kommt noch eine Musik hinzu, die allen Grundsätzen der klassischen Kompositionslehre zuwider läuft, eine Musik, die z. B. Die Töne 1, 5, 9 – das klingt schon schräg, doppelte Quinte – in doppelten Quintparallelen eine Melodie spielen lässt. Das wird wohl nicht jedem gefallen, der an romantische Filmmusik von Hans Zimmer gewöhnt ist passt aber ausgezeichnet zu der düsteren Stimmung des Films.

Im Vordergrund stehen aber die ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen von Jodie Foster und ihren Mitstreitern. Auch N. Kidman, die die Rolle zuerst übernehmen sollte, hätte ich mir nach ihrer ausgezeichneten Leistung in THE OTHERS gut in der Rolle vorstellen können, aber Jodie Foster ist schon einmalig toll.

Vor allem ist es aber die Möglichkeit, das innere Geschehen in den Personen nachzuvollziehen, auch wenn ein Buch dazu mehr Möglichkeiten hat, die mir diesen Film – trotz aller Düsternis, trotz aller Langsamkeit, trotz aller Beschränktheit in der Umgebung – nahe gebracht hat.

FAZIT
Dies ist ein spannender und düsterer Film, der auf kleinstem Raum eine ungeheure Dynamik entwickelt, wie ein gutes Theaterstück. Die hyperrealistische Darstellung, die auch vor Brutalitäten nicht Halt macht, lässt den Film allerdings für Kinder als ungeeignet erscheinen. Die FSK ab 16 ist völlig berechtigt. Der Film zeigt verschiedene psychische Situationen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten sehr fein und andererseits fast brutal auf. Er ist nicht für einen angenehmen Kinoabend, bei dem man sich amüsieren will, geeignet, sondern er ist eigentlich ein Theaterstück für Erwachsene, die einiges an Realität vertragen. 10/10


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