Der erste Blick fällt auf einen Galgenstrick. Dieser Baum ist für Case Britton (Jim Davis) reserviert, der gerade selbst diesen Ort Richtung Rock Valley passiert. Zielstrebig führt ihn sein Weg zu Marshal Tom Evans (Walter Sande) und er hat seine privaten Gründe dafür. Revolverhelden sind nicht willkommen, stellt Evans klar. Britton hatte zwei Mann niedergeschossen und war seit dem nicht mehr in der Stadt gewesen. Jetzt aber fürchtet er um seine Verlobte Della Haines (Lyn Thomas), die in einer Kutsche anreisen wird, welche einen geheimen Geldtransport von $ 75.000 nach Rock Valley transportiert. Dies hat Britton vom Ganoven Jack Cantrell (Ted de Corsia) erfahren, der vor hat, die Kutsche zu überfallen und die Moneten an sich zu reißen.
Mit Morgen sollst du sterben stellt der routinierte B-Filmer Edward L. Cahn ein weiteres Massenprodukt seiner besonders von den 50er bis Anfang der 60er Jahre in allen beliebten Genres florierenden Schaffensphase vor. Nach dem unglaublichen Erfolg der Westernserien im Fernsehen und einem Höhepunkt der Umsätze mit Westernromanen war dieses Thema selbstverständlich auch in B-Movie-Rängen noch gefragt. Mit der Infrastruktur in Kalifornien war es auch kein großes Problem auf die bestehenden Sets ausgerichtete Plots schnell abzudrehen. Mit all dem, was seinerzeit aber schon als Western umgesetzt wurde, kann man der Story von Steve Fisher kaum noch abverlangen etwas Überraschendes anzubieten. Allein der etwas zwielichtige Geschäftsmann/Viezüchter Carl Avery erinnert schon an die Figur Seth aus Cahns Abrechnung in Abilene des selben Erscheinungsjahres, beidenfalls übrigens auch verkörpert von Barton MacLane. Obwohl der amerikanische Western sich aber um sich selbst drehte und so immer mehr versandete, kann diese auf knappe Spielzeit ausgelegte Komposition mit bewährten Elementen doch unterhalten.
Es ist die gern verwendete Absolution des Revolverhelden, die in Morgen sollst du sterben im Mittelpunkt steht. Zwar besteht ein freundliches Verhältnis zwischen den Gesetzeshütern und Case Britton, der guten Willen bewiesen hat. Die Einwohner Rock Valleys jedoch sind ihm nicht wohl gesonnen, wollen ihn am liebsten hängen sehen. Die Bürger haben ja keine Ahnung, daß sie eine Übermacht anzugreifen droht, derer sie sich ohne Britton nicht erwehren können werden. Im Gegenteil, Avery und sein Interessenvertreter Link Roy (Leo Gordon) provozieren ihn. Der gewitzte Britton erkennt die Brisanz sofort und besteht auf einen Faustkampf. Da aber aus den Schaulustigen heraus plötzlich auf ihn gezielt wird, kommt er nicht darum, in Notwehr einen weiteren Mann nieder zu strecken. Dennoch begibt er sich darauf freiwillig in Haft. Marshal Evans sieht gar nur so eine Chance darauf, daß Britton noch schlagfertig sein wird, wenn Cantrell die umgelenkte Beute bemerkt. Mit dem Geld in der Stadt muß sich eine kleine Bürgerwehr auf einen bevorstehenden Angriff der Ganoven vorbereiten. Nur wenn sie Case Britton hinzuziehen, haben sie eine Chance.
Eine Stärke von Morgen sollst du sterben ist durchaus das Drehbuch, durch welches die Spannung gefördert werden kann, indem immer neue Informationen über die Figuren eingestreut werden. So werden Motivationen und Standpunkte langsam deutlicher. Von der ersten Schlägerei kurz eskalierend durchbrochen scheint die Geschichte tief Luft zu holen, um in seinem Finale zu explodieren. Tatsächlich zieht man hier alle Register, wenngleich funktionales Ausspielen der Schurken mit etwas Abstand stellenweise schon einfältig wirkt. Vom Film gefesselt geht dieses Konzept aber auf. Mit den Bösewichten mitten in der Stadt, verschiedenen Interessengruppen, einem klaustrophobischen Gefecht innerhalb eines Gebäudes bis zu einem Mexican Standoff auf offener Straße kann Morgen sollst du sterben mit einer ansteigenden Spannungskurve überzeugen.
Natürlich ist dies, wenn auch in der Umsetzung etwas über dem Mittel angesiedelt, immer noch mit einem minimalen Cast inszenierte Stangenware. Doch das Sujet soll hier auch mehr den Konsumenten ansprechen und eine gute Stunde unterhalten. Eben weil die Elemente einfach bekannte Formeln im Western bilden, muß nicht jedes Detail im Bild festgehalten werden. Anstatt sich mit parallelen Geschehnissen aufzuhalten, spart man dies in Morgen sollst du sterben weitestgehend aus, wenn die Information auch erzählerisch in Rock Valley gegeben werden kann. Dies hat nicht nur einen kostensenkenden Effekt in der Produktion zur Folge, sondern auch ein homogenes Bild, wo manch anderer Film in dieser Preisklasse von einem Handlungsort zum anderen hopst und nichts richtig erzählt. Hier könnte man allenfalls das Drumherum in spektakulären Bildern aufbauschen. Wenn man nicht mehr als einen Zeitvertreib erwartet und zum mit der Materie vertrauten Klientel gehört, greift das Prinzip wunderbar.